

Im Frühjahr 1881 hat August Liebeskind gerade seinen Dienst beim österreichisch-ungarischen Militär quittiert und genießt die neu gewonnene Freiheit in einem Kaffeehaus, als eine Frau eintritt, die er zuvor bereits auf der Straße mit ihrem Hochrad beobachten konnte. Elena Palffy heißt sie, betont, keine Wienerin zu sein, und fasziniert den jungen Mann sehr.
August verfügt über eine besondere Begabung, er nimmt Gerüche sehr deutlich wahr, riecht sämtliche Nuancen eines Duftes und kann damit manchmal sogar tief in die Seelen anderer Menschen blicken, in ihre Sehnsüchte und Träume. Und so ist es auch vor allem Elenas Duft, der ihn so für sie einnimmt.
Schon bald beginnt er, ganz besondere Leckereien für Elena zu kreieren, die Schokolade über alles liebt, zunächst nur durch eigenwillige Kombinationen gekaufter Pralinen mit außergewöhnlichem, duftendem Verpackungsmaterial wie Gräsern, Heu und Blumen, später, als er begonnen hat, in der Schokoladenfabrik seines Onkels zu arbeiten, auch durch eigene Herstellung.
Es ist eine sehr glückliche Zeit für ihn, doch gleichzeitig muss er häufig auf schmerzhafte Weise feststellen, dass Elena sich nicht fassen lässt, sich ihm immer wieder entzieht und einen unentrinnbaren Schatten aus der Vergangenheit mit sich herumträgt.
Dieses Buch erzählt zum einen die Geschichte einer leidenschaftlichen, aber auch schwierige Liebe auf romantische, aber unkitschige Weise. Das Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts erwacht zum Leben mit all seinen Stimmungen und Gerüchen, die Sprache ist immer wieder ein wenig österreichisch gefärbt. August, der die schöne, spröde Elena mit jeder Faser seines Herzens liebt, ist ein nachdenklicher Mensch, der immer wieder mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat und ein sympathischer Hauptdarsteller.
Aber der Roman ist mehr als nur Lovestory durch die eindringliche Schilderung von Augusts Wahrnehmungen, man glaubt häufig selbst die Gewürze zu riechen oder den Duft einer köstlichen, liebevoll geschaffenen Praline. Es ist auch keine lockerleichte Romanze, sondern überrascht mehrfach mit unvorhergesehenen Wendungen und Einblicken in menschliche Abgründe.
Man könnte das Buch mit einer guten, außergewöhnlichen Schokolade vergleichen mit komplexen Aromen, feinen Nuancen in Duft und Geschmack und einer angenehmen, zartbitteren Süße.
