Pablo Casals - Licht und Schatten auf einem langen Weg
In seinen letzten Lebensjahren hat Casals dann doch noch die Liebe gefunden. Seine Frau Martita und er haben ihre Verbindung mit viel Selbstvertrauen und Humor akzeptiert; das muss man vielleicht auch, wenn der Bräutigam 30 Jahre älter ist als der Brautvater. Da Martita von Puerto Rico stammte, woher auch Casals Mutter kam, lag es nahe, dorthin zu übersiedeln. Aber von einem ruhigen Lebensabend konnte bei Casals natürlich keine Rede sein. Nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Kalte Krieg und die atomare Bedrohung und so war es ganz natürlich, dass Casals weiterhin unermüdlich für den Frieden und die Völkerverständigung arbeitete. Er spielte mehrmals vor den Vereinten Nationen und zu seinen wertvollsten Erinnerungen gehörte das Konzert, dass er im Weißen Haus Präsident Kennedy gab, auf den er viele Hoffnungen für den Frieden setzte. Wie die Geschichte weiter ging, wissen wir ja leider: die Hoffnungen des alten Mannes erfüllten sich nicht; Kennedy wurde ermordet, Spanien wurde zu Casals' Lebzeiten nicht von der Diktatur befreit und er hat seine Heimat nie mehr wieder gesehen. Er starb 1973 fast 97jährig im Exil in Puerto Rico.
Zurück bleibt der Eindruck eines aufrechten Mannes und großen Künstlers, eine Stimme der Menschlichkeit und der Liebe zu den Menschen. "Wir sind alle Blätter desselben Baumes und dieser Baum ist die Menschheit", schreibt er. In Erinnerung bleibt mir auch dieser kleine alte Mann, wie er an einem heißen Tag in den Pyrenäen sein Cello zur Abtei Saint-Michel-de-Cuxa hinauf trägt und dort die Cello-Suite Nr. 1 von Bach spielt (
klick).
Ein tolles Buch für ein langes Lesewochenende, das wahrscheinlich immer noch auf meinem SUB liegen würde, wenn ich nicht einen dem Motto entsprechenden Titel gesucht hätte.
@schokotimmi
Und Nietzsche weinte kann ich Dir wärmstens empfehlen. Das hat mir, wie alle Bücher von Yalom, sehr gut gefallen, hat mir aber den Mensch Friedrich Nietzsche kein bisschen näher gebracht.
Ich freue mich, dass ich Interesse für Casals' Erinnerungen bei Dir (und vielleicht auch noch bei jemand anderem) wecken konnte. Das war auch meine Absicht.

Ich gehe jetzt Cello spielen und wünsche Euch noch viel Spaß beim Lesen.
