Inzwischen bin auch ich mit Hornblower aufgebrochen und kann sagen, dass mir dieser marinehistorische Ausflug durchaus gefallen hat. An die etwas antiquierte Sprache musste ich mich kurz gewöhnen, war dann aber überrascht, wie schnell die verbleibenden Seiten weniger wurden. Auch an die nautischen Begriffe habe ich mich schnell gewöhnt, allerdings habe ich darin auch Vorkenntnisse. Ich kann mir gut vorstellen, dass jemand ohne Bezug dazu weniger Lesefreude an dem Buch haben kann. Forester schafft es aber, den Flair auf See gut einzufangen, ohne etwas zu beschönigen und trotzdem die Zuneigung zur See und zur Marine deutlich zu machen.
Durch die episodenhafte Erzählweise kann der Leser zwar Hornblowers Entwicklung gut verfolgen, allerdings bleiben die anderen Protagonisten durch ihr kurzes Auftreten etwas blass. Ich hoffe, dass mit dem Aufstieg Hornblowers und umfangreicheren Aufträgen auch seine Gegenparts mehr zur Geltung kommen. Als Nachteil habe ich den Fokus auf die Handlung aber nicht empfunden, denn immerhin passiert einiges. Auch hier gilt: Forester beschönigt nicht und es kommt dem Leser unter Umständen entgegen, keine tiefe Verbindung zu einer Nebenfigur aufbauen zu können.

Hornblower selbst verdient es, im Mittelpunkt zu stehen, und ist ein herrlich menschlicher Held. Dieser dürre Bursche, der unter der Seekrankheit leidet und einen Hang zur Perfektion hat, bildet genau das richtige Gleichgewicht zur Handlung. Manchmal erscheint er überkorrekt und so selbstkritisch, dass es schon fast wieder heldenhaft wirkt, allerdings ist dieses Verhalten sicher dem Zeitgeist und der herrschenden Disziplin geschuldet. Es ist mir zwar aufgefallen, ich habe es aber nicht als störend empfunden. Im Gegenteil passt es gut zu anderen Szenen, in denen mich der unbedingte Gehorsam der Seeleute und Marinesoldaten fasziniert, aber auch erschreckt hat.

Viele Grüße
Breña