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Autor Thema: Dubravka Ugrešić – Baba Jaga legt ein Ei  (Gelesen 2766 mal)

Saltanah

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Antw:Dubravka Ugrešić – Baba Jaga legt ein Ei
« Antwort #30 am: 23. Februar 2010, 17:15:36 »

Durch.

Mir ging's wie euch. Nach kurzer Zeit begann mich auch der dritte Teil zu nerven. Die Ausführungen zu verschiedenen Baba Jagaaspekten waren viel zu ausführlich und Abas Anmerkungen wirklich überflüssig und ärgerlich. Von der Logik der Geschichte ist es zwar stimmig, dass sie die Erzählerin so lobt; es steht ja im ersten Teil, dass sie ein großer Fan der Erzählerin ist und so ist es ja verständlich, dass sie auch dieses neueste Werk toll findet. Das nimmt aber nicht den schlechten Geschmack, den die Bauchpinselung, die Ugrešić hier bei sich selbst vornimmt, weg.
Was den feministischen Aspekt angeht, bin ich zwiegespalten. Einerseits finde ich, dass da viel Wahres drinsteckt; Frauen wurden/werden schnell zu "Hexen" gestempelt und aus der Gesellschaft ausgestoßen - wobei das "ausgestoßen" nicht unbedingt wörtlich zu nehmen ist, im Sinne von einer einsamen Hütte mitten im Wald; auch die im Schoße der Familie lebenden Frauen haben/hatten ja nicht unbedingt alle Menschen(Männer-)rechte, und gehörten so nicht wirklich dazu.
Das hilft allerdings diesem Buch auch nicht weiter. Der Feminismus ist zu plump aufgetragen und verursacht auch bei mir einen schlechten Geschmack.

Fazit: Nein - so nicht.
So vielversprechend der erste Teil war, so sehr fiel der Rest ab. Aus "einem Guss" war das Buch wirklich nicht. Mir kam der Verdacht, dass Ugrešić den ersten Teil schon in Arbeit oder gar fertig hatte, als sie den Auftrag für ein Mythenbuch bekam und ihn dann darin wiederverwertete.
Hinter dem ganzen ahne ich schemenhaft ein viel besseres Buch, das es hätte werden können. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass Ugrešić was kann; das hat sie mit der Darstellung der Mutter im ersten Teil gezeigt. Den 3. Teil durch eine kurze Einführung in die Baba Jaga als Vorwort ersetzt, dann ein ausgebauter erster Teil und ein völliger Verzicht auf den 2. - das hätte vielleicht was werden können.
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Aldawen

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Antw:Dubravka Ugrešić – Baba Jaga legt ein Ei
« Antwort #31 am: 23. Februar 2010, 18:30:29 »

Durch.

Da fehlt nur noch ein „Uff!“  :breitgrins:  Aber ich kann's verstehen, mir ging's ja nicht anders.

Von der Logik der Geschichte ist es zwar stimmig, dass sie die Erzählerin so lobt; es steht ja im ersten Teil, dass sie ein großer Fan der Erzählerin ist und so ist es ja verständlich, dass sie auch dieses neueste Werk toll findet.

Das stimmt natürlich, aber wie Du auch sagst und was ich ja auch schon festgestellt habe, dieses Eigenlob kommt nicht gut an.

Was den feministischen Aspekt angeht, bin ich zwiegespalten. Einerseits finde ich, dass da viel Wahres drinsteckt; (...)

Keine Frage. Aber man sollte vielleicht nicht versuchen, alles gleichzeitig in einem Buch abzuhandeln. Von dem Verlust des Mythenbezugs ganz zu schweigen.

Mir kam der Verdacht, dass Ugrešić den ersten Teil schon in Arbeit oder gar fertig hatte, als sie den Auftrag für ein Mythenbuch bekam und ihn dann darin wiederverwertete.

 :lachen:  Das könnte natürlich sein!

Ich bin nämlich davon überzeugt, dass Ugrešić was kann; das hat sie mit der Darstellung der Mutter im ersten Teil gezeigt.

