Endlich geht's los!
Ich werde heute Nacht mein schon angefangenes (genauer gesagt zu 2/3 gelesenes) Buch zu Ende lesen. Es handelt sich mal wieder um ein Buch des schwedischen Gruselmeisters
John Ajvide Lindqvist. Von ihm habe ich schon die drei bisherigen Bücher gelesen und heute ist sein neuestes an der Reihe:
Människohamn, das es auch schon übersetzt gibt:
Menschenhafen heißt es auf deutsch.


Leider lässt mich die deutsche Titelwahl vermuten, dass es mit der deutschen Übersetzung nicht besonders weit her ist. "Hamn" bedeutet zwar ganz richtig "Hafen", hat aber auch eine weitere Bedeutung, nämlich "Gestalt, Wesen". Es wird meistens in in einer Zusammensetzung gebraucht als "i xyhamn" in der Bedeutung "in der Gestalt eines xy", wobei xy ein Tier oder noch häufiger ein Vogel ist. Gemeint ist damit eine Art Gestaltwandler, ein Mensch oder auch Gott, der die Gestalt eines Tieres/Vogels annehmen kann. Zeus z. B. "besucht" Leda "i svanhamn", in Schwanengestalt. Ich nehme stark an, dass der Titel auf eben diese Bedeutung anspielt. Da nimmt also jemand (etwas?)
Menschengestalt an und die große Frage ist natürlich, wer oder was das ist.
Aber von vorne. (Da das Buch übersetzt ist, werde ich mir Mühe geben, Spoiler zu vermeiden.)
Es fängt, wie es sich für einen richtigen Gruselstoff gehört, ganz idyllisch an: Ein wunderschöner Wintertag mit strahlendem Sonnenschein in den
Schären nördlich von Stockholm. Anders unternimmt mit Frau und Kind (der gerade 6 Jahre alt gewordenen Maja) eine Skitour über die dick zugefrorene Ostsee. Ihr Ziel ist der Leuchtturm auf dem "Gåvostenen", dem Gabenstein, einem kleinen Felsen einige Kilometer von der Domarön (der (Ge-)richtsinsel) entfernt. Die junge Familie hat dort von Anders Vater ein Sommerhäuschen geerbt und verbringt ihre Urlaube meist auf der idyllischen Insel. Das Idyll nimmt allerdings ein abruptes Ende, als Maja plötzlich weg ist. Eigentlich ist das unmöglich - Verstecke gibt es auf dem Felsen oder im Leuchtturm nicht und das Eis hat keine schwachen Stellen. Verzweifelt suchen die beiden, bald verstärkt durch weitere Inselbewohner (allen voran Anders' Pseudo-Großvater Simon) sowie Hubschrauber der Küstenwache, jedoch vergebens. Maja ist weg und bleibt auch weg. Ihre Spuren im Schnee nehmen ein plötzliches Ende und das war's. Ein unerklärliches Ende, ebenso unerklärlich wie die Frage, wieso Elof, einer der alteingesessenen Inselbewohner Simon aufforderte, doch Anders anzurufen um ihn zur sofortigen Rückkehr von seiner Leuchtturmtour zu bewegen. Aber Anders hatte sein Handy abgeschaltet und Elof meinte nur: "Naja, es wird schon gutgehen." Was es wie gesagt nicht tat.
Zwei Jahre später ist Anders ein versoffenes Wrack. Seine Frau hat ihn verlassen, da sie das Zusammenleben mit einem Alkoholiker nicht länger ertrug. Anders erreicht eines tages den absoluten Tiefpunkt, an dem ihm nur noch die wahl zwischen Selbstmord und dem Versuch, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Er entscheidet sich für zweiteres und fährt zum ersten Mal zurück auf die Domarinsel. Dort geschehen sonderbare Dinge, erst kleine Abweichungen vom Alltag, die sich leicht durch Anders' übermäßigen Alkoholkonsum erklären lassen, aber auch Simon merkt, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht.
Mehr darf ich aus Spoilergründen wohl nicht erzählen.
Wie gesagt ist das schon das 4. Buch, das ich von Lindqvist lese. Ich schätze seine Bücher, in denen er das Horrorgenre auf seine eigene Art interpretiert. Er schwelgt nicht in Blut, obwohl es durchaus blutig werden kann, aber nicht als Ziel in sich. Seine "Monster" sind nicht gerade ungefährlich, aber die größten Monster sind meist doch die Menschen. So ist es kein Wunder, dass die Stelle, bei der es mich hier am meisten gegruselt hat, einfach "nur" die ganz normalen Vorgänge in einer Gruppe Jugendlicher beschreibt, die ihre Sommer auf der Insel verbringen.
Allerdings war mir das Buch vor allem am Anfang zu weitschweifig. Lindqvist erzählt für meinen Geschmack mit zu vielen Details; lieber wäre mir, er hätte das Buch etwas gekürzt. Schlecht ist es dabei noch lange nicht aber richtige Begeisterung (und Gänsehaut) kann es bei mir nicht hervorrufen.
@J. D.:
Das
Graveyard Book hat mir sehr gut gefallen.
Auf ein frohes Gruseln!