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Autor Thema: Charlotte Brontë - Jane Eyre  (Gelesen 7218 mal)

Dani

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Antw:Charlotte Brontë - Jane Eyre
« Antwort #120 am: 17. November 2009, 11:14:31 »

Zitat von: Kat
Ich finde das Ende übrigens blöd. Ich meine, ich freue mich schon, dass Jane doch noch mit Rochester zusammenkommt (das wollte ich ja schon von Anfang an  ), aber dass Rochester in der Zwischenzeit so viele furchtbare Sachen zugestoßen sind, und vor allem, dass das quasi als Rache Gottes dargestellt ist, musste echt nicht sein. Insofern ist und bleibt das Buch doch stark in den Moralvorstellungen seiner Zeit bzw. der Religion verhaftet: Wenn man "Böses" tut, wird man dafür die gerechte Strafe erfahren.

Und wenn man sich an die Gesetze Gottes hält, wird man sein Glück finden  :rollen:
Wenn man das ganze mal aus Janes Sicht umschreiben will....
Spätestens an dem Punkt hab ich auch festgestellt, dass die Autorin fester in ihrer Epoche verwachsen war, als sie mit ihrer Geschichte über Jane Eyre
uns glauben machen wollte.

 :gruebel: Bei mir ist das nicht so angekommen... Wird das mit der "Strafe Gottes" irgendwo explizit gesagt? Hab ich da was überlesen?

Ich habe die Stelle mit der Stimme nochmal gelesen. Ich weiss nicht ob ich das jetzt richtig verstanden habe, aber es scheint, dass sie die Stimme irgendwie als (göttliches?) Zeichen interpretiert und als "Inspiration". Über die genaue  Bedeutung des Zeichens macht sie sich keine Gedanken, aber sie ist aufgewühlt und hat das Gefühl, sie müsse der Stimme folgen, auch wenn sie nicht genau weiss, was es damit auf sich hat und was passieren wird, wenn sie ihr folgt. Deshalb scheint es für mich so, als ob sie wirklich nicht gross nachdenkt.
Im Kapitel 35 sagt/denkt sie: "My spirit (...) is willing to do what is right; and my flesh, I hope is strong enough to accomplish the will of Heaven, when once that will is distinctly known to me. At anyrate, I shall be strong enough to search - inquire - to grope an outlet from this cloud of doubt, and find the open day of certainty." Und ein bisschen später: "I asked was it a mere nervous impression - a delusion? I could not conceive or believe: it was more like an inspiration."
Ausserdem trifft sie ihre Entscheidung sehr schnell und bricht schon am nächsten Morgen auf, also scheint es schon mehr eine Bauchentscheidung als eine Kopfentscheidung zu sein.

In den Anmerkungen steht bei mir übrigens zu der Stelle mit der Stimme das hier: "Neither supernatural nor demonic, the voice Jane hears is associated with mysterious natural laws, akin to the contemporary sciences of electricity, magnetism and mesmerism." :gruebel: Weiss da jemand was genaueres darüber? Oder steht bei euch auch was darüber in den Anmerkungen oder im Nachwort?
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A mind needs books as a sword needs a whetstone, if it is to keep its edge. (George R. R. Martin, "A Game of Thrones")

 :leser:

kat

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Antw:Charlotte Brontë - Jane Eyre
« Antwort #121 am: 17. November 2009, 13:02:48 »

Zitat von: Kat
Ich finde das Ende übrigens blöd. Ich meine, ich freue mich schon, dass Jane doch noch mit Rochester zusammenkommt (das wollte ich ja schon von Anfang an  ), aber dass Rochester in der Zwischenzeit so viele furchtbare Sachen zugestoßen sind, und vor allem, dass das quasi als Rache Gottes dargestellt ist, musste echt nicht sein. Insofern ist und bleibt das Buch doch stark in den Moralvorstellungen seiner Zeit bzw. der Religion verhaftet: Wenn man "Böses" tut, wird man dafür die gerechte Strafe erfahren.

