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Autor Thema: Halldór Laxness - Das Fischkonzert  (Gelesen 5323 mal)

Bettina

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #45 am: 15. November 2009, 12:20:04 »

Meine Eindrücke lassen sich in etwa so zusammenfassen:  :gruebel:  :pling: :pling: :entsetzt:  :grmpf: :heul: :knuddel:

Ich bin noch nicht ganz fertig, es fehlt nicht mehr viel. Mein Status derzeit ist noch :gruebel:  :pling: :pling: :entsetzt:  :grmpf: :heul:

Ich dachte und hoffte schon die ganze Zeit, dass noch eine große Erklärung lauert. Bei mir immer dasselbe: Erst die Horde füttern, dann die Eindrücke sammeln.

Sehr eindrucksvoll fand ich das Gespräch zwischen Gardar und Alfgrimur. Alfgrimur ist offensichtlich kein Star im Sinne der großen Kunst, sondern eine Varieté-Nummer zur Belustigung. Das ist nicht der Ruhm, den sich Gardar selbst erhofft hat und auch nicht der Ruhm, mit dem er daheim punkten könnte. Er weiß zwar wie man damit seinen Unterhalt mehr schlecht als recht hinbekommt (indem man selbst komische Engagements annimmt), aber die Wahrheit darf in Island keiner wissen.

Ist Alfgrimur der Händlertochter nun nahe gekommen oder nicht? Da sie von Verlobung spricht, wird es wohl so sein, obwohl alle anderen Andeutungen für meine Begriffe sehr vage sind.
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Saltanah

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #46 am: 16. November 2009, 09:29:20 »

Meine Eindrücke lassen sich in etwa so zusammenfassen:  :gruebel:  :pling: :pling: :entsetzt:  :grmpf: :heul: :knuddel:

Ich bin noch nicht ganz fertig, es fehlt nicht mehr viel. Mein Status derzeit ist noch :gruebel:  :pling: :pling: :entsetzt:  :grmpf: :heul:

Ich stecke noch bei :gruebel:  :pling: :pling: , habe nämlich gerade das 35. Kap. (Das Festessen im Gudmunsen-Laden) beendet und musste mal wieder feststellen, dass man dem Buch nicht vorwerfen kann, vorhersehbar zu sein.
Immerhin ist mir jetzt klargeworden, wie Gardar Holm zu seinem Weltruhm gelang. Nicht er, sondern Gudmunsen ist der Betrüger. Gudmunsen hat dem sehr stimmgewaltigen (wenn auch in einer anderen Richtung) Gardar seine "Karriere" in der eigenen Zeitung (Foldin gehört doch Gudmunsen?) zusammengeschrieben, vermutlich um sein eigenes Ansehen als Sponsor dieses Weltstars in der isländischen High Society zu verbessern. Zumindest deute ich die Infos dieses Kapitels so.

Nicht erklären kann ich mir allerdings, woher Gardar plötzlich so viel Geld hat, wie im 34. Kap. beschrieben. Habe ich da was überlesen oder kommt die Erklärung noch?
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kaluma

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #47 am: 16. November 2009, 13:24:16 »

Ist Alfgrimur der Händlertochter nun nahe gekommen oder nicht?
Ja ist er, so habe ich das verstanden. Eine Art One-Night-Stand. An solchen Stellen spricht das Buch ja nie Klartext, sondern deutet nur an.

Nicht erklären kann ich mir allerdings, woher Gardar plötzlich so viel Geld hat, wie im 34. Kap. beschrieben. Habe ich da was überlesen oder kommt die Erklärung noch?
Ich weiß es auch nicht, entweder wird keine Erklärung gegeben oder ich habe es auch überlesen. Das war mir dann irgendwie nicht mehr so wichtig, da sich meinem Eindruck nach der Fokus von Geld auf Ansehen verschoben hat.

Lustig wie ihr euren Status an meiner Smily-Reihe abmessen könnt, und das kommt sogar hin.  :smile:

Ich habe noch ein paar Dinge, die mich verwirren, namensmäßig:

- Im Kap. 35 wurde mir erstmal so richtig klar, daß der alte Kaufmann und Ladengründer Jon Gudmundsson heißt, sein Sohn Gvendur Gudmunsen und der Laden auch Gudmunsenladen, an einigen Stellen auch Gudmundsenladen. Wie ist das denn zu verstehen?  :confused: Ich dachte eigentlich, die Isländer heißen immer nach ihrem Vater, also müßte der Sohn doch "Jonsson" heißen. Oder haben sie nach dänischem Vorbild einen Familiennamen für die gesamte Familie gewählt? Und deswegen auch eine andere Schreibweise?

