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Autor Thema: Samuel Beckett - Warten auf Godot (gutes Bespiel für Das Theater des Absurden)  (Gelesen 772 mal)

Tammy1982

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Hallo Ihr Lieben,

nachdem in dem Thread der Buchflops des Jahres 2009 das Theaterstück "Warten auf Godot" erwähnt wurde und ich da gleich an mein Referat über das Theater des Absurden erinnert wurde, schreibe ich hier ein paar lustige Anekdoten aus dem Referat von damals hier in einen eigenen Thread.

Samuel Beckett: "Warten auf Godot"


Aus der amazon-Reaktion:
Ein Autor (Samuel Beckett). Ein Drama (Warten auf Godot). Zwei Akte.
Zweimal zwei Personen: Wladimir (Didi) und Estragon (Gogo), Pozzo und Lucky (Herr und Sklave) sowie ein Junge.
Landstraße. Ein Baum. Abend.
Man wartet. Auf Godot. Ganze zwei Akte lang. Doch Godot kommt nicht.

Es passiert nichts. Nichts von Belang. Man wartet und langweilt sich. Man tauscht Banalitäten aus, Weisheiten... Man nervt sich. Man könnte sich umbringen, dann würde endlich mal was passieren! Man verzichtet darauf. Godot kommt nicht. Man wartet. Vielleicht morgen...
Absurd!

So eine karge Bühne, so eine karge Handlung und so eine karge Sprache! Was der irische Dramatiker Anfang der 50er Jahre auf die Bühne brachte, war eine schallende Ohrfeige für ein Publikum, das gewohnt war, im Theater vor allem eins zu Gesicht zu bekommen: Stücke mit Sinn.

Das hier hatte keinen, und so rauschte man, ohne den zweiten Akt abzuwarten, in der Pause empört aus dem Theater.
Aber die Gemüter beruhigten sich im Laufe der Zeit. Becketts Drama ist längst ein moderner Klassiker, und sein Autor einer der wichtigsten Autoren des absurden Theaters sowie des 20. Jahrhunderts überhaupt.

Es gibt unzählige Deutungsversuche. Eine Warnung vor der Atombombe. Die Darstellung zweier Fellachen, die auf die Bodenreform warten. Die Frage nach Gott. Die Interpretationen sagen stets mehr über den Interpretierenden selbst aus, als über das Drama. Die Antwort des Autors ist karg wie sein Stück: "Wenn ich es wüßte, würde ich es sagen."

Fast fünfzig Jahre nach seiner Entstehung können wir die Empörung, die das Drama einst auslöste, kaum nachvollziehen. Heutzutage ist doch nichts mehr absurd. Oder?
Als eine englische Theatergruppe das Stück 1998 mit einer Besetzung, die nur aus Frauen bestand, inszenieren wollte, wurde es ihr mit der Begründung, das entstelle zu sehr den Sinn, untersagt. Vielleicht morgen...

Und hier ein bisschen "Senf" von mir:
Ich habe das Stück selber nicht gelesen, mich nur im Rahmen des Referats damals mit dem "Theater des Absurden" im allgemeinen beschäftigt, dessen einer Hauptvertreter Samuel Beckett ist.
Als Einleitung zu dem Referat hatte ich damals die Geschichte gefunden, dass am 19.11.1957 in einem Zuchthaus in San Quentin die Aufführung eines Theaterstückes geplant war. Das Stück wurde damals ausgesucht, da es keine Frauenrolle enthielt, schwer verständlich war und handlungsarm. Bei der Aufführung des Stückes in Westeuropa wäre es damals fast zu Tumulten unter den intellektuellen Snobs gekommen und deswegen machten sich die Schauspieler und Regisseure entsprechend Sorgen. Deswegen beschloss der Regisseur die Insassen des Zuchthauses auf das Stück vorzubereiten. Er trat auf die Bühne und verglich das Stück mit Jazz-Musik: "Die jeder sich anhören muss, bei der jeder sich denken kann, was er will!".
Und was geschah: Der Vorhang hob sich, das Stück begann und was das intellektuelle Publikum in Europa verwirrt hatte, verstanden die Sträflinge sofort.

Das Stück, das da aufgeführt wurde, war "Warten auf Godot"!  :breitgrins:
Als Erklärung, wieso die Sträflinge sich so angesprochen fühlten, heißt es, dass das Stück sie berührte, weil ihre eigenen inneren Erfahrungen der Zeit, des Wartens, Hoffens und Verzweifelns wiedererkannten. Außerdem erkannten sie ihre eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen aus dem sado-maso Verhältnis wechselseitiger Abhängigkeiten zwischen Pozzo und Lucky und der streitsüchtigen Hassliebe zwischen Estragon und Wladimir wieder.

Vielleicht noch so als kleine Zusatz-Info zu den Tiefen des Theater des Absurden. Ich habe damals - spontan - das Stück "Breath" von Samuel Beckett vorspielen lassen. Dieses Stück dauert genau 35s (!) ist damit wohl das kürzeste Theaterstück überhaupt und soll die Geburt und das Leben als tiefen Seufzer über einem Haufen Dreck darstellen!  :breitgrins: Es beschränkt die Äußerungen eines Menschen auf ein Minimum! Ich habe sogar noch die zeitlich Abfolge da, falls es jemanden interessiert!  :zwinker:

Ich fand die Auseinandersetzung mit dem Theater des Absurden total spannend und interessant, muss aber sagen, dass ich denke, dass man die ganzen Stücke, die in diesen Kontext fallen ohne Interpretation und Beschäftigung mit den Autoren wohl eher als "absurd" empfindet!  :breitgrins:

Liebe Grüße
Tammy
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Tammy1982

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Hallo Ihr Lieben,

ich suche gerade noch die Quellenangaben, fürchte aber, dass ich die nicht mehr finden werde, ist doch schon ein paar Jahre her. Ich hoffe, das ist nicht so schlimm, hier sei auf jeden Fall offiziell erwähnt, dass das nicht auf meinem Mist gewachsen ist, sondern aus Büchern zum Thema zusammengesucht wurde!  :zwinker:

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
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nimue

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Hallo Tammy,

vielen Dank für Deine Mühe! Finde ich ja total interessant (ich muss nicht erwähnen, dass "Warten auf Godot" auf meiner Wunschliste steht?  :breitgrins:)

Liebe Grüße
nimue

AndiM

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Achja, der gute alte Beckett. Sicherlich einer der spannendsten Stückeschreiber des letzten Jahrhunderts, vor allem eben auch dank "Warten auf Godot". Immer wieder schön zu lesen und auch immer wieder interessant, wenn man es auf der Bühne betrachten darf. Trotz - oder gerade wegen? - aller Absurdität ein Stück, in dem man sich sehr gut wiederfinden kann und das man quasi in fast alle Richtungen interpretieren kann. Um es mit Beckett zu sagen: "If Godot was God, I would have called him that".

Was ich in dem Zusammenhang ganz interessant fand, war im Übrigen dieser Artikel aus der SZ vor gut einem Jahr, in dem es um einen Sammelband französischer Literaturwissenschaftler geht, die sich gegen die typische methaphysische Leseweise von Godot stellen und das Stück in einem sehr konkreten, historischen Kontext lesen. Interessanter Denkanstoß.
« Letzte Änderung: 04. Januar 2010, 10:08:30 von AndiM »
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mombour

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Was ich in dem Zusammenhang ganz interessant fand, war im Übrigen dieser Artikel aus der SZ vor gut einem Jahr, in dem es um einen Sammelband französischer Literaturwissenschaftler geht, die sich gegen die typische methaphysische Leseweise von Godot stellen und das Stück in einem sehr konkreten, historischen Kontext lesen. Interessanter Denkanstoß.

Dein link funzt nicht. Darum nocheinmal hier
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AndiM

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Fehler behoben, danke für den Hinweis :-)
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Tammy1982

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Hallo nimue,

vielen Dank für Deine Mühe! Finde ich ja total interessant (ich muss nicht erwähnen, dass "Warten auf Godot" auf meiner Wunschliste steht?  :breitgrins:)
:breitgrins: Bin ja gespannt auf deine Meinung dann dazu, aber ich würde mir wirklich fast eher das Stück mal ansehen. Ich glaube, wenn man das nur liest, weiß ich nicht, ob man damit so viel anfangen kann...  :zwinker:

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
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Jari

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Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag. Ich habe "Warten auf Godot" letztes Jahr gelesen und fand es toll und absolut lesenswert.
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//Grösser ist doof//

bibliomonster

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Ich glaube, wenn man das nur liest, weiß ich nicht, ob man damit so viel anfangen kann...  :zwinker:

Also, ich habe das Stück nur gelesen, war nicht im Gefängnis und kenne mich nicht mit dem Theater des Absurden aus, habe Waiting for Godot jedoch ähnlich empfunden/verstanden wie die besagten Sträflinge und war ebenso begeistert. Es ist also möglich. :zwinker:

Danke auch für deinen Beitrag. Hat mich daran erinnert, wieder etwas von Beckett zu lesen. :winken:
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Tammy1982

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Ich glaube, wenn man das nur liest, weiß ich nicht, ob man damit so viel anfangen kann...  :zwinker:

Also, ich habe das Stück nur gelesen, war nicht im Gefängnis und kenne mich nicht mit dem Theater des Absurden aus, habe Waiting for Godot jedoch ähnlich empfunden/verstanden wie die besagten Sträflinge und war ebenso begeistert. Es ist also möglich. :zwinker:
Cool! Das finde ich echt interessant! Ich habe mich zuerst mit dem Theater des Absurden beschäftigt und viele Interpretationen zu dem Stück gelesen, von daher kann ich nicht mehr beurteilen, wie das Stück ohne das ganze Zusatzmaterial, quasi "unbelastet", auf mich gewirkt hätte. Daher finde ich das sehr spannend, dass es auf dich gleich gewirkt hat!  :winken:

Liebe Grüße
Tammy
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