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Autor Thema: Connie Willis - Doomsday Book (Die Jahre des schwarzen Todes)  (Gelesen 945 mal)

illy

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auf deutsch nur gebraucht zu extremen Preisen erhältlich

Vor vielen, vielen Jahre hatte ich "Die Jahre des schwarzen Todes" aus der Bücherei ausgeliehen und mit Begeisterung gelesen. Das Buch war lange Zeit mein Referenzbuch in Sachen Zeitreisen, an dem sich alles messen musste und es hat mich schon lange gestört, dass das Buch nicht in meinem Besitz war. Jetzt habe ich es endlich in der Originalfassung und nach einigem Zögern (Was wenn es viel schlechter ist, als ich es in Erinnerung hatte?) gelesen.

Oxford in der Vorweihnachtszeit des Jahres 2054. Die historische Fakultät besitzt seit einiger Zeit die Möglichkeit zu Zeitreisen, die aber natürlich nur unter gewissen Sicherheitsbedingungen genutzt wird. Der karrieresüchtige Vorsitzende des Fachbereichs Mittelalter eines der Colleges nutzt die Abwesenheit des Direktors, um die Gefahrenklasse des Mittelalters herabzusetzen. Der erste Zeitreisende ins Mittelalter soll eine Studentin seines Fachbereichs sein, die ins relativ friedliche 1320 geschickt werden soll. Kivrin, die Studentin, ist selber Feuer und Flamme für die Reise und lässt sich auch nicht von den Bedenken ihres Mentors Dunworthy davon abbringen. Da es sich hier um einen Roman von Connie Willis handelt, ist vollkommen klar, dass das ganze nicht gut gehen kann. Nicht nur dass Kivrin im Pestjahr 1348 statt 1320 landet, kaum jemand bemerkt den Irrtum, denn praktisch unmittelbar nach ihrer „Abreise“ bricht einer der Techniker zusammen. In Oxford ist eine gefährliche Grippe ausgebrochen und die Stadt wird unter Quarantäne gestellt.

Willis stellt den unterschiedlichen Umgang mit einer tödlichen Seuche in zwei Epochen einander gegenüber und zeigt dabei Parallelen und Unterschiede auf. Ihr geht es dabei nicht einfach nur um die technische Handhabung, sondern viel mehr um das Verhalten der Menschen in solch einer Situation. Es geht um Menschlichkeit und Leid und Willis zeigt, dass jeder Mensch jemanden braucht, auf den er sich verlassen kann, um solch eine Krise zu überstehen, jemanden oder etwas, was ihm Hoffnung gibt.

Die Hilflosigkeit Kivrins wird sehr deutlich und sie ist ein sehr gutes Beispiel für ein "Überlebenden-Trauma". Während um sie herum die Menschen wie die Fliegen sterben, versucht sie verzweifelt sie zu retten, obwohl ihr eigentlich bewusst sein müsste, dass sie aus Gründen des Zeitparadoxons wirklich völlig hilflos ist und nichts tun KANN, außer den Menschen, deren Tod vorherbestimmt ist, da sie ja bereit vor 700 Jahren starben, das Sterben zu erleichtern.

Connie Willis schafft es auch in diesem Buch, lustige Szenen, die aus skurrilen Situationen entstehen, und ernste Momente zu vereinen, etwas für das ich sie so sehr schätze.

5ratten
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Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)

Kati

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Antw:Connie Willis - Doomsday Book (Die Jahre des schwarzen Todes)
« Antwort #1 am: 14. Dezember 2009, 08:07:16 »

Wie schade, dass die deutsche Ausgabe so teuer ist *schnief*
Danke für die Rezi liebe illy!
"Die Farben der Zeit" habe ich noch auf dem SUB.
Vielleicht lese ich das bald mal  :smile:

 :winken:
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Frau 32

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Antw:Connie Willis - Doomsday Book (Die Jahre des schwarzen Todes)
« Antwort #2 am: 14. Dezember 2009, 11:47:40 »

Das Buch klingt wirklich sehr gut, aber über 40 bzw. 50 Euro ist schon sehr heftig!

