Weeks, Brent - Night Angel Trilogy (1) - The Way of Shadows

Der Gassenjunge Azoth sieht seine einzige Chance auf ein richtiges Leben darin, bei Durzo Blint, einem der besten Assassinen, in die Lehre zu gehen. Doch überhaupt von ihm angenommen zu werden stellt sich als seine erste Bewährungsprobe heraus. Danach beginnt für ihn ein neues Leben mit einer neuen Identität, Kylar Stern. Er lernt den Weg der Assassinen, die Intrigen der Politik und die Gefahren von persönlichen Bindungen kennen...
Nachdem ich auch von allen Seiten nur Lobeshymnen gehört hatte

bin ich vielleicht mit etwas zu hohen Erwartungen an das Buch herangegangen. Zunächst mal war es nicht das, was ich erwartet hatte - nicht dass ich sagen oder beschreiben könnte, was das gewesen wäre. Auch jetzt tue ich mich noch sehr schwer, meine Eindrücke klar zu formulieren. Aber ich versuche es mal, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Anfangs hat es eine Weile gedauert, bis ich drin war. Vermutlich weil ich mehr Wert auf die eigentliche Ausbildung gelegt hätte? Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass gerade durch die detaillierte Einführung der Figuren, allen voran natürlich Azoth, ihre Charaktere sehr deutlich zu Tage treten. Natürlich außer bei denen, deren Beweggründe das ganze Buch hinweg bewusst unklar bleiben

Das macht sich besonders bei den späteren Geschehnissen und Entscheidungen bezahlt: Azoth ist ein faszinierender, nachvollziehbarer Charakter. Keineswegs ein einfacher "Mörder mit Herz" oder ein ähnliches Klischee, sondern eine eigene Persönlichkeit, die aufgrund ihrer Herkunft und Erfahrungen ihre Entscheidungen trifft. Die muss ich nicht immer gutheißen können, aber zumindest verständlich sind sie immer gewesen.
Durzo Blint? Auch nicht das, was ich erwartet hatte. Und er bleibt bis zuletzt etwas undurchschaubar, was ich sehr gut finde. Auf ein oder zwei große Überraschungen hätte ich vielleicht verzichten können, aber Stück für Stück bekommt man einen guten Eindruck davon, warum er Azoth aufgenommen hat und woher gewisse Verhaltensweisen stammen.
Zu den weiteren Charakteren will ich gar nicht mehr viel sagen - sie bekommen ihren Platz, zumindest ich habe Anteil an ihrem Schicksal genommen und hoffe auf mehr Details in den Folgebänden...
Zur Handlung: Wie gesagt, anfangs kam ich etwas schwer rein, der Mittelteil war interessant bis sehr interssant, wobei mit Weeks an ein oder zwei Stelle verloren hat, die ich bei Gelegenheit noch mal nachlesen muss, ähem... Egal. Im letzten Drittel hat das Tempo dann mächtig angezogen und ich musste unbedingt wissen, wie es weitergeht. Aufbau also voll gelungen, sozusagen! Keine Frage, dass ich die nächsten Bände lesen werde. Aber irgendwie muss ich trotzdem erst einmal eine Pause einlegen und das Buch sich setzen lassen, bevor ich Kylar auf seinem weiteren Weg begleite. Aber interessant wird es nun bestimmt allemal: Nachdem nun der Grundstock gelegt ist für die Charakterbeziehungen, die Welt eingeführt, Schlachten geschlagen, Intrigen gesponnen, kann nun aus den Vollen geschöpt werden.
Insgesamt also ein klasse Buch, wenn auch noch(?) nicht ganz so überragend, wie ich gehofft und/oder erwartet hatte. Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass sich meine Meinung nach wiederholtem Lesen oder dem Lesen der Nachfolgebände noch ändert. Für den Moment vergebe ich aber:

Ach ja, und könnten wir vielleicht im Threadtitel noch den englischen Titel ergänzen? Dann hat man es mit der Zuordnung leichter...