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Autor Thema: Andrew Sean Greer - Die Nacht des Lichts  (Gelesen 571 mal)

Breña

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Andrew Sean Greer - Die Nacht des Lichts
« am: 12. November 2009, 01:36:14 »



Klappentext
Auf einer Insel im Südpazifik trifft sich 1965 eine Gruppe kalifornischer Astronomen, um einen Kometen zu beobachten. Das Gestirn streicht vorbei, ein Junge stirbt - ein Erlebnis, das sie nicht mehr loslassen wird. Von nun an treffen sie sich alle sechs Jahre, um den Kometen zu beobachten und ihr Leben neu zu vermessen.

Meine Meinung
Den zahlreichen überschwänglichen Rezensionen, die man im Netz findet, mag ich mich nicht anschließen, denn ein absolutes Highlight war das Buch für mich nicht, schlecht fand ich es aber auch nicht. Die meiste Zeit habe ich mich gefragt, wohin mich Greer führen möchte - ich habe mich ähnlich orientierungslos gefühlt wie die Protagonisten. Und von denen gibt es einige, da der Autor die Leben einer Gruppe von Menschen verfolgt, die durch die Betrachtung eines Kometen verbunden sind. Es gibt den renommierten Astronomen, der den Kometen entdeckt hat, seinen verzweifelten Kollegen, seine aufstrebenden Studenten, seine junge, unwissende Tochter, und andere aus deren Dunstkreis. Diese Menschen sind nicht nur durch den Kometen sondern auch den Tod eines Jungen miteinander verbunden, und im Laufe des Buches werden sie älter, erwachsen, erfolgreich, verzweifelt, desillusioniert und ihre Beziehungen zueinander verändern sich - sie leben. Greer fächert diese Leben vor dem Leser auf, indem er sie von 1965 bis 1990 alle sechs Jahre "besucht". Er spielt mit den Perspektiven, mit Rückblicken und Momentaufnahmen. Dabei wachsen einem manche Protagonisten ans Herz, andere eben nicht.
Besonders gut hat mir gefallen wie sich die Einzelnen Gedanken über ihr Leben machen und dabei die Anschauung variiert wird, dass ein Leben aus mehreren Leben besteht bzw. bestehen sollte. Kathy, Frau eines viel versprechenden Astronomen, "wechselt" von einem Leben in ein anderes indem sie ihren Beruf bzw. ihre Berufung wechselt. Denise, Astronomin, blickt auf die nicht genutzten Chancen zurück und überlegt verzweifelt, welche Leben sie hätte führen können. Und Lydia empfindet sich als Heranwachsende bereits als ein "Produkt" des Teams von Mädchen, die sie schon gewesen ist. Auffällig ist hierbei meines Erachtens, dass diese Überlegungen nur von Frauen geführt werden. Die Männer spiegeln diese Überlegungen in ihrem Handeln, reflektieren sie aber nicht selbstständig. Auch wenn sie komplexe Personen im Geschehen darstellen, funktionieren sie bei diesem Aspekt anscheinend nur als Beiwerk der weiblichen Innenwelten.
Anfänglich fand ich den Roman etwas schleppend, obwohl er natürlich mit den Ereignissen beginnt, die immer wieder aufgearbeitet werden - der ersten Kometenbeobachtung und dem Tod eines Jungen. Nachdem die Protagonisten eingeführt waren legte sich das, allerdings schwächelt das Buch gegen Ende wieder etwas. Greers Schreibe ist solide (aber leider schlecht lektoriert), und offenbart einige Perlen.

3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

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Breña
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Cuddles

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Antw:Andrew Sean Greer - Die Nacht des Lichts
« Antwort #1 am: 12. November 2009, 09:22:49 »

Danke für die schöne Rezi - und ein tolles Timing noch dazu, denn das Buch wollte ich diesen Monat auch noch lesen. Mal schauen wie es mir gefällt, vor allem da ich "Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli" so toll fand. :)

 :winken:
« Letzte Änderung: 12. November 2009, 10:44:10 von Cuddles »
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Breña

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Antw:Andrew Sean Greer - Die Nacht des Lichts
« Antwort #2 am: 12. November 2009, 21:12:00 »

und ein tolles Timing noch dazu, denn das Buch wollte ich diesen Monat auch noch lesen.

Das hatte ich im anderen Thread gelesen :breitgrins:, mich an das Buch erinnert und wollte dann schauen, wie andere es gefunden haben. Und dann gab es, so eine Gemeinheit, gar keine anderen Meinungen dazu. Um so mehr freue ich mich auf deine!

Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli kenne ich noch nicht, das Buch ist aber seit ich Die Nacht des Lichts gelesen habe auf meiner Wunschliste.

