Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Claudio Magris - Die Welt en gros und en détail  (Gelesen 331 mal)

Valentine

  • Middlemarchian
  • Global Moderator
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 8287
  • ... to love what is good and beautiful ...
Claudio Magris - Die Welt en gros und en détail
« am: 30. November 2009, 19:25:00 »



Ausgangspunkt des Buches ist das Café San Marco in Triest, wo es sich vortrefflich sitzen und beobachten lässt – die Stadt, die Stammgäste, die Geschichten, das Café selbst. Mit dem Wort Beobachtungen lässt sich wohl der Inhalt am besten wiedergeben. Es gibt keine lineare Handlung, keinen roten Faden im Sinne einer zusammenhängenden Geschichte. Vielmehr lebt das Buch von detaillierten, wortmächtigen Schilderungen von Land und Leuten in Triest und in seiner näheren und weiteren Umgebung, bis hinauf nach Südtirol, von den natürlichen Gegebenheiten genauso geprägt wie von zwischenmenschlichen Beziehungen und der Politik, die gerade im Grenzgebiet Istriens Auswirkungen bis hin zu den häufig wechselnden Ortsnamen hat.

Ich hatte mich zu Beginn auf einen „normalen“ Roman mit literarischen Qualitäten eingestellt und somit einige Anlaufschwierigkeiten mit der episodenhaften Erzählweise, die nicht nur ständig Schauplatz und Perspektive wechselt, sondern auch noch unverhofft durch die Jahrzehnte wandert – manchmal innerhalb eines einzigen Satzes oder Abschnitts.

Sehr wortgewaltig schreibt der aus Triest stammende Magris, gespickt mit ungewöhnlichen Fremdwörtern, in langen verschachtelten Sätzen. An diesen Stil muss man sich gewöhnen, weswegen es sich empfiehlt, bei der Lektüre keine größeren Pausen einzulegen. Einige Kenntnisse der jüngeren Geschichte Italiens und Triests hätten sicher auch nicht geschadet und zu besserem Verständnis beigetragen – so konnte ich nur aus dem Kontext zu erraten versuchen, ob die jeweils gerade zitierte Person real oder erfunden ist.

Die abschließende Beurteilung fällt mir ein wenig schwer. Magris hat es definitiv geschafft, mich irgendwann zu packen und mich für seine Charakteristiken von Gegenden und Menschen zu interessieren, angesichts der Fremdwörterfülle hatte ich aber doch gelegentlich das Gefühl, dass er ein bisschen arg dick aufträgt mit seinem umfangreichen Wortschatz. Mit dem surreal wirkenden Schluss konnte ich ebenso wenig anfangen, deshalb von mir nur ganz subjektive und persönlich so empfundene

3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

EDIT: Amazonlink eingefügt. LG, Saltanah
« Letzte Änderung: 14. Dezember 2009, 19:43:39 von Saltanah »
Gespeichert
The best piety is to enjoy--when you can. You are doing the most then to save the earth's character as an agreeable planet. And enjoyment radiates. It is of no use to try and take care of all the world; that is being taken care of when you feel delight--in art or in anything else. Would you turn all the youth of the world into a tragic chorus, wailing and moralising over misery?
George Eliot: Middlemarch