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Autor Thema: Andreas Eschbach - Ein König für Deutschland  (Gelesen 441 mal)

Alfa_Romea

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Andreas Eschbach - Ein König für Deutschland
« am: 27. Januar 2010, 19:08:30 »

Hi!

Ich habe das Buch mit Autorenbegleitung auf leserunden.de gelesen und fand es sehr anregend - wie immer, wenn sich Andreas Eschbach eines Themas annimmt. Diesmal geht es um Wahlcomputer und wer das Buch ohne Spoiler oder falsche Erwartungen lesen möchte, liest besser den Klappentext nicht. (Dazu weiter unten mehr.) Hier ist meine Meinung:



Inhalt:
In den USA gerät der junge Programmierer Vincent Merrit im Herbst 2000 in ernsthafte Zweifel darüber, ob er eventuell geholfen hat, George W. Bush zum Präsidenten zu machen. Vincent arbeitet für eine Softwarefirma in Florida und hatte im Vorfeld der Wahlen mit einem Programm zu tun, mit dem man Wahlcomputer möglicherweise manipulieren kann. Und nachdem die widersprüchlichen Resultate der Auszählung in Florida bekannt werden, muss sich Vincent ein paar Fragen stellen.
Sein grösstes Problem dabei ist, dass er mit niemandem über den Fall reden kann, da er sich dank einer Vorstrafe nichts mehr zu Schulden kommen lassen darf; sonst verschwindet er für sehr lange Zeit hinter Gittern. Seine Lage kompliziert sich ein paar Jahre später, als ein Mann mit ihm Kontakt aufnimmt, der über seine Fähigkeiten als Programmierer und seine Erfahrungen mit Wahlcomputer offenbar Bescheid weiss. Er macht ihm ein Angebot, dass Vincent nicht ablehnen kann. Als er versucht, aus der Nummer rauszukommen, indem er sich absetzt und seinem in Deutschland lebenden Vater eine CD mit Beweismaterial schickt, setzt er damit Ereignisse in Gang, die sich niemand träumen lassen hätte.

Meine Meinung:
Andreas Eschbach schafft es einmal mehr, ein Thema auszuwählen, das uns alle betrifft, aber über das sich die wenigsten Gedanken machen. In «Ausgebrannt» war es das Erdöl, in «Ein König für Deutschland» sind es Wahlcomputer respektive der Umgang von Behörden mit Computern und neuen Technologien. Statt über Wahlcomputer hätte er auch über Pässe mit biometrischen Daten oder den behördlichen Kampf gegen Internetkriminalität schreiben können; die Botschaft wäre überall dieselbe gewesen: Die Entscheidungsträger in der Politik haben in der grossen Mehrheit keine Ahnung von Computern (was übrigens auch für weite Teile der Bevölkerung gilt) und zeigen wenig Neigung, Leuten, die eine Ahnung haben, auch zuzuhören wenn diese vor Gefahren warnen.

Dass er da mitten aus dem Leben schreibt belegen in die Geschichte eingestreute Fussnoten, die Dinge, die wirklich geschehen sind, gekonnt mit seinem Plot verknüpfen. Dadurch kann man die Geschichte nicht ins Reich der Fanatsie eines begabten Autors schieben, sondern muss sich ernsthafter damit auseinandersetzen; schliesslich könnte George W. Bush seine beiden Wahlen genau auf die Art «gestohlen» haben, die in dem Buch beschrieben ist. Das ist in dem Thriller jedoch erst der Auftakt, in der Folge wird auf glaubhafte Art gezeigt, dass man dank der Technikgläubigkeit von Volk und Behörden auch mit einer sehr dreisten Wahlmanipulation noch durchkommen könnte. Das Buch ist also ein dickes Ausrufezeichen und fordert seine Leser dazu auf, doch bitte auch die kritischen Stimmen neutraler Computerexperten zu hören, wenn ein Politiker wieder mal ein absolut sicheres System auf Computerbasis einführen möchte. Die absolute Sicherheit gibt es bei Computern ebenso wenig wie es sie im richtigen Leben gibt.

Obwohl «Ein König für Deutschland» eine klare Botschaft an seine Leser hat, kommt die Geschichte dennoch nicht mit erhobenem Zeigefinger daher, sondern ist im Gegenteil sehr unterhaltsam verpackt. Action gibt es nicht viel, aber Spannung und Humor kommen nicht zu kurz. Trotz des nicht leichten Themas lässt sich das Buch deshalb sehr gut lesen. Dazu tragen auch die immer wieder eingestreuten Hintergrundinformationen über die Funktionsweise von Computern und die Möglichkeiten, sie zu manipulieren, einen wesentlichen Teil bei. So kam bei mir nie das Gefühl auf, dass ich nur eine Geschichte lese; ich hatte immer das Gefühl, der Inhalt gehe mich tatsächlich etwas an. Ein beim Thrillerlesen gewiss nicht alltägliches Ereignis...

Es gibt zwei Abstriche, einen ganz kleinen und einen ziemlich grossen. Zuerst der kleine: Ich hätte mir da und dort etwas mehr Tempo gewünscht. Direkte Längen hat das Buch keine und ich fühlte mich auf jeder Seite unterhalten, aber dann und wann gings schon recht gemächlich voran.
Dann der grosse: Ich gehöre in Bezug auf Klappentexte und was darin verraten wird, nicht zu der heiklen Sorte. Aber was sich der Verlag da geleistet hat, ist unter aller Kanone.
Der erste Teil des Textes auf dem Buchrücken verrät ein Ereignis, das erst ganz am Ende des Buches stattfindet. Der zweite Teil spielt auf Fragen an, die in dem Buch nicht beantwortet werden, da das Thema ein ganz anderes ist. Der dritte Teil suggeriert ebenfalls eine Geschichte, die in dem Buch schlicht nicht stattfindet. Wer also in der Buchhandlung den Text auf dem Buchrücken liest, bekommt dann ganz etwas anderes, als dort steht. Das Ausweichen auf den Klappentext macht die Sache nur noch schlimmer: Dort ist der ganze Inhalt des Buches zusammengefasst.
Ich habe keine Ahnung, welcher Stümper diesen Text verfasst respektive sein OK dazu gegeben hat, dass das so publiziert wird. Aber sowas ist eine Frechheit gegenüber den Lesern.

Fazit:
Ein aufrüttelndes, informatives Buch, das hoffentlich viele Leser findet, die die darin enthaltene Botschaft nicht vergessen. Im Gegensatz zum Klappentext. Den sollte man vor dem Lesen keinesfalls beachten!

8 von 10 Punkten

 :winken:

Alfa Romea
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apassionata

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Antw:Andreas Eschbach - Ein König für Deutschland
« Antwort #1 am: 02. Februar 2010, 20:30:30 »


Hallo zusammen,

ja, ein weiteres Buch aus Andreas Eschbachs Feder erwarte auch ich.  Denn auch diesmal konnten mich die Denkanstöße und Hintergrundinformationen à la Andreas Eschbach wieder einmal grundlegend überzeugen.
Mit Ein König für Deutschland ist es dem Autor gelungen, die Grenzen zwischen Viktivem und Realität fast gänzlich zu verwischen.
Mit großer Neugier hing ich dann auch an den Seiten um mit Spannung den Geschehnissen rund um das Thema Wahlmanipulation zu folgen. Vollgestopft mit Zusatzinformationen zu den verschiedensten Themen rund um Wahlcomputer, deren Manipulation, menschlichem Streben nach deren Aufdeckung sowie wandelbare Empfindungen zum Thema Macht, wurde mir dieses Buch nie langatmig oder überproportioniert. Nein, für mich war es ein Genuss und eine Bestätigung obendrein, all jene Entwicklungen zu verfolgen, welche mit einer relativ kleinen Herausforderung begonnen hatte. So war es nicht schwer, sich in die Rolle des jungen Vincent hineinzuversetzen, der durch das Kreieren eines Programmes zur Manipulation von Wahlcomputern in der USA, plötzlich in einen Strudel hineingezogen wurde, welchen sich seine unbedarfte Persönlichkeit zunächst niemals vorgestellt hätte. Als ihm dann klar wurde, in welche Fänge er geraten war, war nichts mehr zu bremsen.
Aber auch bei seinem von nichts ahnendem Vater Simon König in Deutschland beginnen nach der Zuspielung des besagten Programmes die  Dinge aus dem Ruder zu laufen. Während ein machtgieriger Zaubertrickkünstler versucht an das Programm heranzukommen, erwartet sich eine Gruppe junger Leute die öffentliche Aufdeckung eben dieser Manipulationsmöglichkeit. Doch dann kommt nach und nach doch alles ein wenig anders als geplant...
Dabei empfand ich die doch sehr verschiedenen Figuren in diesem Buch sehr gut dargestellt. Auch wenn die Story für mich eigentlich nur Mittel zum Zweck war. Die vielen beigefügten Fußnoten verliehen dem Roman einen derart authentischen Touch, dass ich mich stets immer wieder fragte, ob es nicht tatsächlich und wirklich so gewesen sein könnte. Für Fans von Andreas Eschbach bzw. seinen Büchern ein stets sehr charakteristisches Merkmal, welches ich auch diesmal nicht missen musste. 
Und so werde ich Ein König für Deutschland gerne jederzeit weiterempfehlen und kann nur hoffen, dass es möglichst viele Leser finden wird.

