

Sandra, eine junge Biologin rettet einem Mann nach einem Autounfall das Leben. Als dieser im Krankenhaus erwacht, kann er sich an nichts erinnern, nicht einmal an seinen eigenen Namen. Die Identität, die sich aus seinen Papieren ergibt, behagt ihm allerdings gar nicht, er ist felsenfest davon überzeugt, dass er nicht dieser Paul Anderson, Marketingdirektor einer großen Energiefirma, sein kann. Zudem hat er eine starke instinktive Abneigung gegen seinen Arbeitgeber und Kenntnisse in Gebieten von denen Anderson keine Ahnung hat. Gemeinsam mit Sandra und einem Pfleger, der sich wegen der Unfallfolgen um ihn kümmert, will er seiner Vergangenheit auf die Spur kommen und auch herausfinden, welche Rolle dieser dokumentationendrehende Journalist spielt, der etwas über das größte Firmengeheimnis weiß und versucht aus Anderson weitere Informationen heraus zu bekommen.
„The Wrong Reflection“ ist angenehm zu Lesen und allein durch seine Situierung in England trotz US-amerikanischer Autorin etwas außergewöhnlich. Während man zu Beginn glaubt, einen handelsüblichen Wissenschaftssthriller zu lesen, wandelt sich das Buch im Laufe der Geschichte zu einem Science-Fiction-Roman. Dabei bleibt die Autorin relativ realistisch, nicht nur was die Science-Fiction-Anteile angeht, die recht nah an der Wahrscheinlichkeit angesiedelt sind, sondern auch dadurch, dass sie für die sich entwickelnde Beziehungsgeschichte einen befriedigenden Abschluss findet. (Aber gibt es heute eigentlich kein einziges Buch ohne zumindest eine angedeutete Liebesgeschichte mehr?)
Gillian Bradshaw gehörte seit ewigen Zeiten zu meinen Lieblingsautorinnen im historischen Bereich und jetzt lese ich so nach und nach ihre anderen Romane, die allerdings alle nicht auf Deutsch erschienen sind. Mit diesem zweiten Buch erfüllt sie genau die Erwartungen, die ich nach meinem ersten Buch von ihr hatte. Ein ordentlicher Thriller, mit ein paar unüblichen Kleinigkeiten, aber im Großen und Ganzen halt gute Durchschnittskost, die sich leicht und ohne großes Tamtam lesen lässt. Bemerkenswert ist höchstens, dass ihre Thriller tatsächlich noch ohne viel Blut, Forensiker und Serienkiller auskommen.
