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ich lese auch auf Englisch, allerdings die
Penguin Popular Classics-Ausgabe:


und habe eben das
8. Kap. beendet.
Mein erster Eindruck war ebenfalls sehr positiv. Ich
liebe die britische Literatur des 19. Jahrhunderts und fühle mich da sehr heimisch. Irgendwie sind diese Romane für mich wenn auch nicht die aller-allerbesten, so doch die idealen - falls ihr versteht, was ich meine. Der Inbegriff eines Romans sozusagen.
Das wundert mich insofern, als ich es eigentlich gerne sehr kurz und nur angedeutet mag. Das gilt für dieses Buch ja nicht direkt - auch wenn es schnell zur Sache geht, so sind die Beschreibungen doch recht ausführlich, aber trotzdem... Ich mag es!
Eigentlich reagiere ich auch sehr empfindlich auf (zu) große Zufälle. Dass Hartright und die Frau in Weiß (fast) gemeinsame Bekannte haben und dass er zudem noch
ganz zufällig erfährt, woher sie kommt, würde mich in jedem anderen Buch zu Wutschnauben veranlassen, aber hier passt es. Die ollen Briten dürfen sowas tun!

Das gehört dazu.
Hartright, der erste von mehreren Erzählern (ich bin eine manische Vorblätterin; zwar lese ich nichts vom Text, aber wenn der erste Abschnitt mit den Worten
The Story begun by..., muss ich doch erst mal gucken, wie lange der erzählt, wer ihn ablöst, usw.) ist mir auf Anhieb sympathisch. Zwar höflich und wohlerzogen, nimmt er, wenn es um die Schwächen seiner Mitmenschen geht, doch kein Blatt vor den Mund, z. B. bei der Beschreibung von Mr. Fairlie oder Mrs. Vesey. (
Some of us rush through life, and some of us saunter through life. Mrs. Vesey sat through life.
(8. Kap.)) Dabei wird er aber nie bösartig - sehr sympathisch eben.
Auch Marian Halcombe gefällt mir in ihrer freien Art, und vor allem mag ich, dass sie nicht der Inbegriff weiblicher Schönheit ist. Zu dunkel, zu männlich,
bright, frank and intelligent und dabei
wanting in those feminine attractions of gentleness and pliability (6. Kap.). Allerdings wurde mir bei der Beschreibung gleich klar, dass es zwischen ihr und Hartright sicher nichts werden wird. Sie ist eher der Typ der Freundin und Vertrauten als der Angebeteten.
Was mir auf die Nerven ging war das frauenfeindliche Gerede von Marianne Halcombe. Ständig setzte sie ihre Geschlechtsgenossinnen herunter wo sie nur konnte. Mir ist klar, dass zu jener Zeit das Frauenbild nicht viel anders war, aber für meinen Geschmack wird da viel zu sehr darauf rumgetrampelt!
Gefallen tun mir diese Sprüche auch nicht, aber ich denke, Marian handelt in Selbstverteidigung. Sie nimmt sich ja einiges heraus, ist sehr offen und direkt (und intelligent), kaschiert ihre Stärke aber dadurch, dass sie ständig von den Schwächen von "uns Frauen" redet. Sie stellt sich und ihre Geschlechtsgenossinnen in ihren Aussagen klein und hilflos dar, verhält sich aber gar nicht so.
In Laura Fairlie hat Hartright dann seine ideale Angebetete gefunden. Aber auch ein Rätsel, wie er des Abends bemerkt:
Laura ähnelt also der Frau in Weiß sehr! Wie kann das nur der Fall sein? Meine Fantasie läuft schon wieder auf Hochtouren, ich vermute eine weitere Halbschwester, frage mich, ob vielleicht eine Vertauschung der beiden Mädchen stattgefunden hat, oder ob vielleicht eine geplant ist. Laura ist ja wohl die Erbin und wenn Onkel, Halbschwester und gerne auch noch die Dienstboten bei einem Feuer ums Leben kommen sollten, könnte man gut die Frau in Weiß als "Laura" präsentieren und mit ihrer Hilfe an den Besitz kommen.
Zum Abschluss noch mein Lieblingswort bisher:
smalltakable!
