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Autor Thema: Igor Šentjurc – Feuer und Schwert  (Gelesen 472 mal)

Aldawen

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Igor Šentjurc – Feuer und Schwert
« am: 16. Januar 2010, 11:31:20 »



Inhalt: Im Oktober des Jahres 1899 wird auf dem Landgut der Bošković in den montenegrinischen Bergen die Taufe des Enkels Lazar gefeiert. Allerdings wird die Feier durch einen Überfall brutal unterbrochen, alle anwesenden Männer der Sippe massakriert. Durch Zufall überleben das Familienoberhaupt Lazar und Enkel Bogdan. Die offizielle Untersuchung spricht von albanischen Banditen, nicht jeder glaubt es. Lazar und Bogdan schwören Rache für die Blutige Slava. Einige Wochen später wird die Leiche des österreichischen Geschäftsträger an der Botschaft in Cetinje, Karl Meyster, der etwa seit dieser Zeit vermißt wurde, in einer Schlucht gefunden. Jagdunfall – heißt es.

1914. Stefan Meyster hat gerade sein Studium beendet, und bevor er in die Fußstapfen seines Großvaters, Legationsrat im österreichischen Außenministerium Stefan Meyster, tritt, plant er eine mehrmonatige Reise. Diese soll ihn zunächst nach Montenegro führen, wo er geboren wurde und seine Kindheit bis zum Tod des Vaters Karl verbrachte. Ein Brief seiner alten Amme Stamena, die ihm etwas über den Tod seines Vaters erzählen will, macht die Angelegenheit noch dringlicher. Stefan trifft Stamena aber nicht mehr an, wenige Tage zuvor ist sie gestorben. Die alte Baba Gruša deutet an, daß Stamena ermordet wurde. Von Stamenas Cousin erfährt Stefan aber trotzdem, daß sein Vater gleichfalls ein, wenn auch zufälliges, Opfer der Blutigen Slava war, da er sich gerade auf dem Bošković'schen Landgut aufhielt. Mit dieser Information macht Stefan sich auf nach Kameni stup, wohin sich Lazar Bošković zurückgezogen hat, wenn er nicht gerade versucht, Spuren der Mörder seiner Familie zu finden. Kurz bevor Stefan Kameni stup erreicht, wird er angeschossen und nur das plötzliche Auftauchen Bogdans rettet ihn. Auf Kameni stup wird er vor allem von Rada gepflegt, Bogdans Cousine, die ihre Ferien vom Medizinstudium in Petersburg dort verbringt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verbessert Stefans Position im Haus nicht, auch wenn Lazar auf dem alten Gesetz der Gastfreundschaft beharrt. Aber als Bogdan erfährt, daß Stefan und Rada sich ineinander verliebt haben, sorgt er für Stefans Internierung. Ein Irrweg durch das kriegsgeschüttelte Serbien und Montenegro der ersten beiden Weltkriegsjahre beginnt ...


Meine Meinung: Neben diesem Haupterzählstrang in Serbien und Montenegro, der natürlich mehr umfaßt, als von mir oben geschildert, gibt es noch den regelmäßigen Blick nach Wien zu Legationsrat Meyster sowie nach Schlesien auf das Gut der von Prettwitz, der Familie von Stefans Mutter, denn gut 800 Seiten wollen ja irgendwie gefüllt werden. Normalerweise erzeugen derartig dicke Schmöker bei mir das dringende Bedürfnis, etwas dünneres parallel zu lesen, um das Gefühl zu haben, mit irgendetwas beim Lesen weiterzukommen. Nicht so hier, und das ist schon ein ausgesprochen gutes Zeichen. Ich hatte auch während des Lesens an keiner Stelle das Gefühl, mich über unnötige Längen quälen zu müssen, die Erzählung braucht einfach diesen Umfang, auch das durchaus bemerkenswert.

