Teil 4, Sinistro, der Schreiber, 1505Matteo gehört (wieder) zum Gefolge Leonardo da Vincis, das sich mit dem Meister in Florenz befindet, um dort den Auftrag für ein großes Schlachtenbild auszuführen. Zwei Jahre lang wurde an den Entwürfen und den Vorzeichnungen für das Gemälde der Anghiarischlacht gearbeitet und zum Verdruss seiner Leute beginnt Leonardo ausgerechnet zur dreizehnten Stunde an einem Freitag mit dem Bild selbst - was sich entsprechend der Unkenrufe seiner Leute auch noch rächen soll und wird.
Dieser Teil enthält einen etwas ausführlicheren Rückblick auf Matteos Vergangenheit und Sandinos Auftrag an ihn, der ihn fast das Leben gekostet hätte, außerdem enthält dieser Teil Leonardos Begegnung und Freundschaft mit Donna Lisa, von der er ein Porträt anfertigt (

).
Felipe und Graziano aus Leonardos Gefolge bekommen ziemlich viel Raum und auch ein Konstrukt, mit dessen Hilfe der Mensch fliegen können soll, steht eine Zeit lang im Mittelpunkt.
Ansonsten beschäftigt sich dieses Kapitel vor allem mit Fragen über die Ausbildung des mittlerweile 15-jährigen Matteo, der unterrichtet werden soll, das Lesen und Schreiben erlernen soll, dies aber ablehnt - bis er halbwegs dazu gezwungen wird. Zwar freundet er sich mit dem Schreiber Sinistro an, der ihm Elisabettas Briefe vorliest und schließlich auch seine Antworten an sie für ihn verfasst, doch bekommt Matteo auch ein Buch geschenkt, das er nicht lesen kann und kommt wiederholt in Situationen, in denen ihm seine mangelnde Bildung im Weg steht.
Sinistro wird ermordet und, wie sich durch einen Abschiedsbrief an Matteo herausstellt, ist wieder Sandino dafür verantwortlich.
Dieses Kapitel fand ich abseits des Porträts für Donna Lisa und der Flugkonstruktion eher langweilig und - ähnlich dem Fluggerät - sehr konstruiert. Das Maß, in dem sich Felipe und Graziano um Matteos Bildung sorgen und ihn zum Unterricht drängen wollen, habe ich nicht nachvollziehen können, weil mir deren Motivation im Grunde völlig verschlossen blieb. Auch dass Matteo ausgerechnet wegen eines Märchenbuches plötzlich seine Meinung ändert, was Elisabettas Briefe zuvor nicht geschafft haben, verstehe ich nicht.
Dreh- und Angelpunkt neben der Darstellung verschiedener Werke Leonardo da Vincis Anfang des sechzehnten Jahrhunderts scheint es zu sein, die Begegnung mit Sinistro und das Ende dieser Bekanntschaft einbringen zu können, wobei Matteo den Brief zu diesem Zeitpunkt lesen können muss, weil die ganze Sache sonst der gesamten Geschichte des Buches nicht bringt. Das war mir deutlich zu konstruiert und auch zu langatmig, auch wenn ich den Strang rund um Leonardo gern gelesen habe (was aber daran liegt, dass mein Interesse für Leonardo da Vinci mich ursprünglich überhaupt erst zum Kauf dieses Buches bewogen hatte

).
Auch fehlen einem praktisch die zwei Jahre zwischen dem dritten und vierten Teil, die manches des eben Kritisierten vielleicht besser erklären könnten, als es die diversen kleinen Rückblicke dieses Teils tatsächlich tun.
Teil 5, Krieg, 1509Matteo befindet sich weiterhin in der Ausbildung, erlernt allerlei, auch das von ihm verhasste Tanzen. Mehrere Male besucht er Paolo und Elisabetta auf dem Hof ihres Onkels in Kestra, wobei er auch die Bekanntschaft des Franzosen Charles d'Enville macht, der ihn auf einem dieser Besuchsritte quasi aus Langeweile begleitet. Besonders Paolo ist von Charles' Bekanntschaft sehr angetan, da der Soldat in Paolo das Feuer nach Rache und Krieg wieder entfacht und weiter schürt.
Die Sprache kommt noch einmal auf den Angriff auf Perela damals (in dem auch mein Kritikpunkt, wie sich das Ganze objektiv erklären lässt, angesprochen wird - jedoch nicht wirklich gelöst).
Man erfährt, dass Cesare Borgia tot ist, was Paolos geplante Rache jedoch nicht beendet, denn Paolo sinnt auf Vernichtung des Papstes.
Leonardo da Vinci reist mit seinem Gefolge im gleichen Jahr nach Pavia, um den Vorlesungen seines Freundes Marcantonio della Torre zu lauschen und seine anatomischen Kenntnisse weiter zu vertiefen.
Elisabettas und Paolos Onkel erleidet einen Schlaganfall und stirbt, was den beiden einiges an Geld hinterlässt, das Paolo jedoch für die Gründung eines eigenen Waffentrupps für den Kampf an der Seite der Franzosen und somit gegen den Papst auszugeben gedenkt. Elisabetta bittet Matteo um Hilfe, da der rührige Nachbar Baldassare Paolo auch nicht zur Räson bringen kann, doch letztlich sorgt Matteos Besuch nur dafür, dass Paolo Matteo an seine Verpflichtung erinnert, sich an der Rache zu beteiligen, so wie Matteo sein Wort damals in Perela gegeben habe.
Matteo, der soeben das Angebot bekommen hatte, in Pavia Medizin zu studieren, ist untröstlich, will sich aber seiner Verpflichtung stellen, das Studium ablehnen und seinen Meister verlassen, um Paolo zur Seite zu stehen.
Als Matteo erst einmal abreist, wird er überfallen. Auf seiner Flucht versteckt ihn eine junge Novizin unter ihren Röcken.
Die nette Novin treffen wir ja später noch mal wieder.

Besonderheit ist der Reiter mit dem schwarzen Hengst unter Matteos Verfolgern, der nicht so recht zu Sandinos Banditen zu passen scheint. Die Novizin erklärt Matteo, dass es sich bei diesem Mann um Jacope de Medici handelt.
Matteo entkommt, doch durch diesen Vorfall kehrt er gar nicht erst zu Leonardo zurück, sondern schließt sich sogleich Paolos "Bande Rosse" an.
Einmal mehr muss ich sagen, dass zeitliche Sprünge dem Buch meiner Ansicht nach nicht gut tun. Ich habe auch ein bisschen den Eindruck, als wenn sie auch der Autorin nicht gut getan hätten. Immer wieder gibt es Passagen, die auf mich recht stückelig wirken und einigermaßen heruntergeschrieben, während andere wieder mit Bedacht verfasst wurden und deutlich mehr Kopfkino und Atmosphäre zulassen.
Matteos Ausbildung ist recht lustig, gerade das Tanzen auch wieder ein Hinweis auf spätere Ereignisse, dennoch ist die ausführliche Darstellung einigermaßen überflüssig.
Paolos Entwicklung einschließlich seiner aufkommenden Trunksucht fand ich glaubwürdig, an ein entsprechendes Versprechen Matteos hinsichtlich gemeinsamer Rache kann ich mich allerdings überhaupt nicht erinnern. Ich hab sogar noch mal nachgeschlagen, aber auch eine solche Stelle nicht gefunden (ich hab da angefangen, wo Matteo Paolo in seinem Versteck in Parela findet und bis zur Flucht der Jugendlichen zum Nonnenkloster von Bruder Benedikts Schwester gesucht). Hab ich die überlesen?
Schade finde ich, dass Baldassare, der Elisabetta ja eine große Hilfe und Stütze ist, so gar keinen Raum bekommt, sondern der beispielsweise auf Grund späterer Ereignisse (im weiteren Buchverlauf) eher Charles zukommt, was ich an der Stelle hier aber ziemlich überflüssig bis unglaubwürdig fand.
Die Verfolgungsjagd fand ich ziemlich spannend, auch wenn ich weder das Auftreten des "schwarzen Reiters" noch das Verhalten der Novizin verstanden habe. Immerhin letzteres klärt sich ja später (so weit bin ich schon).
Dass durch diesen Vorfall Hektik aufkommt, die Matteo direkt zurück zu den dell`Orte-Geschwistern gehen lässt, fand ich konsequent. Wäre er erst zurück zu Leonardo (wie auch ohne Pferd), wäre sein Abschied und seine Entscheidung wohl schwieriger gewesen - was ich andererseits deutlich spannender gefunden hätte als manch andere Szene im bisherigen Verlauf des Buches.
Teil 6, Die Bande Rosse, 1510Krieg, Blut, Verwundete, Tote - das macht einen Großteil des Kapitels aus neben Erläuterungen dazu, wer gerade wo, auf wessen Seite und mit welchem Ziel kämpft. Alles ziemlich komplex und was das angeht, so habe ich zwischendurch offen gestanden den Faden verloren und mich auf sonstige Inhalte des Teils beschränkt.
Paolo ist froh und glücklich über das Kriegsgeschehen, Matteo hat sich daran gewöhnt und kann schließlich mit seinem Heilwissen ein bisschen glänzen.
