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Autor Thema: Dagmar Scharsich - Der grüne Chinese  (Gelesen 428 mal)

Miramis

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Dagmar Scharsich - Der grüne Chinese
« am: 13. Januar 2010, 21:11:02 »



Inhalt:

Baronesse Wanda, Meisterdetectivin: Dagmar Scharsich zeigt uns Berlin heute und Berlin 1909 ein Krimi um Bücher, Liebe, Familie, Wissenschaft und Politik, Zeppeline, kaiserliche Intrigen und die Zivilcourage einer jungen Baronesse, die im Strudel der Ereignisse schnell erwachsen werden muss.Marie Baer ist Antiquarin in Berlins Mitte. Kiezbewohner gehen bei ihr ein und aus; sie kauft und verkauft und unterhält Touristen mit Anekdoten. Eines Tages wird Marie ein uraltes Romanheft angeboten:"Wanda von Brannburg, Deutschlands Meisterdetectivin. Sammlung hervorragender Criminal-Novellen, genau nach den Tagebüchern der Baronesse von Brannburg"Eine weibliche Heldin in einer Groschenheft-Serie aus der Kaiserzeit? Marie lernt Rose von Reventlow kennen. Die 93-Jährige besitzt einen ganzen Waschkorb voll von den kostbaren Heften. Eingewickelt in etwas Bekritzeltes, das sich als handgeschriebenes Manuskript aus dem Jahr 1909 entpuppt. Ist es das Tagebuch der Baronesse Wanda von Brannburg oder der Entwurf für einen Roman? Ist Wanda eine literarische Figur oder hat sie wirklich gelebt? Marie macht sich mit ihrem Großvater an die Entzifferung der Sütterlin-Schrift. Vor ihnen eröffnet sich eine ganze Welt: Wanda, behütete Tochter eines brandenburgischen Gutsbesitzers, wird in einen Kriminalfall verstrickt. Was erst aussieht wie ein blutiger Familienstreit um wertvolles Bauland, entpuppt sich als mörderische politische Intrige. Der stille Chauffeur Justus Hansen kutschiert Wanda in einem Ford T Automobil, steht ihr zur Seite und wird Vertrauter, Freund und Liebster der Baronesse. Ihre Ermittlungen führen kreuz und quer durch das Berlin der Kaiserzeit, in dem Verkehr und Wissenschaft sich in rasantem Tempo entwickeln: der Zeppelin fliegt zum ersten Mal über die Stadt, das Kaiser-Wilhelms-Institut wird gegründet. Sie lösen den Fall aber der Preis ist hoch...

Meine Meinung:

"Der grüne Chinese" ist ein wunderbarer historischer Kriminalroman, der auf zwei Zeitebenen abläuft. Zum einen begleiten wir die Antiquarin Marie durch Berlin, auf ihrer Suche nach ausgewählten Schnäppchen für ihre Kunden. Bei dieser Gelegenheit stößt sie auf die Groschenheftromane der Wanda von Brannburg, und schon sind wir mittendrin in den gefährlichen Abenteuern der Baronesse, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts angesiedelt sind.

Dabei konnte ich mich gar nicht entscheiden, welcher der beiden Handlungsstränge mir nun der liebere war und ich freute mich daher auf ein reges Hin- und Herspringen zwischen den Zeiten.

Die Figuren sind allesamt sehr liebevoll ausgearbeitet und so manche von ihnen ist mir im Laufe der Lektüre sehr ans Herz gewachsen, insbesondere natürlich die beiden Hauptfiguren, die jeweils aus ihrer Ich-Perspektive erzählen.

Ein weiterer Pluspunkt des Romans ist die Atmosphäre, die vor allem im historischen Handlungsstrang für wunderschöne Bilder von Häusern, Städten und Straßen sorgt und den Zeitgeist von damals sehr schön transportiert. Technische Errungenschaften wie das Telefon, das Auto und der Zeppelin stellen eine Sensation dar und bringen die Menschen zum Staunen. Es herrscht Aufbruchstimmung, die technische Revolution steht vor der Tür und wir begleiten wissenschaftliche Pioniere, aber auch die Flieger der ersten Stunde auf ihrem Weg. 

Vor allem aber gibt es viele Rätsel zu lösen und ich war bis zum Ende ahnungslos, was es wohl mit dem Kriminalfall auf sich hat, der eng mit dem Zeitgeschehen verbunden ist. Eingebettet in die erfrischende Rahmenhandlung, die natürlich am Ende auch im Zusammenhang mit der Historie steht, liess dieser Historienkrimi für mich keine Wünsche offen, zumal auch eine Portion Romantik mit im Spiel ist.

Außerdem gefiel mir der präzise und trotzdem sehr lebendige Schreibstil außnehmend gut, so dass das Lesen ein Genuss für mich war. Gerne empfehle ich diese Perle weiter an Leser anspruchsvoller Kriminalromane aus der Vergangenheit.

 5ratten
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