- Gardar Holm heißt eigentlich Georg Hansson, so wird mir auch die Namensform Gorgur klar, über die ich mich gewundert hatte. Ersteres ist dann wohl eine Art Künstlername?

- Der Name der Großmutter wird im ganzen Buch nicht ein einziges Mal erwähnt, oder habe ich auch das überlesen?

Ich merke immer wieder an Kleinigkeiten, die ich nicht verstehe, daß mir einiges an Hintergrundwissen über Island/Dänemark fehlt. Im Lesefluß mag man dann auch nicht immer gleich nachschlagen.

Mit den weiteren Kommentaren warte ich mal, bis ihr alle fertig seid, damit ich nicht zuviel vorwegnehme.
« Letzte Änderung: 16. November 2009, 13:27:54 von kaluma »
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Saltanah

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #48 am: 16. November 2009, 15:47:17 »

Oder haben sie nach dänischem Vorbild einen Familiennamen für die gesamte Familie gewählt? Und deswegen auch eine andere Schreibweise?

So habe ich das auch verstanden. Gudmunsen als dänisierte Form von Gudmundsson wird von jungen Gudmunsen als Familienname gewählt.

- Gardar Holm heißt eigentlich Georg Hansson, so wird mir auch die Namensform Gorgur klar, über die ich mich gewundert hatte. Ersteres ist dann wohl eine Art Künstlername?

Vermutlich. Georg Hansson klingt viel zu bäuerisch für einen Künstler. Da muss ein Pseudonym her. Es wundert mich nur, das die Händlertochter Gardars eigentlichen Namen nicht kennt, und so nicht versteht, dass der im Brief aus Dänemark erwähnte Hansen (die dänische Form von Hansson) Gardar ist. Oder hat sie es verstanden, gibt es aber nicht zu? Oder habe ich nur nicht verstanden, dass sie es verstanden hat?

- Der Name der Großmutter wird im ganzen Buch nicht ein einziges Mal erwähnt, oder habe ich auch das überlesen?

Jetzt wo du es sagst... Ganz sicher bin ich mir aber nicht.

Ist Alfgrimur der Händlertochter nun nahe gekommen oder nicht?
Ja ist er, so habe ich das verstanden. Eine Art One-Night-Stand. An solchen Stellen spricht das Buch ja nie Klartext, sondern deutet nur an.

Kann es sein, dass ich so weit noch nicht bin? Ich frage mich vielmehr, was außer Handauflegen noch mit Kloi (der Name erinnert mich immer an unseren Namensthread :breitgrins: ) vorgefallen ist. Siehe letzter Abschnitt 32. Kapitel.
« Letzte Änderung: 16. November 2009, 16:55:32 von Saltanah »
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kaluma

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #49 am: 16. November 2009, 16:14:55 »

Es wundert mich nur, das die Händlertochter Gardars eigentlichen Namen nicht kennt, und so nicht versteht, dass der im Brief aus Dänemark erwähnte Hansen (die dänische Form von Hansson) nicht Gardar ist. Oder hat sie es verstanden, gibt es aber nicht zu? Oder habe ich nur nicht verstanden, dass sie es verstanden hat?
Äh, ich dachte eigentlich schon, daß er das ist und daß sie das auch verstanden hat...

Ist Alfgrimur der Händlertochter nun nahe gekommen oder nicht?
Ja ist er, so habe ich das verstanden. Eine Art One-Night-Stand. An solchen Stellen spricht das Buch ja nie Klartext, sondern deutet nur an.

Kann es sein, dass ich so weit noch nicht bin? Ich frage mich vielmehr, was außer Handauflegen noch mit Kloi (der Name erinnert mich immer an unseren Namensthread :breitgrins: ) vorgefallen ist. Siehe letzter Abschnitt 32. Kapitel.
Saltanah, wir haben hier vom jungen Fräulein Gudmunsen geredet.

Natürlich ist auch mit "Kloi" mehr vorgefallen als reines Handauflegen.   :zwinker: :breitgrins:
Das glaube ich jedenfalls zwischen den Zeilen zu lesen (Ende 32. Kapitel wird das klar, hier wird ja u.a. der Meister Santajama erwähnt), oder habe ich eine zu schmutzige Phantasie?  :breitgrins:
Schließlich war sie ja am Ende geheilt, und zwar durch Alfgrimur.

