Hallo nochmal,
wahrscheinlich sind wir da einfach bei der alten Diskussion über die Qualität von Literatur angelangt. Während die einen Marion Zimmer Bradley für gute Literatur halten, ist es für einige wenige Rosamunde Pilcher - für die meisten hier sicherlich nicht. Wo setzt man also mit solcherlei Diskussionen an?
Als Beispiel könnte man jetzt zum Beispiel Khaled Hosseini nennen. Bei ihm fällt mir schon eine Genreeinteilung schwer, seine Bücher würde ich am ehesten unter 'Sonstige Belletristik' einordnen. Was passiert mit ihm? Er erzählt in seinem zweiten Buch "Tausend strahlende Sonnen" über zwei unterschiedliche Frauen im Afganistan der letzten Jahrzehnte, zeigt seiner Leserschaft verheerende Situationen von unterdrückten Menschen in einem islamischen Regime auf... Trotzdem würde ich nie auf die Idee kommen, dieses Buch (oder auch "Drachenläufer") unter die Überschrift Weltliteratur zu setzen.
Also hat es doch mit schriftstellerischem Können zu tun, nicht nur mit der Thematik an sich. (Danke übrigens, mombour, Du hast mein letztes Posting schon ganz richtig interpretiert!)
Ob man António Lobo Antunes nun als Zumutung empfindet oder als Chronisten einer Kolonialmacht, der unter anderem mit seinen Erlebnissen umzugehen versucht und dabei zweifelsohne einen sehr eigenen Stil an den Tag legt, spielt meiner Meinung nach keine explizit große Rolle (im übrigen wer ich als eine seiner LeserInnen nicht beleidigt, wenn man ihn unter 'Sonstige Belletristik' einsortieren würde). Natürlich ist Literatur immer eine Frage des persönlichen Geschmacks - das zeigen verschiedenste Literaturnobelpreisträger, die beim einen kaum Verständnis hervorrufen, von anderen himmelhochjauchzend gelobt werden. Auch will ich nicht abstreiten, dass mein Fokus durchaus europäisch geprägt ist, was von unterschiedlichsten Faktoren abhängt: fehlende Übersetzer für ganze Sprachgebiete, mangelndes Interesse dank des teilweise sehr fixierten Literaturbetriebes, und so weiter. Gar nicht auszumalen, was uns hier an phänomenaler Literatur durch die Lappen geht, weil der Schriftsteller vielleicht aus Kambodscha, China, Burundi oder Saudi Arabien stammt.
Kurzum, Weltliteratur kann sehr vielseitig sein, aber das Thema eines Werkes kann meines Erachtens nicht das alleinige Kriterium dafür sein.
Grüße
dubh