Wir sind ungefähr gleichzeitig ins Ziel eingelaufen, Bettina. Ich habe das Buch vorletzte Nacht auch noch beendet.
Walters Aussage, 2. Teil:Über Pescas Wiederauftauchen in der Geschichte habe ich mich gefreut. Allerdings wirkt er ein wenig zu sehr wie ein Deus ex machina, als er Walter die Möglichkeit bietet, Fosco ein Geständnis abzupressen.
Der scheint mir aber die falsche Person zu fürchten: Die andere Person im Theater, die auch immer wieder auftaucht, ist doch bestimmt
ein von der Bruderschaft beauftragter Meuchelmörder. Dass Collins hier nun noch eine Geheimgesellschaft ins Spiel bringen musste, hat mir weniger gut gefallen. Aber wie hätte Walter Fosco sonst knacken können? Irgendeine Lösung musste Collins sich da ja einfallen lassen.
Jedenfalls sehe ich schwarz für die Zukunft Foscos.
Foscos Aussage:Herrjemine, was ist der Graf von sich eingenommen!

Er ist ja schon ein intelligenter Mann und geschickter Manipulator, aber ein wenig Größenwahn kann man ihm nicht absprechen. Neues erzählt er eigentlich nicht mehr; er bestätigt uns noch einmal unsere Vermutungen.
Interessant dabei fand ich die Erklärung für die völlige Ergebenheit seiner Frau: Sie ist eine perfekte britische Ehegattin! Tut genau das, was die britischen Gesetze von einer Gattin verlangen:
They charge her unreservedly to love, honour and obey him. Selbst denken und ihren Ehemann gar zu kritisieren, ist nicht!
Kann es sein, dass Collins in seinem Roman ein klein wenig Kritik übt an der strengen Rollenaufteilung von Mann und Frau? Er hat mit Marian ja eine positive weibliche Figur geschaffen, die nicht die perfekte Verkörperung der "weiblichen Tugenden" ist, die "männliche" Züge hat. Allerdings führt er seine "feministischen" (wenn frau das nun so nennen kann oder will) Anflüge nicht sehr weit. Einen Mann kann er Marian unter diesen Bedingungen nicht geben, (da fände sich so schnell keiner, der ihre geistige Unabhängigkeit akzeptieren könnte und mit einem "normalen" wäre es schade um sie), ein unabhängiges, alleinstehendes Leben ebenfalls nicht. Bleibt nur ein doch wieder typisch weibliches Ende
als treusorgende, aufopferungsvolle Hausgenossin.
Aber immerhin ist das von ihr selbst gewählt; sie wurde an keinen Mann "verkauft". Und wer weiß - vielleicht kommt sie ja irgendwann über ihre Liebe zu Walter hinweg und trifft doch einmal auf einen ihr gleichwertigen Mann.
Ende:Ich hatte ja bis zum Ende vermutet, die traute Zweisamkeit von Walter und Laura wäre
nur von kurzer Dauer. Ab und an kamen in Walters Bericht Sätze, die darauf hindeuteten. Aber nein - "Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute."
Amüsant schließlich die Frage an Walter: "Weißt du, wer das hier ist?", auf die er nahezu mit einem Vogelzeigen reagiert.

Ein schönes, rundes Ende.
Insgesamt hat mir der Roman richtig gut gefallen. Auch wenn mir die Personen manchmal gehörig auf die Nerven gegangen sind, so war das Buch doch spannend, gut geschrieben und unterhaltsam.
Noch besser wurde es durch eure Teilnahme an der Leserunde. Danke für interessante "Gespräche".