Lies mal weiter, all diese Dinge werden dir am Ende vermutlich klarer werden.
« Letzte Änderung: 16. November 2009, 16:17:38 von kaluma »
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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #50 am: 16. November 2009, 16:54:49 »

Es wundert mich nur, das die Händlertochter Gardars eigentlichen Namen nicht kennt, und so nicht versteht, dass der im Brief aus Dänemark erwähnte Hansen (die dänische Form von Hansson) nicht Gardar ist. Oder hat sie es verstanden, gibt es aber nicht zu? Oder habe ich nur nicht verstanden, dass sie es verstanden hat?
Äh, ich dachte eigentlich schon, daß er das ist und daß sie das auch verstanden hat...

 :redface: Ich sehe gerade, dass mir da eine Verneinung zuviel unterlaufen ist. Ich meine natürlich, "dass der im Brief aus Dänemark erwähnte Hansen (die dänische Form von Hansson) nicht Gardar ist."
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Bettina

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #51 am: 17. November 2009, 10:38:57 »

Seit gestern Abend bin ich auch fertig. Aber ich habe im Gegensatz zu kaluma noch keine Erleuchtung bekommen. Sortiert habe ich das Buch noch lange nicht.

Allora, mit Fräulein Gudmundsen war Alfgrimur tatsächlich unter der Bettdecke zugange. Das sagt sie später deutlicher und flennt schon wieder. Das tut sie ohnehin sehr oft, dabei ist Alfgrimur sonst eigentlich gar nicht so garstig zu ihr. Oder bin ich nicht so empfindlich, dass ich das überlesen habe?
Ach mit Kloi ist mehr passiert. Sie wird Alfgrimur gesagt haben, was er mit seinen Händen zu tun hat. Erinnert mich an den Film "Willkommen in Wellville", wo die Behandlungen vo Dr. Spitzvogel ähnlich ausuferten. "Manuelle Handhabung" nannte sich das.

Welchen Weg schlägt Gardar Alfgrimur nun ein? Da er nach Dänemark geht, wird es wohl nichts mit Quabbenfischer, vielleicht wird er Pastor, aber explizit wird nichts gesagt. Klar ist nur, dass er auf das Geld von Gudmundsen verzichtet.
An wen verkauft Björn nun den Hof? Am wahrscheinlichsten ist schon, dass es Gudmundsen ist, denn der ist der einzige, von dem uns Interesse am Hof bekannt ist.

Was ich nicht verstehe, sind kalumas Anspielungen darauf, dass "z.B. der Mann ohne Gesicht, der anfangs beerdigt wurde, die Frau aus dem Landbrot, Ebeneser Draummann und seine Frau" am Ende einen Sinn ergeben. Mir hat er sich noch nicht erschlossen. Für mich sind sie bisher alle Sonderlinge geblieben. Vielleicht muss man noch eine Nacht drüber schlafen.

P.S. Tippfehler/Namensverwechslung korrigiert.
« Letzte Änderung: 17. November 2009, 11:23:24 von Bettina »
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kaluma

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #52 am: 17. November 2009, 11:15:10 »

Die Erleuchtung, die ich bekommen habe, bezieht sich darauf, daß die Ereignisse um Gardar Holm nachträglich eigentlich alle recht klar sind.

Welchen Weg schlägt Gardar nun ein?
Du meinst Alfgrimur. Das wird nicht gesagt, vermutlich weiß er selber es auch noch nicht. Aber es ist auch nicht so wichtig, denn das hier: 
Klar ist nur, dass er auf das Geld von Gudmundsen verzichtet.
ist der Knackpunkt!
Weiter vorne im Buch wird ja angedeutet, daß er literarisch gebildet ist. Ich bin überzeugt, daß er seinen Lebensweg finden wird, denn Björn und die Großmutter haben ihm die nötige charakterliche Festigkeit mitgegeben, und außerdem die Finanzen.

Der letzte Smily in meiner Reihe (:knuddel:) bezog sich genau darauf, also auf Björn und die Großmutter. Und fast noch mehr auf den Aufseher, der wohl die sympathischste und integerste Person im Buch ist.