 :winken: Frau 32
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Ingroscha

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Antw:Connie Willis - Doomsday Book (Die Jahre des schwarzen Todes)
« Antwort #3 am: 14. Dezember 2009, 12:33:03 »

Vielleicht sollte ich es jetzt lesen. Ich hatte vor Jahren mal das Glück es sehr günstig kaufen zu können. Die Rezi ist toll, auf SF habe ich Lust. Mal sehen, bin gerade sehr unentschlossen.
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LG Ingroscha 
*Mantra murmelt*: "Bücher sind zum Lesen da, nicht zum Rumstehen."
Und Zitat Annabas: "Dieses Jahr wird alles besser."  :smile:

illy

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Antw:Connie Willis - Doomsday Book (Die Jahre des schwarzen Todes)
« Antwort #4 am: 15. Dezember 2009, 05:56:51 »

Vielleicht sollte ich es jetzt lesen. Ich hatte vor Jahren mal das Glück es sehr günstig kaufen zu können. Die Rezi ist toll, auf SF habe ich Lust. Mal sehen, bin gerade sehr unentschlossen.

So gerne ich Willis auch empfehle, ist sie in meinen Augen doch eine der untypischsten SF-Autorinnen, die es gibt und auch in diesem Buch gibt es kaum SF-Elemente außer der technischen Möglichkeit der Zeitreise. Nicht dass du meine Lieblingsautorin unter den falschen Voraussetzungen liest und nicht magst.  :entsetzt:
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Agarepth

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Antw:Connie Willis - Doomsday Book (Die Jahre des schwarzen Todes)
« Antwort #5 am: 24. Februar 2010, 19:32:03 »

Erstmal vielen Dank für die Rezension dieses Buches, sonst wär mir diese Perle doch glatt durch die Lappen gegangen.  :zwinker:

An sich ist es ja wirklich wenig SciFi, aber gerade durch den sparsamen Einsatz von Zeitreise-Terminologie bleibt der Fokus stets auf den beiden parallelen Storylines. Für meinen Geschmack gibt es hier und da zwar einige längliche Passagen und unnötige Wiederholungen, aber der verzweifelte und aussichtslose Kampf Kivrin's um die Leben der ihr ans Herz gewachsenen Dorfbewohner ist wirklich mitreißend inszeniert.
Und auch das eingesetzte Zeitreise-Konzept zeigt einige interessante Ansätze, insbesondere der/die/das ominöse "slippage", welches Dunworthy ja so einiges an Kopfzerbrechen bereitet.

Klasse Buch, der Wertung im ersten Post kann man durchaus zustimmen.

mfg aga

PS: Aber eins hätte ich als Leser gern noch aufgelöst bekommen:
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« Letzte Änderung: 24. Februar 2010, 19:34:43 von Agarepth »
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Valentine

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Re: Connie Willis - Doomsday Book (Die Jahre des schwarzen Todes)
« Antwort #6 am: 16. August 2011, 15:01:52 »

Wir schreiben das Jahr 2054 und befinden uns in Oxford. Zeitreisen sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern werden von Historikern intensiv zwecks Feldforschung genutzt. Die Studentin Kivrin soll kurz vor Weihnachten für ein paar Tage ins Jahr 1320 reisen, die Sitten und Gebräuche der Menschen beobachten und aufzeichnen und am Dreikönigstag zurückkehren. Alles ist vorbereitet, nur ihr Mentor, Professor Dunworthy, hat kein gutes Gefühl bei der Sache. Kivrin tritt aber trotzdem die Reise durch das "Netz" an und findet sich auf einer verschneiten Lichtung wieder, wo sie als vermeintliches Opfer eines Straßenräubers aufgelesen und in ein nahegelegenes Herrenhaus gebracht wird.

Das Problem an der Sache ist, dass es ihr tatsächlich ziemlich schlecht geht, allerdings nicht, weil sie von einem hinterhältigen Bösewicht niedergeschlagen wurde, sondern weil sie offenbar eine schwere Grippe aus der Gegenwart mitgebracht hat. Vorerst beschränken sich ihre Erfahrungen mit dem 14. Jahrhundert also auf das häusliche Leben und die Krankenpflegemethoden. Und sie muss feststellen, dass das in den Vorlesungen gelehrte Mittelenglisch doch etwas anderes ist als das, was man tatsächlich anno 1320 spricht.

In der Gegenwart zweifelt Professor Dunworthy immer stärker daran, dass Kivrins Zeitreise eine gute Idee war. Der Techniker, der ihren Zeitsprung berechnet und gesteuert hat, liegt mit einer schweren Virusinfektion kaum ansprechbar im Krankenhaus. Blöderweise ist er der einzige, der Kivrin in der Vergangenheit wirklich lokalisieren kann. Die Krankheit breitet sich epidemieartig aus, und bald müssen sich Dunworthy und seine Freundin und Kollegin Dr. Mary Ahrens mit unvorhergesehenen Schwierigkeiten wie einer eilends verhängten Quarantäne, Versorgungsengpässen und einer Horde übereifriger Glockenspieler aus USA herumschlagen. Und Marys Neffe Colin taucht unerwartet doch auf - eigentlich war sie davon ausgegangen, dass der Besuch des Jungen aufgrund der Quarantäne ausfallen würde, aber irgendwie hat er es aus London heraus nach Oxford geschafft und findet den Ausnahmezustand jetzt einfach nur spannend.

Wow, was für ein Buch! Ich kann mich kaum entscheiden, was ich spannender fand - Kivrins Entdeckungsreise ins 14. Jahrhundert, die sich weitaus dramatischer und gefährlicher gestaltet als erwartet, oder die Bemühungen von Dunworthy und Co., sicherzustellen, dass sie heil und gesund zurückkehren kann. Mehr Details zur Handlung möchte ich gar nicht verraten, nur soviel: ich konnte das Buch irgendwann kaum noch aus der Hand legen.

Was mich aber fast noch mehr begeistert hat als die Spannung und Dramatik, war der trockene britische Humor, der vor allem im Gegenwarts-Handlungsstrang ständig aufblitzt. Connie Willis ist eine Meisterin der Running Gags - ob implizite Bürokratiekritik, miese und nervtötende Verhunzungen traditioneller Weihnachtslieder, Colins etwas unappetitliche Naschgewohnheiten oder übereifrige Menschen, die stets im falschen Moment mit zwar durchaus wichtigen, aber banalen Problemchen wie einem drohenden Klopapierdefizit an der Universität ankommen, all das taucht immer wieder auf und sorgt für schmunzelnde Wiedererkennungseffekte, ohne zu nerven. Und die Charaktere an der Uni sind einfach herrlich schrullig, etwa der ewige Bedenkenträger Dunworthy, die resolute Mary Ahrens und Colin, für den alles nur ein riesengroßes Abenteuer ist.

Die Kapitel, die in der Vergangenheit spielen, haben einen ernsteren Grundton, zumal Kivrin auch eher ruhig und nachdenklich ist, bestechen dafür aber durch eindrückliche Schilderungen, die einem schon beinahe die Gerüche in die Nase steigen lassen und leise, eindringliche Porträts von Menschen und Gefühlen.

Eines meiner Highlights des Jahres!

5ratten :tipp:

(Danke, illy, für diesen Tip!)
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nimue

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Re: Connie Willis - Doomsday Book (Die Jahre des schwarzen Todes)
« Antwort #7 am: 16. August 2011, 16:02:24 »

Wie gut, dass es im November neu aufgelegt wird:



 :breitgrins:

HoldenCaulfield

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Re: Connie Willis - Doomsday Book (Die Jahre des schwarzen Todes)
« Antwort #8 am: 16. August 2011, 17:40:39 »

O cool^^ das werd ich mir mal merken!
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Re: Connie Willis - Doomsday Book (Die Jahre des schwarzen Todes)
« Antwort #9 am: 16. August 2011, 19:26:17 »

Wie gut, dass es im November neu aufgelegt wird:

Das finde ich auch klasse. Vielleicht kommen ja mal noch ein paar weitere Leser in Deutschland auf den Willis-Geschmack. Ich finde ihre Schreibe einfach genial.

Und falls es jemand dann auf deutsch liest, würde mich mal interessieren, was in der Übersetzung aus dem "gobstopper" geworden ist.
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