Von mir:  4ratten

Ein kleines Ratti Abzug, weil letztendlich die Story doch ein wenig nach hinten gedrängt wurde.
Andererseits, um eben jene, ging es eigentlich weniger, denn es gab so vieles was gehört werden sollte.  :zwinker:

Grüssle
         Marion  :winken:
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"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Miramis

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Antw:Andreas Eschbach - Ein König für Deutschland
« Antwort #2 am: 13. Februar 2010, 13:36:22 »

Meine Meinung:

Wahlmanipulation und Wahlcomputer - dieses Themen interessieren mich brennend und als ich davon las, dass der neue Roman von Andreas Eschbach genau davon handelt, konnte ich es gar nicht mehr erwarten, das Buch in meine Griffel zu bekommen. Und ich wurde nicht enttäuscht; Andreas Eschbach hat sich wieder einmal eine brisante Geschichte ausgedacht, in der die Unterhaltung nicht zu kurz kommt, die aber vor allem aufrüttelt und mich sehr nachdenklich und bestimmt auch mit einer geschärften Wahrnehmung zurücklässt.

Der erste Teil, der seinen Schauplatz in den USA hat, hat auf mich schon fast einen sachbuchartigen Eindruck gemacht; sämtliche Aspekte zum Thema Wahl werden hier anhand der beiden Präsidentschaftswahlen, aus denen George W. Bush als Sieger hervorging, beleuchtet. Dabei werden die ganzen präsentierten Fakten anhand von Fußnoten belegt und wer Lust hat, kann anhand der vielen Links auf eigene Faust auf Spurensuche gehen und sich über das Thema noch sehr viel intensiver informieren. Ansonsten ist aber auch eine interessante Rahmenhandlung geboten, die den Leser in die Welt der Computerfirmen führt und die gekonnt mit der späteren Haupthandlung verknüpft ist.

Der Wechsel des Schauplatzes nach Deutschland bringt uns zur eigentlichen Handlung, und während die Hauptfigur Simon König, seines Zeichens Lehrer, eingeführt wird und dabei etliche kritische Gedanken zum aktuellen Schulsystem anklingen, steuert das Land auf die Bundestagswahl zu, die mit Spannung erwartet wird. Sehr schön, wie die Hessenwahl mit ihrem bekannten Patt-Ausgang in die Geschichte mit eingebunden ist und damit einmal mehr dem Leser das Gefühl vermittelt wird, ja, so könnte es tatsächlich gewesen sein...

Simon König stolpert recht unbedarft in seine Rolle als zentrale Figur einer geplanten Wahlmanipulation und ich fand es faszinierend, seine Entwicklung zu beobachten. Ist er sich zunächst seiner Position als Schwindler durchaus bewusst, nimmt er mehr und mehr den Charakter eines Wahlkandidaten an und glaubt an das, was er sagt. Sein Leben ändert sich drastisch und er findet immer mehr Gefallen daran, an der Macht zu schnuppern.

Der Ausgang der Bundestagswahl ist letztendlich keine große Überraschung, weil der Leser ja von einer Manipulation ausgehen darf. Umso überraschender fand ich es, dass genau diese Frage nicht wirklich geklärt ist und letztendlich offen bleibt - ein sehr raffinierter und brillanter Schachzug des Autors. Einen großen Reiz machten für mich auch die teilweise revolutionären Gedankenspiele zu zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Themen aus, die während des Wahlkampfes zur Sprache kommen und mich mit recht originellen, wenn auch nicht unbedingt praktikablen Lösungen beeindruckten. Auf dieser Spielwiese hat sich Andreas Eschbach ordentlich ausgetobt und mich gleichermaßen zum Staunen, Lachen und Nachdenken gebracht.

Auch den letzten Teil des Romans fand ich sehr gelungen - während der Autor uns zunächst einen recht skurillen und doch irgendwo interessanten Blick auf die Folgen einer manipulierten Wahl erlaubt, kriegt die Demokratie dennoch die Kurve und das Volk das, was es verdient.

Wenn auch auf diese Weise weniger Action als gewohnt zum Einsatz kommt, mich hat die ruhige und doch unterhaltsame Art dieses Politthrillers überzeugt. Sprachlich gesehen hat mir der griffige Schreibstil von Andreas Eschbach einmal mehr gefallen, der ein flüssiges Lesen erlaubt, auch und vor allem wenn es um eigentlich trockene Informationen geht. Ich fand "Der König von Deutschland" sehr raffiniert konstruiert, gekonnt ausgearbeitet und ebenso informativ wie unterhaltsam präsentiert - was will man mehr? Da spare ich dann auch nicht mit Ratten... :breitgrins:

 5ratten

Übrigens hatte ich den Riesenvorteil, dass ich das Buch leihweise und ohne Schutzumschlag bekam - so konnte mir der Klappentext nicht in die Quere kommen und ich bekam genau die Geschichte, die ich erwartet hatte.

Viele liebe Grüße
Miramis
Gespeichert
:lesen: Kai Meyer - Die Gebannte