Was ich nicht verstehe, sind kalumas Anspielungen darauf, dass "z.B. der Mann ohne Gesicht, der anfangs beerdigt wurde, die Frau aus dem Landbrot, Ebeneser Draummann und seine Frau" am Ende einen Sinn ergeben.
Soll ich das genauer erklären?
Wer mit dem Buch noch nicht zuende ist, sollte das aber vielleicht lieber nicht lesen...
Also:

Das alles habe ich im Nachhinein als prophetisch empfunden.

- Am Anfang des Buches wird ein Ertrunkener ohne Gesicht beerdigt. Am Ende des Buches auch, nämlich Gardar Holm, der sein Gesicht verloren hat. Der Ablauf des Aufbahrens in beiden Fällen wird fast wörtlich identisch beschrieben.

- Die Frau aus dem Landbrot will nicht zuhause sterben. Sie fragt Björn: "Darf ich bei dir sterben?" Am Ende, als Tote, möchte sie aber doch nach Hause zurückkehren.
Gardar Holm möchte nicht im Haus seiner Mutter sterben. Er fragt den Aufseher: "Darf ich bei dir sterben?" Aber eigentlich möchte er nach Hause, zu seinen Wurzeln zurückkehren.

- Ebeneser Draummann ist eine Parallele zu Kaufmann Gudmunsen. Er trägt seine Frau als Aushängeschild bei sich, er benutzt sie, um sich ein Image aufzubauen, das eines durchgeistigten, spirituellen Heilers und Philosophen. Dabei gewinnt er Ansehen und Reichtum, aber er ignoriert die wahren Bedürfnisse seiner Frau - er benutzt und mißbraucht sie.  Genauso, auf die gleiche Weise benutzt und mißbraucht wurde Gardar Holm durch Gudmunsen, der sich ja auch auf Gardars Kosten bereichert hat.
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Bettina

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #53 am: 17. November 2009, 11:28:30 »

Was ich nicht verstehe, sind kalumas Anspielungen darauf, dass "z.B. der Mann ohne Gesicht, der anfangs beerdigt wurde, die Frau aus dem Landbrot, Ebeneser Draummann und seine Frau" am Ende einen Sinn ergeben.
Soll ich das genauer erklären?
Wer mit dem Buch noch nicht zuende ist, sollte das aber vielleicht lieber nicht lesen...
Also:

Das alles habe ich im Nachhinein als prophetisch empfunden.

- Am Anfang des Buches wird ein Ertrunkener ohne Gesicht beerdigt. Am Ende des Buches auch, nämlich Gardar Holm, der sein Gesicht verloren hat. Der Ablauf des Aufbahrens in beiden Fällen wird fast wörtlich identisch beschrieben.

- Die Frau aus dem Landbrot will nicht zuhause sterben. Sie fragt Björn: "Darf ich bei dir sterben?" Am Ende, als Tote, möchte sie aber doch nach Hause zurückkehren.
Gardar Holm möchte nicht im Haus seiner Mutter sterben. Er fragt den Aufseher: "Darf ich bei dir sterben?" Aber eigentlich möchte er nach Hause, zu seinen Wurzeln zurückkehren.

- Ebeneser Draummann ist eine Parallele zu Kaufmann Gudmunsen. Er trägt seine Frau als Aushängeschild bei sich, er benutzt sie, um sich ein Image aufzubauen, das eines durchgeistigten, spirituellen Heilers und Philosophen. Dabei gewinnt er Ansehen und Reichtum, aber er ignoriert die wahren Bedürfnisse seiner Frau - er benutzt und mißbraucht sie.  Genauso, auf die gleiche Weise benutzt und mißbraucht wurde Gardar Holm durch Gudmunsen, der sich ja auch auf Gardars Kosten bereichert hat.

Danke für das Aufdröseln :winken: Jetzt verstehe ich Dich.

Das mit dem Mann ohne Gesicht ist mir gleich gar nicht aufgefallen. Da muss ich nachschlagen, bevor das Buch in die Bib zurück muss. Auch das mit dem Mann ohne Gesicht. Ich fand es zutiefst traurig, dass Gardar sein Leben als so verfahren erlebt hat, dass er sich selbst das Leben genommen hat. Ist der Begriff "ohne Gesicht" ein Synonym für den Freitod? Hat auch der Mann am Beginn des Buchs denselben Weg eingeschlagen? Nach diesem Zusammenhang jedenfalls erscheint mir das so.
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kaluma

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #54 am: 17. November 2009, 12:20:38 »

Ist der Begriff "ohne Gesicht" ein Synonym für den Freitod? Hat auch der Mann am Beginn des Buchs denselben Weg eingeschlagen?
Sein Gesicht verlieren = sich lächerlich machen, gesellschaftliches Ansehen verlieren

Kennt man diese Redensart bei euch in der Schweiz nicht?

Gardar Holm hat sein Gesicht im Sinne von Ansehen verloren. Der Freitod ist seine persönliche Konsequenz daraus.
Der Ertrunkene am Anfang des Buches hat sein Gesicht im wörtlichen Sinne verloren (angeknabbert von Fischen oder was auch immer *schauder*)
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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #55 am: 17. November 2009, 17:35:30 »

Hoi kaluma, den Ausdruck kennt man hier schon und ich bin eh' Deutsche :zwinker:
Aber ich hatte mir überlegt, ob "ohne Gesicht" früher mal ein umschreibender Ausdruck für den Freitod war. Dass das Gesicht des ersten Toten physisch zerstört war, hatte ich nicht mehr in Erinnerung.
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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #56 am: 17. November 2009, 20:32:31 »

Ich habe ein bisschen im Internet recherchiert und mich auch mit einer belesenen Verwandten in Verbindung gesetzt: Der Begriff "ohne Gesicht" wurde wohl auch früher nicht im Zusammenhang mit Selbstmord benutzt. Also: Falsche Fährte.
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Saltanah

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #57 am: 17. November 2009, 21:09:00 »

So, jetzt bin ich auch am Ende angelangt. Am liebsten würde ich das Buch gleich noch einmal lesen. Ich denke, dann würde mir noch vieles klarer.

Die Frau aus dem Landbrot will nicht zuhause sterben. Sie fragt Björn: "Darf ich bei dir sterben?" Am Ende, als Tote, möchte sie aber doch nach Hause zurückkehren.
Gardar Holm möchte nicht im Haus seiner Mutter sterben. Er fragt den Aufseher: "Darf ich bei dir sterben?" Aber eigentlich möchte er nach Hause, zu seinen Wurzeln zurückkehren.
Wow, was dir alles auffällt! Auf diese Parallele war ich nicht gekommen.

Ich frage mich mittlerweile, wieviel Kristin weiß. Als sie nämlich Alfgrimur beim Abschied bittet, der Frau Hansen in Jütland Socken für ihre Kinder mitzunehmen, kamen mir auf einmal Zweifel an ihrer Unwissenheit. Vermutlich hat ihr die Händlertochter von der Existenz von Gardars dänischer Familie erzählt, aber weiß Kristin nicht noch mehr? Ahnt sie zumindest, dass es mit Gardars Ruhm nicht weit her ist? Immerhin hat sie ihn (die Maus) bei seiner zweiten Rückkehr in ihrer Scheune versorgt und es müsste ihr ebenso wie Alfgrimur aufgefallen sein, dass er ziemlich abgerissen aussah.
Will sie vielleicht das Konzert nicht besuchen, um Gardar die Heuchelei zu ersparen? Und spielt sie dann im Dom ebensosehr wie Gardar selbst Theater?
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kaluma

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #58 am: 18. November 2009, 01:00:10 »

Hoi kaluma, den Ausdruck kennt man hier schon und ich bin eh' Deutsche :zwinker:
Oh sorry! :redface: Ich werde es mir merken.

Aber ich hatte mir überlegt, ob "ohne Gesicht" früher mal ein umschreibender Ausdruck für den Freitod war.
Ah so, jetzt verstehe ich.

Saltanah,
ich würde auch am liebsten das Buch gleich noch einmal lesen! (Das ging mir damals mit "Am Gletscher " genauso.) Da gibt es noch so viele Details, über die man endlos sinnieren kann und die Zusammenhänge würde man beim zweitenmal ganz sicher besser verstehen.
Leider warten noch viele andere Bücher.
Ich frage mich mittlerweile, wieviel Kristin weiß. Als sie nämlich Alfgrimur beim Abschied bittet, der Frau Hansen in Jütland Socken für ihre Kinder mitzunehmen, kamen mir auf einmal Zweifel an ihrer Unwissenheit. Vermutlich hat ihr die Händlertochter von der Existenz von Gardars dänischer Familie erzählt, aber weiß Kristin nicht noch mehr? Ahnt sie zumindest, dass es mit Gardars Ruhm nicht weit her ist? ...
Will sie vielleicht das Konzert nicht besuchen, um Gardar die Heuchelei zu ersparen? Und spielt sie dann im Dom ebensosehr wie Gardar selbst Theater?
Jetzt wo du es sagst, die Fragestellungen sind berechtigt.
Ich glaube auch, daß Kristin mehr weiß und durchschaut als Gardar denkt. Ich denke nicht, daß die Gudmunsentochter ihr das von der Familie erzählt hat, ich denke eher sie ist selber klug genug. Und auch klug genug, bei dem Konzert im Dom Gardar im Glauben zu lassen, er würde sie im Glauben an seine Karriere lassen...  :zwinker:

Ich frage mich noch eines:
Warum kündigt Gudmunsen immer wieder Konzerte an, obwohl er weiß, daß Gardar nicht singen kann? Ist es eingeplant, diese Konzerte stets im letzten Moment wieder platzen zu lassen? Aber  bei dem Fest haben sie ihn regelrecht gedrängt, zu singen und sich bloßzustellen - warum? Oder war es Gardars Entscheidung, hier einen Schlußstrich zu ziehen?
Im Nachwort steht, Gudmunsen läßt Gardar Holm fallen, weil seine Tochter sich in ihn verliebt hat. Aber den Zusammenhang kann ich im Buch nicht so recht finden... wie seht ihr das?

Noch eine technische Frage: wenn ich diesen Thread öffne, ohne eingeloggt zu sein, sehe ich die Spoiler nicht. In anderen Threads sehe ich allerdings sehr wohl Spoiler.
Und in den Archivthreads zur Leserunde "Am Gletscher" scheinen die Spoiler völlig verschwunden zu sein... wie kommt das?
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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #59 am: 18. November 2009, 09:33:05 »

@Spoilerproblem:
Stimmt, nicht eingeloggt kann man keine Spoiler lesen. Das wusste ich bisher nicht, das ich immer eingeloggt bin. Musste erst nach dem Ausloggknopf suchen.
Die verschwundenen Spoiler in manchen älteren Leserunden sind mir auch schon aufgefallen. Wo die hin sind - und wieso es nicht alle Leserunden betrifft - ist mir ein Rätsel.

@Titel:
Nach einigem Nachdenken bin auch ich zu dem Ergebnis gekommen, dass "Annalen von Brekkukot" eigentlich der angemessenere Titel ist. Er ist zwar langweiliger, sorgt aber dafür, dass man nicht wie Kaluma die ganze Zeit auf ein Konzert wartet.
Andererseits ist das Konzert natürlich ein zentraler Punkt im ganzen Buch und von daher passt der Titel dann doch wieder gut.

Warum kündigt Gudmunsen immer wieder Konzerte an, obwohl er weiß, daß Gardar nicht singen kann? Ist es eingeplant, diese Konzerte stets im letzten Moment wieder platzen zu lassen?
Ich denke ja. Gudmunsens Ansehen und Wichtigkeit steigen (zumindest seiner Meinung nach) noch weiter, wenn er es schafft, ganz Reykjavik auf etwas warten zu lassen. Die Konzerte dürfen dann natürlich nicht stattfinden, und zumindest das erste wurde ja mit einer weiter das Ansehen erhöhenden Erklärung eingestellt (Gardar wurde anderweitig engagiert).

Aber  bei dem Fest haben sie ihn regelrecht gedrängt, zu singen und sich bloßzustellen - warum? Oder war es Gardars Entscheidung, hier einen Schlußstrich zu ziehen?
Ich habe die Stelle gerade noch mal nachgelesen. Drängen tut ihn eigentlich niemand. Mir scheint es vielmehr so, dass Gardar von sich aus der Maskerade ein Ende macht.
Andererseits folgt auf seine Gesangseinlage dann die Rede von Gudmunsen, in der er deutlich erzählt, wie und wieso er Gardar zu einem "Künstler" gemacht hat. Ob er diese Rede von Anfang an geplant hatte? Oder war sie nur eine Reaktion auf den entlarvenden Gesang? Ich weiß es nicht.

Im Nachwort steht, Gudmunsen läßt Gardar Holm fallen, weil seine Tochter sich in ihn verliebt hat. Aber den Zusammenhang kann ich im Buch nicht so recht finden... wie seht ihr das?
Im ersten Moment fand ich diese Behauptung auch aus der Luft gegriffen. Aber dann fielen mir ein paar Nebensätze ein, die durchaus in diese Richtung weisen könnten. Nur finde ich natürlich die Stellen nicht mehr. Eine Wieholek wäre auch für diese Frage dringend erforderlich.
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