Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: [Nigeria] Ola Rotimi – Hopes of the Living Dead  (Gelesen 444 mal)

Aldawen

  • Msomaji mkubwa
  • Administrator
  • *
  • Offline Offline
  • Beiträge: 11451
[Nigeria] Ola Rotimi – Hopes of the Living Dead
« am: 22. Dezember 2009, 10:15:14 »



Inhalt: Im Krankenhaus von Port Harcourt stehen Veränderungen bevor: Nach dem Weggang von Dr Ferguson soll die Station mit den Leprakranken aufgelöst werden, da sich außer Ferguson und den Betroffenen niemand besonders für die Heilung der Krankheit interessiert. Man plant, die Patienten in ihre Heimatdörfer zurückzubringen, damit man Ruhe von ihnen hat und sie aus dem Stadtbild verschwinden. Begründet wird das Ganze mit „öffentlichem Wohl“. Die Patienten lassen sich aber nicht so einfach abschieben. Sie bestimmen mit Ikoli Harcourt Whyte und anderen eine Führungsspitze, die in den Diskussionen mit Polizei und medizinischem Personal ihre Interessen vertritt. Eine zwangsweise Räumung der Gebäude scheitert dann auch am geschlossenen Widerstand der Patienten einerseits und der Angst der Polizisten vor einer Berührung der Leprakranken andererseits. Man bietet den Leuten daher an, sie könnten in das aufgegebene Infectious Diseases Hospital (IDH) übersiedeln, bis man ihnen, ihren Forderungen gemäß, ein neues Gebäude etwas außerorts errichtet hat, in dem sie als Gemeinschaft bleiben können, um sich selbst um ihren Lebensunterhalt zu kümmern und aus der Abhängigkeit zu kommen.


Meine Meinung: Hintergrund dieses Stückes ist die sog. Lepers' Rebellion in Nigeria 1928-32, bei der Ikoli Harcourt Whyte eine Führungsrolle innehatte. Rotimi erzählt den Kampf um ein Existenzrecht der Leprakranken als Teil eines Ringens um Selbstbestimmung, das sich durchaus übertragen auch als ein solches zwischen Kolonisierten und Kolonisierern lesen läßt. Dies macht Rotimi an verschiedenen Stellen in den Diskussionen v. a. zwischen den Leprakranken mit einer umfangreicheren Schulbildung deutlich, in denen nicht nur die persönliche sondern auch die allgemeinere Situation im Blickfeld stehen. Es ist ein Plädoyer für Einigkeit und Solidarität, mit der sich auch (scheinbar) ausweglose Lagen zum eigenen Besten wenden lassen. Allerdings bricht Rotimis Stück mit dem errungenen Sieg ab, ob das Leben anschließend so paradiesisch wird wie erhofft, bleibt zweifelhaft, zumal erste Streitigkeiten um die Verteilung von Lebensmitteln und den Beitrag jedes Einzelnen zur Arbeit schon in den ersten Tagen im IDH aufkommen.

Dabei zeigt Rotimi auch, welch bemerkenswerte Leistung schon allein die Organisation der Patienten unter einem gemeinsamen Willen ist. Denn auf Grund der Herkunft der Kranken aus dem ganzen Land, denen nur zum Teil Englisch als gemeinsame Sprache zur Verfügung steht, muß ständig zwischen zig Sprachen übersetzt werden, damit auch jeder weiß, um welche Beschlüsse es geht, was er zu tun hat usw. Rotimi läßt dafür verschiedene Leprakranke in den unterschiedlichsten Sprachen Nigerias reden, zum Verständnis des Zuschauers (bzw. Lesers) werden diese Teile aber natürlich übersetzt bzw. sinngemäß auf Englisch wiedergegeben. So trägt es beim Lesen vor allem zum Lokalkolorit bei, erfüllt aber bei einer Aufführung, speziell in Nigeria, sicher eine wichtige, unterstützende Funktion im Hinblick auf die Solidaritätsaussage.

 4ratten

Schönen Gruß,
Aldawen
« Letzte Änderung: 05. August 2010, 07:02:53 von Aldawen »
Gespeichert
Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika