Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Boris Pahor – Nekropolis  (Gelesen 406 mal)

Aldawen

  • Msomaji mkubwa
  • Administrator
  • *
  • Offline Offline
  • Beiträge: 11655
Boris Pahor – Nekropolis
« am: 03. Januar 2010, 09:16:53 »



An einem Sommertag in den 1960er Jahren besucht Pahor das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler in den Vogesen, in dem er selbst einige Zeit zugebracht hat. Die Beobachtung der Touristengruppen, seine Suche nach Dingen aus jener Zeit und das Wundern über die Verwandlung, die sie – sofern noch vorhanden – erfahren haben, sind die Auslöser für einen Streifzug durch seine Erinnerungen.

Anfang 1944 in Triest verhaftet begann eine Odysee durch mehrere Lager, die Pahor hier aber nicht einfach chronologisch nacherzählt, sondern so, wie ihn eben die Erinnerungen überkommen, wie sich die Assoziationsketten bilden. Dazwischen kehrt er immer in die „Jetzt“-Zeit zurück, berichtet von seinen Beobachtungen der Reaktionen anderen Gedenkstättenbesucher, um dann wieder zu seiner eigenen Geschichte zurückzukehren. Dadurch ergibt sich nicht unbedingt ein geschlossenes Bild des „Ablaufes“, aber darum ging es Pahor vermutlich auch nicht, der freimütig zugibt, daß ihn die Erinnerungen anderer KZ-Insassen schockieren konnten, weil seine eigene Wahrnehmung – obschon demütigend und brutal – trotzdem noch weniger gräßlich war.

Vergleicht man Nekropolis z. B. mit Imre Kertész' Roman eines Schicksallosen und Alexander Solschenizyns Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch, dann fällt auf, wie breit das Spektrum von Überlebensstrategien in einer solchen Lagersituation ist. Was mich hier bei Pahor aber beeindruckt, fasziniert und fast auch ein bißchen schockiert hat (weil ich mir nicht vorstellen konnte, daß es in dieser Form möglich ist), ist die Art, wie er über seine Erfahrungen schreibt – nämlich mit einem Maß an Poesie, das zum Thema nicht zu passen scheint, die Darstellung aber in der Nachwirkung umso eindrücklicher macht.

 4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Schönen Gruß,
Aldawen
Gespeichert
Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika