Karin Alvtegen:Schatten
Inhalt:Gerda Persson, eine einsame alte Frau, ist verstorben. Als die städtische Nachlaßpflegerin ihre Sachen durchsieht, stellt sich heraus, daß Gerda Persson früher einmal Haushälterin bei der Familie des berühmten Literaturnobelpreisträgers Axel Ragnerfeldt war. Die Nachlaßpflegerin nimmt Kontakt zur Familie des Nobelpreisträgers auf, aber Axel Ragnerfeldt ist nach einem Hirnschlag gelähmt und sprechunfähig. Sein Sohn Jan-Erik (der recht komfortabel von der Vermarktung der Bücher seines Vaters lebt) beginnt, die Unterlagen seines Vaters nach einem Foto Gerda Perssons für die Beerdigung zu durchsuchen. Dabei findet er Unterlagen, die Axel Ragnerfeldt wohl am liebsten schon vor längerer Zeit entsorgt hätte, nun aber nicht mehr beseitigen kann... Und wer ist eigentlich der junge Mann, ein erfolgloser Schriftsteller, den Gerda Persson in ihrem Testament zum Alleinerben macht? Hilflos eingesperrt in seinem Körper muß Axel Ragnerfeldt zusehen, wie ein dunkles Familiengeheimnis nach dem anderen ans Licht kommt...
Die Autorin (Klappentext):
Karin Alvtegen, 1965 geboren, ist die Großnichte von Astrid Lindgren. Sie lebt mit ihrer Familie in Stockholm und ist derzeit wohl Schwedens erfolgreichste Autorin - jeder ihrer Romane schafft es dort auf Platz 1 der Bestsellerliste. Aber auch international hat es Karin Alvtegen weit gebracht: ihre Bücher erscheinen in 23 Ländern. In deutscher Übersetzung liegen vor: "Die Flüchtige", "Der Seitensprung", "Scham" und "Schuld".
Meine Meinung:Zunächst liest der Roman sich wie eine ganz "gewöhnliche" Familiengeschichte - allerdings einer Familie, in der es eiskalt zugeht, in der sämtliche Ehen zerrüttet sind, niemand mit dem anderen spricht, keiner geliebt oder geachtet wird, die Kinder leiden, und der äußere Schein das Allerwichtigste ist.
Nach und nach wird dargelegt, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Hier hat mir gut gefallen, wie die Dinge aus der Sicht der verschiedenen Beteiligten geschildert werden (Axel und seine Frau Alice, Jan-Erik und seine Frau Louise). Allerdings konnte ich einiges nicht nachvollziehen (zum Beispiel die Resignation von Alice).
Der Tod Gerda Perssons und Jan-Eriks Fund in den Unterlagen seines Vaters setzen eine Kaskade von Enthüllungen in Gang, an deren Ende nichts mehr so ist, wie es war. Ein erschütterndes Geheimnis nach dem anderen kommt zutage, und Jan-Eriks Bild von seiner Familie wird gründlich zerstört.
Dabei liest die Geschichte sich eher ruhig und beschaulich. So ganz nebenbei kommt dann ein Hammer nach dem anderen auf den Leser zu, häppchenweise werden immer mehr und mehr Informationen über die Vergangenheit der Familie Ragnerfeldt preisgegeben. Obwohl Morde nur sacht angedeutet werden, steigert sich gegen Ende des Buches ganz erheblich die Spannung. Es ist wirklich ein Thriller - den Leser fröstelt´s und graust´s, aber nicht wegen blutiger Geschehnisse, sondern wegen der frostigen, grusligen Atmosphäre, die sich da entwickelt.
Ich persönlich finde aber, Karin Alvtegen hat den Bogen ein wenig überspannt. Allzu viele schmutzige Geheimnisse auf einmal kommen hier zusammen, und immer wenn man denkt: aha das wars jetzt also, geht es doch noch ein bißchen schlimmer. So gut wie jede Hauptperson hat am Ende Dreck am Stecken, ein menschlicher Abgrund nach dem anderen tut sich vor dem Leser auf...
Ich hoffe ich habe damit nicht zuviel verraten. Mir hat das Buch gefallen, aber man sollte es vielleicht nicht gerade lesen, wenn man sowieso schon in depressiver Stimmung ist.
(Und Parallelitäten zu Karin Alvtegens eigener Familie gibt es hoffentlich auch überhaupt keine.)Bewertung:

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Grüße, kaluma