
Inhalt: Lyy von Launiala könnte eigentlich am Ziel seiner Wünsche sein: Sein Vater ist so alt und verwirrt, daß er seine Aufgaben als Richter und Oberpriester nicht mehr wahrnehmen kann, und niemand wagt es, dem kriegerischen Lyy die „Erbfolge“ auf diese Ämter streitig zu machen. Eines Tages nutzt ein entfernter Verwandter die Abwesenheit praktisch sämtlicher Männer von Launiala, um Lyys Schwester Aure zu rauben. Bei dem Versuch, zusätzlich von dem christlichen Anwesen Arantila auch noch Reichtümer zu erobern, kommen der Räuber und alle seine Begleiter ebenso um wie die Bewohner des Anwesens. Als Olaf Sturmfalke wenige Stunden später mit seinem Schiff anlegt, macht er sich sofort auf den Weg der Rache. Bei den Mördern trifft er aber nur ein junges Mädchen, das er kurzerhand vergewaltigt, ohne sich darum zu kümmern, wer sie ist – Aure. Lyy, der sich sowieso auf Launiala langweilt, will fort und nimmt die entehrte Schwester mit, weil er hofft, in Konstantinopel noch ein gutes Geschäft mit ihr machen zu können.
Olaf Sturmfalke schließt sich wieder dem norwegischen König Harald an, der bei dem Versuch der Eroberung Englands ums Leben kommt. Olafs Odyssee führt ihn zunächst zu seinem Blutsbruder in die Normandie, von wo er mit dessen Schwester als Ehefrau nach Italien aufbricht. Dort gehört er zu den Anhängern Robert, des Herzogs von Apulien, und wird selbst nach einiger Zeit und einigen Winkelzügen um seine Ehe zum Grafen von Sinetra. Seine Frau wird Olaf zunehmend gleichgültiger, aber als er nach Byzanz aufbricht, um dem Basileios seine Dienste und Männer im Kampf gegen die Seldschuken anzubieten, will sie mit. Lyy, inzwischen zu einem Hauptmann in der kaiserlichen Warägergarde aufgestiegen, muß natürlich an dem Kriegszug gleichfalls teilnehmen. Es kommt zu einem schicksalhaften Wiedersehen ...
Meine Meinung: Die historischen Rahmendaten, soweit ich sie übersehen kann, und das tue ich nicht vollständig, sind in Ordnung, was ja bei historischen Romanen leider keine Selbstverständlichkeit ist. Allerdings ist das auch schon so ziemlich das Beste, was sich über diesen Roman überhaupt sagen läßt.
Die Handlung ist recht sprunghaft, Zusammenhänge werden wenig geklärt, und was die Leute eigentlich in all den Monaten bzw. Jahren treiben, die die Erzählung sie nicht unmittelbar verfolgt, bleibt ziemlich im Dunkeln. Dabei wäre das gerade für Lyy und Aure schon interessant zu verfolgen gewesen. Dafür werden die Personen mit reichlich Klischees belegt, vor allem bei der Beschreibung der körperlichen und wesensmäßigen Vorzüge Olafs hatte ich das Gefühl eher einen Wikinger-Nackenbeißer als einen historischen Roman vor mir zu haben
Die gnadenlose Ausnutzung von solchen, vor allem auf das Äußere bezogenen, Klischees sorgt dann auch nicht gerade für entwicklungsfähige Charaktere. Olaf leidet zwar unter der von ihm begangenen Vergewaltigung, schließlich ist er schon seit seiner Kindheit Christ und kein spät Bekehrter, das reicht sogar bis zur monatelangen Impotenz, aber nicht mal die Sorge um seine unsterbliche Seele kann ich ihm da wirklich abnehmen. Der Rest der Bagage ist eindeutig den Bösen oder den etwas weniger Bösen zuzuordnen, denn außer Mord und Totschlag hat da keiner was im Sinn. Und genauso bewegen sie sich auch alle durch die „Handlung“ des Romans. Ausgesprochen langweilig!
Bei diesem Band handelt es sich um die erste Hälfte der finnischen Originalausgabe, die zweite Hälfte ist
in diesem Thread auch schon kommentiert (das dort auch genannte
Bronzevogel scheint aber ein eigenständiger Roman zu sein). Daß die Geschichte am Ende dieses Romans nicht beendet ist, ist offensichtlich, dafür hängen zu viele Ende lose in der Luft, aber ehrlich gesagt interessiert mich deren endgültige Verknüpfung und ein etwaiges Happyend für Olaf und Aure nicht für 5 Cent, denn das würde ja bedeuten, daß ich mich geschätzt noch mal 450 Seiten langweilen müßte. Nein, das einzige, was hier überhaupt noch für eine Rattenbewertung sorgt, ist der doch mal etwas ungewöhnlichere Schauplatz.

Schönen Gruß,
Aldawen