Viele Grüße
Breña
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Cuddles

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Antw:Andrew Sean Greer - Die Nacht des Lichts
« Antwort #3 am: 27. November 2009, 16:31:22 »

Um so mehr freue ich mich auf deine!

Und die will ich dir nun nicht vorenthalten. :smile: Obwohl ich deiner großartigen Rezi kaum noch was an eigenen Gedanken hinzufügen kann, denn ich habe das Buch sehr ähnlich empfunden. Genaugenommen weiß ich allerdings immer noch nicht, was ich von dem Buch halten soll, zumindest kann ich es schwer in Worte fassen.

Greer kann definitiv schreiben, auch wenn sein Stil in seinem ersten Roman noch nicht ganz so ausgereift ist wie in seinem zweiten Werk "Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli" (welches ich dir nochmals sehr ans Herz legen möchte :zwinker:). Das war es auch, was mich bei der Stange hielt - zwischenzeitlich wusste ich überhaupt nicht mehr, was das ganze soll, ob alles einen Zusammenhang hat oder nicht. Besonders im Mittelteil hatte ich das Gefühl, dass ich keine zusammenhängende Geschichte, sondern nur einzelne aneinandergereihte Teile lese. Die letzten fünfzig Seiten haben mir wiederum gut gefallen. Hier schließt sich so mancher Kreis, was ich sehr schön fand.

Auffällig ist hierbei meines Erachtens, dass diese Überlegungen nur von Frauen geführt werden. Die Männer spiegeln diese Überlegungen in ihrem Handeln, reflektieren sie aber nicht selbstständig. Auch wenn sie komplexe Personen im Geschehen darstellen, funktionieren sie bei diesem Aspekt anscheinend nur als Beiwerk der weiblichen Innenwelten.

Interessant - ganz so hätte ich es nicht ausgedrückt, aber die weiblichen Charaktere sind eindeutig besser ausgestaltet als die männlichen. Am lebendigsten (nicht unbedingt am sympathischsten) fand ich Lydia und Kathy, gar nicht mal so sehr Denise, deren Beweggründe ich zum Teil schwer nachvollziehen konnte. Warum z.B. heiratet sie Adam? Liebt sie ihn? Das wird aus dem Roman überhaupt nicht klar.

Ein Fazit zu ziehen fällt mir schwer. "Die Nacht des Lichts" hat mich geärgert, teilweise gelangweilt und manchmal berührt. Aber kalt gelassen hat mich der Roman nicht.

Lange Zeit war ich mir sicher, dass ich dem Buch höchstens drei Ratten geben würde, aber das Ende hat mich wieder etwas versöhnt, deswegen gibt es noch ein Mäuschen obendrauf.

3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

Liebe Grüße
Cuddles :winken:

Breña

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Antw:Andrew Sean Greer - Die Nacht des Lichts
« Antwort #4 am: 29. November 2009, 15:28:45 »

Hallo Cuddles,

nach dem Lesen musste ich das Buch auch erst sacken lassen, aber es gehört definitiv zu den Büchern, die mich auch über das Lesen hinaus beschäftigten.

"Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli" (welches ich dir nochmals sehr ans Herz legen möchte :zwinker:).

Ja, verstanden, steht auf der Wunschliste! :breitgrins:

- zwischenzeitlich wusste ich überhaupt nicht mehr, was das ganze soll, ob alles einen Zusammenhang hat oder nicht. Besonders im Mittelteil hatte ich das Gefühl, dass ich keine zusammenhängende Geschichte, sondern nur einzelne aneinandergereihte Teile lese. Die letzten fünfzig Seiten haben mir wiederum gut gefallen. Hier schließt sich so mancher Kreis, was ich sehr schön fand.

Das hat mich ebenfalls irritiert, rückblickend muss ich vor Greer aber den Hut ziehen, da er dem Leser die Orientierungslosigkeit der Protagonisten kaum besser hätte vermitteln können. Und das Konzept, gleichzeitig mit dem Kometen in den verschiedenen Leben "aufzutauchen" und eher Streiflichter und Momentaufnahmen zu liefern als eine durchgehende Geschichte, hat mich von Anfang an gereizt.

Am lebendigsten (nicht unbedingt am sympathischsten) fand ich Lydia und Kathy, gar nicht mal so sehr Denise, deren Beweggründe ich zum Teil schwer nachvollziehen konnte. Warum z.B. heiratet sie Adam? Liebt sie ihn? Das wird aus dem Roman überhaupt nicht klar.

Leider ist es schon zu lange her, so dass ich mich an Details nicht mehr genau erinnern kann, aber Denise habe ich als zerrissene Person in Erinnerung, ohne diesen Eindruck noch konkret begründen zu können. Vielleicht hat ein noch kommender Leser eine Erklärung?