Und wenn man sich an die Gesetze Gottes hält, wird man sein Glück finden  :rollen:
Wenn man das ganze mal aus Janes Sicht umschreiben will....
Spätestens an dem Punkt hab ich auch festgestellt, dass die Autorin fester in ihrer Epoche verwachsen war, als sie mit ihrer Geschichte über Jane Eyre
uns glauben machen wollte.

 :gruebel: Bei mir ist das nicht so angekommen... Wird das mit der "Strafe Gottes" irgendwo explizit gesagt? Hab ich da was überlesen?

Hm, ich habe das automatisch so interpretiert. Aber ich hab auch eine Stelle gefunden (vorletztes Kapitel), wo Rochester sich in diese Richtung äußert:
"...jetzt schwillt mein Herz vor Dankbarkeit gegenüber dem wohltätigen Gott dieser Welt. Er sieht die Dinge nicht so, wie der Mensch sie sieht, sondern urteilt viel klarer...Ich hatte etwas Unrechtes getan; ich war dabei, meine unschuldige Blume zu beflecken, ihre Reinheit mit Schuld zu beladen - also nahm der Allmächtige sie mir weg....Die himmlische Gerechtigkeit nahm ihren Lauf; die Schicksalsschläge prasselten nur so auf mich ein; ich war gezwungen, das >Tal der Todesschatten< zu durchwandern...."
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Kiba

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Antw:Charlotte Brontë - Jane Eyre
« Antwort #122 am: 17. November 2009, 16:20:57 »

Dani,
in meiner Ausgabe gibt es keine Anmerkungen zu den Stimmen.

Das mit Gottes Strafe ist bei mir gar nicht so wirklich angekommen. Vielmehr kommen die bösen und im Weg stehenden Ehepartner sehr häufig in Büchern praktischerweise mittels Unfall ums Leben, so dass die sich liebenden Hauptpersonen weder mit einer langwierigen, schmuddeligen und der kath. Kirche zuwiderlaufenden Scheidung konfrontiert werden noch selbst irgendwie in Aktion treten müssten  :zwinker:

Kat,
Sturmhöhe ist grundverschieden von Jane Eyre. Es gibt dort einen unglaublich hohen Anteil an Unsympathen, die man das ganze Buch über gern mal ein wenig ohrfeigen würde, die wenigen anwesenden Sympathieträger handeln öfters eher hirnrissig, und die Grundstimmung ist sehr deprimierend.

So, jetzt gege ich in Deckung, bevor die Sturmhöhe-Fans über mich herfallen.  :winken:
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:lesen: Andrzej Sapkowski - Der Schwalbenturm
:lesen: Erma Bombeck - Vier Hände und ein Her voll Liebe

Tami

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Antw:Charlotte Brontë - Jane Eyre
« Antwort #123 am: 17. November 2009, 16:36:24 »

*kicher*
ich glaube, Sturmhöhe ist dann gar nix für mich. Ich finde "Jane Eyre" ja schon depressiv und voll mit überwiegend mir
unsympathischen Menschen  :breitgrins:
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LG
Anne

kat

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Antw:Charlotte Brontë - Jane Eyre
« Antwort #124 am: 19. November 2009, 14:50:16 »

Ach, ich mag Unsympathen lieber als Langweiler. Also her mit der Sturmhöhe! :breitgrins:
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foenig

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Antw:Charlotte Brontë - Jane Eyre
« Antwort #125 am: 20. November 2009, 11:04:42 »

Hey,
so nun habe ich das 25. Kapitel beendet...

An alle, die bereits bis Kapitel 21 oder darüber hinaus gekommen sind:
Was sagt ihr eigentlich zum Schicksal von John Reed? Mein erster Impuls war "das geschieht ihm nur recht", aber irgendwie tat mir seltsamerweise Mrs. Reed plötzlich leid. Erleben zu müssen, wie das eigene Kind sich zugrunde richtet und sich schliesslich umbringt ist hart.  :sauer:
Mir gefiel diese Passage nicht so besonders gut. Irgendwie war mir das zu schwarz-weiß! Ich habe das Gefühl, dass die Personen, die Jane schlecht behandelt haben, denjenigen ergeht es auch schlecht. Wobei es bei John Reed wahrscheinlich gar keinen anderen Ausweg gab. Er wurde so verzogen, dass er vielleicht kein guter Mensch werden konnte. Wobei er aber selbst genug Verstand hätte haben können um zu wissen, was gut und böse ist und wie man nicht in die Kreise gerät, in die er geraten ist.
Ich vermute mal, dass Mrs. Reed sich bestimmt die Schuld an Johns Tod gibt, aber es auf gar keinen Fall zugeben kann und an diesen Seelenqualen immer mehr erkrankt. Ich konnte aber auch bis zu ihrem Tod kein Mitleid für sie empfinden, dafür ist sie mir viel zu umsympathisch...

Zitat von: kat
Das eigenartige war: Sobald liebestechnisch alles klar war (ach, war das schön!), hatte ich ein ungutes Gefühl. Rocheseter führt doch etwas im Schilde, aus irgend einem Grund, nehm´ ich ihm jetzt nichts mehr ab. Es gibt auch Hinweise: "Kein Mensch wird sich Ihnen in den Weg stellen, Sir. Ich habe keine Verwandten, die sich einmischen können." "Ja- das ist das Allerbeste dabei", sagte er. Und wenn ich ihn weniger geliebt hätte, wären mir sein triumphierender Ton und Blick reichlich befremdlich vorgekommen." Ich fürchte mich vor dem, was da jetzt passieren könnte! Auch wie er ihr Schmuck und Kleider schenken will und sie auf einmal nicht mehr so akzeptiert, wie sie ist, stört mich. Ich hab das Gefühl, dass er irgendwem was beweisen will. Oder geht es ihm vielleicht um Buse für seine schlechten Taten (was das wohl war?) in der Vergangenheit?
Ich habe auch ein ganz schlechtes Gefühl, aber eigentlich hoffe ich auch für Jane, dass sie noch irgendwie aus der Sache herauskommt. Irgendwie ist mir dieser Mr. Rochester zu suspekt und ich kann nicht so ganz an die wahre Liebe bei ihm glauben.
Ich habe versucht eure Beiträge nicht zu lesen, aber wenn ich beim Suchen, was ich lesen darf, richtig gesehen habe, dann kann ich mir wohl berechtigte Hoffnungen für Jane machen  :zwinker: Auch wenn es langsam knapp wird, ich befinde mich nun schon in der Nacht vor der Hochzeit!

Sehr seltsam fand ich ja die Person, die bei Jane im Zimmer war und ihren Schleier zerstört hat. Noch seltsamer fand ich Mr. Rochesters Überzeugung, dass es sich um Grace Poole handeln müsse. Ich bin davon überzeugt, dass Janes Verstand sehr gut funktioniert hat und es sich nicht um Grace handelt, sondern um eine ganz andere Person, die wir noch gar nicht kennen. Auch habe ich ja schon Zweifel geäußert, dass es sich bei der Attacke auf Mr. Mason überhaupt um Grace gehandelt hat. Wahrscheinlich musste Grace ihrem Kopf hinhalten, damit nicht bekannt wird, dass es noch eine weitere Person auf Thornfield gibt. Ach ist das alles kompliziert, aber sehr interessant!!!
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Tami

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Antw:Charlotte Brontë - Jane Eyre
« Antwort #126 am: 27. November 2009, 15:26:12 »

Sind nun eigentlich alle fertig geworden?
Ich glaub, ich hab den Überblick verloren  :redface:

Irgendwie hab ich mit dem Buch innerlich immer noch nicht abgeschlossen. Das find ich seltsam - passiert mir eigentlich nicht sowas *grübel*
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Anne

