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Autor Thema: Ulrike Schweikert - Das Herz der Nacht  (Gelesen 457 mal)

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Ulrike Schweikert - Das Herz der Nacht
« am: 19. Januar 2010, 22:49:47 »

Zwar spielt das Buch im historischen Wien des 19. Jahrhunderts, aber aufgrund der blutsaugenden Darsteller hoffe ich, dass die Einordnung hier richtig ist.



Kurzbeschreibung
Wien im 19. Jahrhundert. In den Salons des Hofadels und der schönen Fürstin Therese Kinsky wird der Vampir András Petru Báthory von den Damen umschwärmt. Da erschüttert eine grausame Mordserie die
Kaiserstadt, und András gerät unter Verdacht. Die Schlinge zieht sich zu. Als es fast zu spät ist, erkennt er, dass nicht nur seine Existenz auf dem Spiel steht. Ein Wettlauf beginnt, um die zu retten, die er liebt…

Rezension

Die Nacht narrt unsere Sinne gern in ihrer Düsternis. (Seite 117)


Gefangen in einer lieblosen Ehe und den Konventionen des Wiener Adels, verfällt Fürstin Therese Kinsky nur zu leicht dem Charme des Grafen Báthory; weckt der geheimnisvolle und attraktive Mann doch längst vergessene Gefühle von jugendlicher Leidenschaft.
Auch Sophie, die blinde Tochter der Pianistin Karoline Wallberg findet Gefallen an András, der nach Tod riecht und nach Einbruch der Nacht bei ihrer Mutter Klavierstunden nimmt.
Was niemand weiß: András ist ein jahrhundertealter Vampir, der fernab seiner Heimat Transsylvanien eine unauffällige Existenz plant. Doch eine Mordserie, deren Opfer stets mit aufgerissenen Kehlen aufgefunden werden, macht ihm einen grausamen Strich durch die Rechnung, denn der Mörder scheint keineswegs menschlicher Natur…

In »Das Herz der Nacht« nimmt Ulrike Schweikert ihre Leser mit auf eine schaurig-schöne Reise, die im Wien des 19. Jahrhunderts beginnt und mit dem Großen Brand in Hamburg endet.
Ausgiebige Recherche und bildstarke Beschreibungen lassen sowohl die damalige Gesellschaft mit ihren prunkvollen Bällen als auch das bunte Treiben in den Straßen und Gassen der Donaumetropole lebendig werden und bieten eine gelungene Kulisse für die Geschichte um den einnehmenden Vampir, dessen menschliche Neigungen ihm zum Verhängnis werden sollen.

Neben der vortrefflichen Zeichnung der Handlungsorte und des Sittengemäldes des Hofadels, sind der Autorin ihre Figuren besonders gelungen, denn diese sind – anders als in vielen anderen Vampirromanen - nicht bloß blutleere Abziehbilder, sondern überzeugen durch ihre charakterliche Tiefe, die in ihren persönlichen Dramen wurzelt.
Besonders die scharfzüngige Fürstin Therese wächst dem Leser schnell ans Herz, indem sie mit ihrer offenherzigen Kritik an der Arroganz des Adels für Witz und Schwung sorgt. Ihr ist es nur zu gönnen, dass sie in der Gegenwart von András noch einmal richtig aufblüht.
Aber auch Karoline und Sophie nehmen den Leser sogleich für sich ein, alleine schon deshalb, weil sich durch ihr Auftreten ein Dreiecksverhältnis entspannt, das den Roman über eine einfache Liebesgeschichte hinausgehen lässt.
Und auch András ist ein interessanter Charakter, der endlich mal wieder Merkmale eines klassischen Vampirs aufweist, etwa indem er in einem Sarg schläft.

Die an das 19. Jahrhundert angepasste Sprache runden den Roman und dessen düstere Grundstimmung angenehm ab, jedoch drosseln allzu steife Formulierungen und ausschweifende Beschreibungen der Umgebung phasenweise das Lesetempo.
Allerdings nicht mehr gegen Ende des Buches, denn während die Geschichte bis zum großen Finale in Hamburg zwar nicht langweilig, aber doch eher ruhig und von unterschwelliger Spannung geprägt war, kommt plötzlich ein Zeitsprung, der sich nicht ganz so nahtlos an die vorangegangene Erzählung anfügen mag, die nunmehr etwas hektisch wirkt und in einer eher unbefriedigenden Auflösung des Rätsels gipfelt.