Um Glanz geht es auch auf dem Ball der Lucrezia Borgia, an dem auch Matteo teilnimmt und Eleanora d'Alcatio da Travalle kennen lernt (die er ja eigentlich schon "kennt"). Matteos Tanzunterricht kommt ihm auf dem Ball natürlich zu Gute, und es ist offensichtlich, dass Matteo im Begriff ist, sich in Eleanora zu verlieben, weshalb er sich auf einem Turnier auch anstrengt, ihre Bänder zu erreichen
und dies auch schafft und sie darum auf die Wange küssen darf
.
Matteo erhält Briefe von Leonardo und Felipe und trifft Felipe schließlich wieder. Dieser erzählt ihm
von den aktuellen Kriegsplänen, neuen Schlachten, dem Papstansehen und so weiter
, weshalb Matteo rasch nach Kestra zu Elisabetta aufbrechen will, was er - beladen mit Geschenken - auch tut. Matteo muss erfahren, dass Paolo mittlerweile den ganzen Hof verpfändet hat, findet aber einen Weg, Elisabetta zu hefen.
Er vereinbart mit Felipe, dass Elisabetta in seiner Begleitung nach Florenz geleitet wird und dort bei Verwandten von Felipe unterkommt. Um Elisabetta weiterhin zu unterstützen, fordert Matteo Elisabetta auf, einen Teil ihrer im Garten angepflanzten Heilkräuter mitzunehmen und buddelt die Kiste seiner verstorbenen Großmutter aus, die ihre Heilkunderezepte und derlei enthält.
Matteo sucht Leonardo auf und bittet um Vergebung, dass er in den Krieg zog statt in Pavia zu studieren, wie Leonardo es ihm ermöglicht hat, doch Leonardo zeigt sich wieder einmal verständnisvoll. Gemeinsam betrachten sie das Letzte Abendmahl, zu dessen Restauration Leonardo gerufen wurde.
Die Namen der Herrscherfamilien sowie die ganzen Machtspielchen im Groben sind mir natürlich bekannt, doch erreichen diese Informationen im Buch - und vor allem in diesem Teil des Buches - ein ungeheures Ausmaß, dem ich nicht immer folgen konnte, und offen gestanden interessierte es mich auch nicht sonderlich, weil ich mich eher für Personengeschichte interessiere und da mit Leonardo da Vinci schon ganz gut bedient bin, auch wenn Lucrezia Borgia hier auch eine sehr interessante Darstellung erfährt.
Das Wiedersehen mit Eleanora und die Entwicklung ihrer Bekanntschaft mit Metteo fand ich glaubwürdig und schön beschrieben, vieles andere Zwischenmenschliche habe ich wieder nicht so recht verstehen können.
Stefanos Begleitung und seine Wandlung hin zum tapferen und überzeugten Kämpfer fand ich dabei noch am ehesten nachvollziehbar (wenn auch aus heutiger Sicht ebenso dumm wie die Reaktionen seiner Familie; doch wie meine Oma immer zu sagen pflegte: "Da steckste nich drin").
Wie gelassen Matteo auf Elisabettas Probleme reagiert, wie wenig sie Paolo interessieren und auch, dass es auf Grund dieser ganzen Sache absolut nicht zu Differenzen zwischen Matteo und Paolo kommt, habe ich absolut nicht verstanden. Das ist für mich sehr blass und auch unglaubwürdig dargestellt, was ich umso enttäuschender finde, da gerade Matteo und die dell'Ortes im Buch Charaktere sind, auf deren glaubwürdige und gut ausgearbeitete Schilderung die Autorin an sich großen Wert gelegt hat.
Ebenso wenig verstanden habe ich
die Ausbuddelei und Weitergabe der Kiste an Elisabetta. Sicher, Matteo will ihr helfen und sie unterstützen, was sicherlich auch ein wenig mit Schuldgefühlen zusammen hängt, doch ist diese Kiste Teil einer Vergangenheit, die Matteo ja dringend geheim halten will. Er weiß ja gar nicht, was die Kiste alles enthält, vielleicht auch seine Geschichte, eine Art Tagebuch oder Verweise auf die Lebensart der Zigeuner oder etwas in der Art. Dass er das alles ungeprüft an Elisabetta übergibt, obwohl auch ER derjenige ist, der Heilkräuter zubereitet und SIE eigentlich diejenige, die Pflanzen anbaut und verkauft, verstehe ich beim besten Willen nicht.
So, der letzte Buchteil folgt noch mal separat, weil ich den noch nicht gelesen habe.