Aber kalt gelassen hat mich der Roman nicht.

Und das ist doch manchmal viel wichtiger als "nur" gut unterhalten zu werden, oder? :zwinker:

Viele Grüße
Breña
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Cuddles

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Antw:Andrew Sean Greer - Die Nacht des Lichts
« Antwort #5 am: 29. November 2009, 19:08:57 »

Hallo Breña,

Das hat mich ebenfalls irritiert, rückblickend muss ich vor Greer aber den Hut ziehen, da er dem Leser die Orientierungslosigkeit der Protagonisten kaum besser hätte vermitteln können. Und das Konzept, gleichzeitig mit dem Kometen in den verschiedenen Leben "aufzutauchen" und eher Streiflichter und Momentaufnahmen zu liefern als eine durchgehende Geschichte, hat mich von Anfang an gereizt.

So habe ich das noch gar nicht gesehen, aber du hast recht. Der Leser fühlt sich genauso wie die Protagonisten, mit dem Unterschied, dass der Leser zumindest einen allumfassenden Blick von allen Figuren bekommt. Das mit den Streiflichtern hätte ich so auch geschrieben - mir ist nur in dem Moment nicht die richtige Formulierung eingefallen. :rollen:

Leider ist es schon zu lange her, so dass ich mich an Details nicht mehr genau erinnern kann, aber Denise habe ich als zerrissene Person in Erinnerung, ohne diesen Eindruck noch konkret begründen zu können.

Ich fand es gerade bei Denise schwer, sie einzuordnen, weil wir eben nur Momentaufnahmen von ihrem Leben bekommen. Das mit ihrer Hochzeit mit Adam kriegt der Leser ja nur "im nachhinein" mit. Ich denke, ihre Persönlichkeit ist einfach zu komplex gefasst, als dass man sie mit ein paar Zeilen einfangen könnte.

Aber kalt gelassen hat mich der Roman nicht.

Und das ist doch manchmal viel wichtiger als "nur" gut unterhalten zu werden, oder? :zwinker:

Genau, wozu lesen wir sonst Bücher? :zwinker:

Liebe Grüße
Cuddles

tina

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Re: Andrew Sean Greer - Die Nacht des Lichts
« Antwort #6 am: 08. Mai 2012, 16:11:23 »

Andrew Sean Greer – Die Nacht des Lichts


OT: The path of minor Planets
OA: 2001
350 Seiten
ISBN: 978-3596153435

Inhalt:
Auf einer Insel im Südpazifik trifft sich 1965 eine Gruppe kalifornischer Astronomen, um einen Kometen zu beobachten. Das Gestirn streicht vorbei, aber ein Junge stirbt - ein Erlebnis, das sie nicht mehr loslassen wird. Von nun treffen sie sich alle sechs Jahre, um den Kometen zu beobachten und ihr Leben neu zu vermessen. (Quelle: Amazon)

Eigene Meinung:
Dieses Buch hat mich angesprochen, weil die Protagonisten Astronomen sind. Die Astronomie wird zwar auch immer wieder erwähnt, aber es geht dennoch vor allem um das Leben dieser Astronomen. Als sie sich das erste Mal treffen sind sie alle jung, voller Träume und Erwartungen an das Leben, privat, wie aber auch in beruflicher Hinsicht. Es ist interessant sie in einem Zyklus von 6 Jahren zu beobachten, welches übrigens auch der Zeitabschnitt ist, in welchen die einzelnen Kapitel unterteilt sind. Keiner von ihnen lebt letztendlich das Leben, welches er sich persönlich beim ersten Treffen ausmalt. Zu viele Faktoren spielen mit und ändern den Verlauf des Lebens, im Gegensatz zu den Kometen, die immer wieder auf Grund von Gravitation auf ihrer Bahn in regelmäßigen Abständen ihre Runden drehen. Ich denke, dass auch der Originaltitel genau das beschreibt. Der Pfad der kleinen Planeten, nämlich der der Menschen, die allzu sehr Schwankungen und Einflüssen von außen unterlegen sind, die nicht berechenbar sind.
Mir gefiel an dem Buch, dass es im astronomischen Milieu spielt, aber leider muss ich gestehen, dass ich zu den Protagonisten bis zum Schluss nicht wirklich eine Nähe aufbauen konnte. Sie waren mir zu oberflächlich beschrieben und blieben doch eher eindimensional. Schade, denn das hätte nicht sein gemusst, da die Idee zu diesem Buch, wie auch sein Aufbau, mir sehr gut gefallen haben.

 3ratten

Tina
« Letzte Änderung: 08. Mai 2012, 16:27:52 von tina »
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