Nichtsdestotrotz ist »Das Herz der Nacht« allerdings ein niveauvoller Gruselroman, der Emotionen weckt und so manche angenehme Gänsehaut beschert.

Wertung: 4ratten
Gespeichert
Aus ❤ zum Lesen: http://libromanie.de

Mäusedudler

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Antw:Ulrike Schweikert - Das Herz der Nacht
« Antwort #1 am: 09. März 2010, 15:28:05 »

Ulrike Schweikert - Das Herz der Nacht

Zum Inhalt: Das Buch spielt im Wien des 19. Jahrhunderts, zunächst vornehmlich in adeligen Kreisen. Der Vampir András begegnet dort - auf zunächst höchst spektakuläre Weise - der Gräfin Therese Kinsky. Aus der zufälligen Bekanntschaft entwickelt sich schnell eine Freundschaft. Die Gräfin, die in einer lieblosen Ehe lebt, ist fasziniert von dem Vampir. Umgekehrt findet auch er Gefallen an ihrer unkonventionellen Art, denn die Gräfin ist nicht gerade auf dem Mund gefallen und kommentiert das Gebaren das Adels stets treffsicher.  Auch durch sie und ihre Vorliebe für Kunst entwickelt sich bei András der Wunsch Klavier spielen zu lernen.
Dies führt zur Begegnung mit der begnadeten Pianistin Karoline Wallenberg und ihrer unehelichen Tochter Sophie. Obwohl Karoline begabter ist als ihr Bruder Carl, heimst dieser die Lorbeeren in den Wiener Konzerthäusern und Theatern ein. Eine Frau zählt für den Vater nicht, erst recht nicht mit einem unehelichen Kind, das zudem auch noch blind ist. András freundet sich mit Karoline und vor allem auch mit Sophie an. Durch ihre Erblindung erfasst Sophie die Welt mit anderen Sinnen, ähnlich dem Vampir, was die beiden aneinander näher bringt.
Zeitgleich geschieht in Wien eine Reihe bestialischer Morde, bei denen die Leichen mit aufgerissener und aufgeschlitzter Kehle gefunden werden. Zunächst tappt die Polizei im Dunkeln, doch nach und nach weisen immer mehr Spuren auf András hin...

Meine Meinung: Endlich mal ein schöner Vampirroman, der zugleich auch ein wunderbarer historischer Roman ist. Das Wien des 19. Jahrhunderts wird so genau und lebensnah beschrieben, dass ich gleich auf der ersten Seite das Gefühl hatte, mittendrin zu sein. Dies gilt sowohl für die Adeligen und ihre Welt, als auch für die Bürger wie Karoline und die Polizisten der Kriminalpolizei.
Zudem sind alle Personen sehr detailliert ausgearbeitet, so dass man das Gefühl bekommt, sie wirklich kennenzulernen und mit ihnen mitfiebert. Die spitzen Bemerkungen von Therese Kinsky haben mich mehr als einmal zum Lachen gebracht, ebenso wie ihr grobschlächtiger Gatte es einem kalt den Rücken runter laufen lässt. Auch Karoline und Sophie in ihrer beengten Welt sind mir schnell ans Herz gewachsen. Ebenso András, dessen Gefühlswelt zwischen Mensch- und Vampirsein sehr schön dargestellt ist. Einerseits gelüstet es ihn - selbstredend - nach dem Blut seiner Mitmenschen, andererseits hat er stets den Wunsch nach einem normalen Leben.

Etwas hektisch fand ich das Ende, dass in einer wilden Flucht nach Hamburg führt. Auch hier ist die Stadt und später auch der große Brand wunderbar beschrieben, den Weg dorthin fand ich aber ziemlich abrupt im Vergleich zum doch eher gemächlichen Verlauf des Buchs zuvor.
Etwas geärgert hat mich die Wendung, als sich auflöst, wer die Morde begeht:
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Insgesamt aber ein sehr schönes Buch und sicher nicht mein letztes von Ulrike Schweikert. Ihr Schreibstil und die schöne Darstellung des historischen Wiens haben mich voll überzeugt.

 4ratten
Gespeichert
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