Nicht nur damit. Ich habe von ihr ja auch schon Das Ministerium der Schmerzen gelesen, das mir gar nicht übel gefallen hat. Deshalb fand ich das jetzt auch so besonders enttäuschend. Gut, daß nicht jeder Band das Tokarczuk'sche Niveau erreichen kann, ist ja in Ordnung, aber so? Naja, erstmal habe ich ja noch andere ungelesene aus der Reihe, die kaum schwächer werden können, und ansonsten freue ich mich einfach auf den Mythenband von Chinua Achebe, der irgendwann noch erscheinen soll    :breitgrins:
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika

schokotimmi

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Antw:Dubravka Ugrešić – Baba Jaga legt ein Ei
« Antwort #32 am: 23. Februar 2010, 20:39:57 »

Hallo,

Was den feministischen Aspekt angeht, bin ich zwiegespalten. Einerseits finde ich, dass da viel Wahres drinsteckt; (...)

Keine Frage. Aber man sollte vielleicht nicht versuchen, alles gleichzeitig in einem Buch abzuhandeln. Von dem Verlust des Mythenbezugs ganz zu schweigen.

Nun, mir ging dieser ganze Feminismus doch zu weit - aber ich habe, zumindest als Wirklung auf Aussenstehende, eine konservative Betrachtung dazu. Dabei bin ich überhaupt nicht konservativ, eher passiv und darum ging mir dieses "Revolution und Auf die Barrikaden" viel zu weit - für mich ist das der falsche Weg beim Thema Feminismus. Sorry!
Das es dann zum Thema Mythos Baba Jaga im Buches so gar nicht mehr recht passen wollte ist dann nochmal ein weiteres.

Ich werd mal sehen dass ich in den nächsten Tagen eine Rezi schreibe - mehrere gute Aspekte hatte die LR für mich auf jeden Fall.
1. Ich hab so lang keine mitgemacht und hab mich gefreut vor der Niederkunft doch noch eine zu erleben. Wer weiß wie schnell ich dafür wieder die nötige Ruhe habe.
2. Ich konnte ein weiteres Land für die Weltreise "abhacken" - Kroatien.
3. Ich habe einen tollen Buchtipp bekommen und bin auf die Mythenreihe insgesamt aufmerksam geworden.

Ich bin mal gespannt, wie Nikki noch so durchkommt und welche Aspekte sie noch finde - gute und schlechte?!

Viele Grüße
schokotimmi
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schokotimmi

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Antw:Dubravka Ugrešić – Baba Jaga legt ein Ei
« Antwort #33 am: 24. Februar 2010, 11:33:21 »

Hallo,

ich konnte es nicht lassen und habe schon mal eine Rezi verfasst.

Nikki, laß dich nicht entmutigen - du schaffst das schon auch noch...

Viele Grüße
schokotimmi
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nikki

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Antw:Dubravka Ugrešić – Baba Jaga legt ein Ei
« Antwort #34 am: 05. März 2010, 11:24:40 »

Hallo zusammen,

zuallerst Dankeschön für die Besserungswünsche; die Mama ist wieder aus dem Spital heraus und mir geht es demenstprechend auch besser! Und dann noch Entschuldigung, dass ich mich nicht so in die Leserunde eingebracht habe.

Ich bin mal gespannt, wie Nikki noch so durchkommt und welche Aspekte sie noch finde - gute und schlechte?!

Tja, eigentlich stimme ich so gut wie in Allem mit Euch überein. Ich habe mir Eure Beiträge schon vor Wochen durchgelesen, bevor ich mit dem Buch weitergekommen bin und habe mir eigentlich gedacht „oje“. Vielen Dank für die vielen interessanten Beiträge zu Märchen! @Schokotimmi ich habe mich dann doch nicht entmutigen lassen und habe weiter gelesen, fertig bin ich noch nicht aber immerhin bin ich im letzten Teil – und seit ich den begonnen habe, befindet sich das Buch wieder im Regal, aber langsam der Reihe nach...

Im ersten Teil ist mir Aba eigentlich nicht so auf die Nerven gegangen, es war viel mehr die Erzählerin mit ihren Launen, Erwartungen und ständig wechselnden Meinungen über Aba, die mich genervt hat. Und dann ihr Rundumschlag gegen die Anthropologen (da wurde der Berufsstolz ein wenig verletzt) – dieses besserwisserische Getue hat mich gestört (setzt sich für mein Empfinden im letzten Teil nochmals durch – leider).