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Antw:Charlotte Brontë - Jane Eyre
« Antwort #127 am: 27. November 2009, 16:07:07 »

Ich habe bei der Hälfte des Buches jetzt erst mal aufgegeben. Ich will definitiv noch weiterlesen, aber momentan kann ich mich nicht so richtig auf das Buch konzentrieren und schiebe immer andere Sachen dazwischen...  :rollen:
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Antw:Charlotte Brontë - Jane Eyre
« Antwort #128 am: 29. November 2009, 11:26:55 »

Mir geht es wie dir, ich hatte Referate und muss jetzt erst noch Amos Oz nachlesen für die Uni, bevor ich weiter lesen kann. :sauer:
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Antw:Charlotte Brontë - Jane Eyre
« Antwort #129 am: 29. November 2009, 15:16:23 »

Hey  :winken:
ich habe das Buch heute beendet!!!

Mr. Mason
Ich habe mich gefragt, warum Mr. Mason zur Janes "Rettung" so schnell wie möglich nach Thornfield fährt, sie aber dann alleine dort zurück lässt... Ich hatte erwartet, dass er sie zu ihrem Onkel bringt und nicht einfach alleine abhaut.

Zufälle der kleinen Welt
Ein wenig musste ich doch die Augen verdrehen bei den vielen Zufällen, die es in diesem Buch gibt. Mr. Mason erfährt von der Hochzeit und kann sie verhindern. Jane landet bei ihren Verwandten ohne es zu wissen.

Rochester
Ich habe mich sehr gewundert, warum Jane Rochester besuchen möchte. Sie hat noch Gefühle für ihn, aber seine Geliebte wollte sie doch nicht sein. Oder möchte sie nun da sie unabhängig ist doch seine Geliebte werden?
Praktischer Weise ist Mr. Rochester mittlerweiler Witwer und kann nun endlich Jane heiraten.
Verwundert hat mich doch die Ehrlichkeit von Rochesters Gefühlen. Ich bin ja immer davon ausgegangen, dass seine Gefühle nicht echt sind.

Ich freue mich für Jane, dass sie zum Schluss ein glückliches Leben hat, aber irgendwie habe ich doch ein anderes Ende erwartet. Also, schon dass sie glücklich wird, aber ich bin davon ausgegangen, dass sie einen tollen Mann kennenlernt, den sie dann heiraten und nicht dass sie zu Rochester zurückkehrt.

Ich habe zwar lange gebraucht um das Buch zu beenden, aber das lag definitiv nicht am Buch! Es ist mit einem gewissen Charme geschrieben, der mich eingefangen hat.
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Ninette

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Antw:Charlotte Brontë - Jane Eyre
« Antwort #130 am: 12. Dezember 2009, 14:12:47 »

Ich bin FERTIG :klatschen:

Was foenig über Mr. Mason und die Zufälle schreibt, kann ich nur unterschreiben. Es war schon alles immer sehr mysteriös zufällig.

St. John hat mich tierisch genervt irgendwann. Ich empfand ihn am Anfang als sehr netten Menschen, wenn auch ein wenig gefühlskalt. Aber gegen Ende dachte ich mir auch nur, was für ein selbstsüchtiger Kerl er doch ist.
Interessant fand ich auch die Reaktion von Diana bezüglich ihres Bruders. Sie scheint bei aller Liebe doch erhebliche Vorbehalte ihm gegenüber zu haben.

Ich freue mich riesig, dass am Ende alles gut wird. Ich hatte zwar erwartet, dass Jane ihr Glück findet, aber nicht auf diese Weise. Auch mich hat die Ehrlichkeit von Rochesters Gefühlen überrascht. Ich hatte sie für einen Anflug von Leidenschaft gehalten.
Ehrlichgesagt gefällt er mir aber als leicht ledierter Mann besser, er ist sanfter geworden irgendwie.

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