

Mein erster Bryson - und ich muß sagen, daß ich schon lange nicht mehr so oft mitten in einem Buch laut aufgelacht habe. Bryson ist ein gnadenloses Lästermaul, und man sollte froh sein, ihm nicht irgendwo über den Weg zu laufen, ob als Kellnerin, Tankwart oder Motel-Angestellte, die Chancen stehen gut, irgendwo in seinem Buch auf sehr unerfreuliche Weise aufzutauchen. Wir anderen können uns freuen, denn seine Art, seine Landsleute schadenfroh und bissig bis zur offenen Gemeinheit zu karikieren ist umwerfend.
Beispiel gefällig? (meine Übersetzung)
"Ich komme aus Des Moines. Irgendwer muß das ja. Wenn du aus Des Moines kommst, akzeptierst du das entweder ohne weitere Fragen, läßt dich mit einem einheimischen Mädchen namens Bobbi nieder, bekommst einen Job bei Firestone und lebst so für immer. Oder du verbringst deine Jugend damit zu jammern was für ein Scheißkaff das ist und dass du garnicht drauf warten kannst, hier wegzukommen, und dann läßt du dich mit einem einheimischen Mädchen namens Bobbi nieder, bekommst einen Job bei Firestone oder lebst so für immer.
[...]
Außerhalb der Stadt ist ein großes Schild, auf dem steht "Willkommen in Des Moines! So fühlt sich der Tod an." Steht da nicht wirklich. Das habe ich mir bloß ausgedacht."
Und so geht das weiter, das ganze Buch durch. Die eigentlich Handlung ist überschaubar: Bryson fährt in zwei großen Runden einmal von Iowa nach Süden und dann über die Ostküste zurück, das zweite Mal grast er den Westen der USA ab, immer auf der Suche nach Kindheitserinnerungen und Opfern für seinen Spott. Wer immer schon Vorurteile über die ungebildeten und weltfremden Amis hatte - hier wird er auf's Köstlichste bedient. Manches ist eigentlich nur für Amerikaner verständlich (Wer oder was sind die Shriners? offensichtlich einSpaßtrupp innerhalb der Freimaurer) und auch eine gewisse Monotonie im Ablauf läßt sich nicht verleugnen, trotzdem

Morwen
P.S.: man sollte noch erwähnen, daß das Buch von 1988 stammt, man lese es also nicht als aktuelle Lagebeschreibung der amerikanischen Provinz, ein wenig wird sich sicher verändert haben. Auch erklären sich so die vielen Fehler (auch in der englischen Ausgabe): die alte Ausgabe wurde eingescannt und durch die OCR gejagt - für einen Lektor war wohl kein Geld mehr da.