Der zweite Teil hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen – bis auf drei Szenen, die auch von Euch bemängelt worden sind. Erstens diese unsägliche Papageien-Szene – ich bin sowieso ein Mensch, der mit Interpretation von Bildern nicht viel anfangen kann, entweder gefällt mir ein Bild oder nicht und dabei belasse ich es meistens. Aber die Interpretationen hier fand ich zum Teil stark an den Haaren herbeigezogen (wiederholt sich dann leider auch im letzten Teil). Die zweite störende Szene war die mit dem Casino. Ich habe den Teil mit wachsender Wut gelesen, am liebsten hätte ich Beba gepackt und durchgeschüttelt! Was mich noch gestört hat ist die Verdichtung der Ereignisse zum Schluss des zweiten Teils – da waren es mir zu viele Zufälle auf einmal. Pupas Enkel, dann die Adoptivenkelin von Beba... Die Ankunft von Pupas Enkel alleine hätte ich noch durchgehen lassen, aber dass er zufälligerweise Bebas Sohn in London kennengelernt hat, dieser auch gerade jetzt stirbt und Beba die Fürsorge für die Kleine bekommt, war mir zu konstruiert. Manchmal ist weniger mehr. Da geht es mir wie Aldawen, v.a. auch mit den Abschnittsenden – die habe ich zum Schluss nicht mehr gelesen.
Was mir aber gefallen hat, waren die geschichtlichen Ausführungen – das mag an meinem Hintergrund liegen, genauso wie die Kleinigkeiten wie die Salami „Gavrilovic“, die hat’s bei meiner Oma immer geben müssen, wenn ich nach Hause gekommen bin ☺ oder auch die sprachlichen Einschübe.
Die Idee Pupa in diesem Riesenei, das als Sarg diente, nach Kroatien zu bringen fand ich sehr schön – so als Symbol für das Leben geht weiter... Baba Jaga legt eben ein Ei ;-)

Ich bin jetzt wie gesagt im dritten Teil, wo Eure Vermutungen bestätigt worden sind, dass es sich bei den drei Damen um Baba Jaga handelt und das Buch wurde mal wieder zurückgelegt (stattdessen bin ich unterwegs nach Isfahan mit Pierre Lotti). Die Ausführungen über die Baba Jaga finde ich auch gut und interessant, was mir auf die Nerven geht sind die Interpretationen der Autorin. Ich fühle mich als Leserin dadurch schon eingeschränkt und fast bevormundet, bekomme fast das Gefühl dass die Autorin mir als Leserin nicht zutraut, ihren Stoff adäquat zu verstehen (wobei mir manche ihrer Interpretationen wirklich zu weit gehen – ich muss nicht alles sexualisieren und überall die Opferrolle der Frau hineinreklamieren; das nimmt mir den ganzen Reiz). In ein paar Tagen werde ich es nochmals wagen, bin schon nämlich gespannt auf den Schluss.

Liebe Grüße
nikki
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Ich lese gerade:
Lion Feuchtwanger - Der jüdische Krieg

schokotimmi

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Antw:Dubravka Ugrešić – Baba Jaga legt ein Ei
« Antwort #35 am: 05. März 2010, 14:28:33 »

Hallo Nikki,

erstmal sehr gut, dass es deiner Mutter besser geht!

Schön dass du noch durchhältst auch wenn es dich eben so wenig begeistert wie uns - wenigstens scheinst du nicht ganz so schlecht von Teil 2 Denken oder hast dich nicht so reingesteigert. Dein positiver Ansatz zu dem Ei als Sarg hat mir einen kleinen Lichtblick gegeben. Auch wenn mir das Buch so insgesamt weniger zugesagt hat, empfinde ich es mit ein paar Tagen Abstand doch recht spannend, es mal gelesen zu haben. Manche Autoren sind wirklich von sich überzeugt, das muss man erstmal drauf haben. :zwinker:

(wobei mir manche ihrer Interpretationen wirklich zu weit gehen – ich muss nicht alles sexualisieren und überall die Opferrolle der Frau hineinreklamieren; das nimmt mir den ganzen Reiz). In ein paar Tagen werde ich es nochmals wagen, bin schon nämlich gespannt auf den Schluss.

Na dann wünsche ich dir für den Schluss sehr gute Nerven - da gibt es noch ein wenig Sex und sehr viel Feminismus... :zwinker: Lass uns doch an deinen Gedanken teilhaben, da bin ich jetzt nochmal richtig gespannt. :breitgrins:

Viele Grüße
schokotimmi
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