In seiner Einführung beschreibt Šentjurc wie er auf die Namen Bošković und Meyster und die Blutige Slava stieß. Das klingt zwar alles sehr überzeugend, aber ich habe nach ein paar Recherchen trotzdem den Eindruck, daß es geschwindelt ist, denn alle Verweise mit diesen Namen oder Ereignissen nennen nur diesen Roman. Allerdings kann ich keine serbischen Webseiten lesen, daher muß ich das trotz allem mit Fragezeichen versehen. Wenn es erfunden ist, dann ist es jedenfalls sehr gut erfunden, auch und vor allem im Hinblick auf die Verquickung mit echten Quellen wie Memoranden zur Kriegsplanung u. ä. Und wenn es – zumindest in den Grundzügen – nicht erfunden ist: umso interessanter.

Überhaupt macht Šentjurc das recht geschickt. Statt in irgendwelchen mühseligen Dialogen oder sonstwie gekünstelter Form die Kriegsentwicklungen zu schildern, verfällt er dann in einen ausgesprochen sachlichen Ton, der fast einer lexikalischen Darstellung gemäß ist, um dem Leser die wesentlichen, für die Einordnung der Handlung relevanten Details in bedarfsweise eingestreuten Abschnitten mitzugeben. Ganz ähnlich werden auch Nebenpersonen, die nur punktuell für die Erzählung wichtig sind, nüchtern mit ihrem weiteren Lebensweg skizziert, bevor die Handlung mit elegantem Bogen wieder zur den Haupterzählsträngen zurückkehrt. Damit war klar: Diese Person sieht man in diesem Roman nicht wieder, aber man hatte sie betreffend einen runden Abschluß und kein loses Ende.

Ich weiß nicht, inwieweit in Österreich z. B. im Geschichtsunterricht die Südostfront des Ersten Weltkriegs ein Thema ist, in Deutschland spielte das Thema jedenfalls bei mir keine Rolle. Daher fand ich es sehr interessant, auf diese Weise mit den Entwicklungen und Zusammenhängen bekannt gemacht zu werden. Ich habe interessehalber noch einiges dazu nachgelesen und bin soweit mit der Romandarstellung zufrieden. Lange Zeit sah es nach der absoluten Höchstwertung aus, aber das doch etwas rührselig geratene Ende zwingt mich zu einer halben Ratte Abzug, trotzdem bleibt es auch mit

 4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:  ein absoluter  :tipp:

Dieser Roman ist der erste in einem Zyklus, den Šentjurc mit Zeitenwende betitelt hat, die beiden folgenden heißen Im Sturm (hier geht es wohl vornehmlich um die Familie von Prettwitz) und Vaters Land. Ersteren habe ich mir schon bestellt ...

Schönen Gruß,
Aldawen
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nikolina

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Re: Igor Šentjurc – Feuer und Schwert
« Antwort #1 am: 23. Januar 2012, 19:24:43 »

Hi,
 du hast das Buch so schön beschrieben das ich mich extra angemeldet habe um antworten zu können.

Ich lese es gerade und bin -ebenfalls bei recherchen nach der Boskovic Sippe und der Familie Meyster- auf dieser Seite gelandet.
Leider habe ich auch in serbischen Beiträgen und Geschichtsforen bisher nichts finden können; was (ich gebe es zu) sehr enttäuschend war!!!

Konntest Du mittlerweile mehr heraus finden? oder bleibt es was es ist? -<ein Roman mit Geschichtsbeilage!?

schöne Grüsse

niki
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Aldawen

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Re: Igor Šentjurc – Feuer und Schwert
« Antwort #2 am: 23. Januar 2012, 19:33:20 »

du hast das Buch so schön beschrieben das ich mich extra angemeldet habe um antworten zu können.

Danke, das freut mich sehr  :smile:

Konntest Du mittlerweile mehr heraus finden? oder bleibt es was es ist? -<ein Roman mit Geschichtsbeilage!?

Ich habe es zugegebenermaßen nicht mehr intensiv weiterverfolgt, denke aber, daß Šentjurc hier tatsächlich nur sehr geschickt und glaubwürdig eine Handlung gestrickt hat, die es so und mit diesen Namen nicht gegeben hat. Aber auch als „Roman mit Geschichtsbeilage“ (schöne Formulierung, die muß ich mir merken!) bleibt es lesenswert, vor allem, wenn man sich mal unangestrengt mit dieser Periode und Region beschäftigen will. Von daher wünsche ich Dir noch viel Vergnügen mit dem Werk. Es würde mich auch interessieren, wie Dein abschließender Eindruck ausfällt.
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