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Autor Thema: Halldór Laxness - Das Fischkonzert  (Gelesen 5234 mal)

Saltanah

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #30 am: 06. November 2009, 17:59:28 »

Mich hat eher gewundert, wieso er sich taub stellt und nicht einfach sagt: ich verkaufe nicht und basta.

Das ist für mich der äußerste Beweis seiner Unwilligkeit zu jeder Veränderung. Ein Verkauf ist so undenkbar für ihn, dass er ein Angebot nicht einmal hört. Das exisitert für ihn einfach nicht. Und was nicht existiert, kann man nun mal nicht wahrnehmen.

Dafür finde ich das Getue rund um Gardar Holm immer merkwürdiger. Einerseits ist er offensichtlich ein Star im  Ausland, aber stolz auf sein Tun scheinen die Verwandten auch nicht wirklich zu sein. Die haben zwar ein Bild an der Wand, aber geben Null-und-gar-nicht Auskunft über den Verwandten bzw. Bekannten. Sie haben ein "fast unlösbares soziales Problem" damit (findet Alfgrimur), dass Gardar sich so arg von ihnen unterscheidet. Da frage ich mich, warum Gardar nicht auf dem Hof seiner Mutter übernachtet. Will SIE nicht, dass er übernachtet oder will ER nicht auf dem Hof sein?

Ich glaube, niemand will das - am ehesten vielleicht noch Gardar selbst. Er scheint sich mir bei seinem Besuch in Brekkukot seiner Kindheitserinnerungen vergewissern zu wollen. ("Ach, das [was war es noch gleich?] existiert ja wirklich.") Aber gerade dies zeigt auch den gewaltigen Abstand der zwischen seinem früheren und jetzigen Leben entstanden ist. Seine Kindheit scheint ihm selbst nicht mehr ganz real, mehr wie ein Traum.
Für seine Mutter, die nie über ihn redet, zählt er wohl nicht mehr zur Familie, gerade weil er in so ganz anderen Verhältnissen lebt.
Und die "High Society", die Gardar seine Karriere finanziell ermöglicht hat, sieht ihn natürlich als einen der ihren und versucht, ihn zu vereinnahmen. Dass ein so großer Mann in einer Kate - mag es auch noch so sehr sein Elternhaus sein - übernachtet, ist für sie ebenfalls undenkbar.
Dabei fällt mir auf: Für die "Oberen Zehntausend" Islands ist Gardar der Prachtisländer schlechthin, der ihr Land in der restlichen Welt bekannt macht und der Welt zeigt, dass auch Island ein ernstzunehmendes Land ist.
Für die einfachen Leute hingegen ist er zu einem "Dänen", einem Fremden, geworden. Eigentlich ziemlich tragisch.

@Jääkaappi:
Dann ist das Rätsel ja gelöst. :zwinker:
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Bettina

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #31 am: 06. November 2009, 21:09:03 »

Saltanah, ich glaube, Du hast mit der Einschätzung Recht: Gardar gehört nicht mehr dahin, wo er herkommt. Am tragischsten finde ich, dass nicht einmal die Familie den Sohn als solchen behalten mag und er selbst da auch nicht weiter Sohn bleibt. Man muss also so bleiben wie immer, damit man anerkannt und geschätzt wird. Aber mit der Haltung entwurzelt man die Leute erst Recht statt sie (im übertragenen Sinne) auf dem Boden zu halten.
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kaluma

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #32 am: 07. November 2009, 15:23:09 »

@jääkaappirunous:
Das ist doch nicht schlimm, kann ja mal vorkommen... auch dir gute Besserung!! :winken:

Mich hat eher gewundert, wieso er sich taub stellt und nicht einfach sagt: ich verkaufe nicht und basta.

Das ist für mich der äußerste Beweis seiner Unwilligkeit zu jeder Veränderung. Ein Verkauf ist so undenkbar für ihn, dass er ein Angebot nicht einmal hört. Das exisitert für ihn einfach nicht. Und was nicht existiert, kann man nun mal nicht wahrnehmen.
Nein, ganz so sehe ich das nicht.
Er hat es ja durchaus gehört und wahrgenommen und tut nur so, als hätte er das nicht gehört. Und das macht man ja dann, wenn jemand etwas sagt, was absolut daneben, beschämend, peinlich ist... Deshalb steckt für mich darin vor allem eine versteckte, aber deutliche Kritik Björns am Verhalten Gudmundsens: Björn will ihm damit sagen, daß er ihm damit ein "unmoralisches Angebot" gemacht hat...
Natürlich ist das auch ein Beweis der absoluten Unwilligkeit Björns zu Veränderungen. Darin stimme ich mit dir überein.

Bezüglich Gardar Holm stimme ich euch auch zu. Das ist wirklich tragisch. Seine eigene Mutter spricht ihn auf Dänisch an...  :entsetzt:
Die ganze Zeit beim Lesen hatte ich das Gefühl, Gardar Holm ist nicht wirklich anwesend in Island, möchte aber gern dazugehören, sucht nach seinen Kindheitserinnerungen (als er mit den Kindern Kuchen essen geht, sagt er z.B.: "Wir gehören alle zusammen." Aber seine Familie und die Leute aus dem Ort geben ihm gar keine Chance.
Vielleicht ist er auch deswegen vor dem geplanten Konzert so sang- und klanglos verschwunden.

Beim Weiterlesen fallen mir immer wieder, neben ironischen Spitzen, gewisse Seltsamkeiten auf:

- Eines der Goldstücke, die Gardar Holm vom Aufseher bekommen hat (und mit denen er ziemlich sorglos umgeht) kehrt zum Aufseher zurück.

- Kap. 18: Als die Frau stirbt, die speziell dafür nach Brekkukot gekommen war. Sie versucht noch, ihren Kindern einen Brief zu schreiben, aber daraus wird nichts, weil sie es nicht schafft, ihn perfekt genug gemäß ihren eigenen Ansprüchen zu formulieren... auch hier sind die Worte/die Sprache ein Thema (siehe unten). Ihr Tod wird sehr beiläufig erwähnt, neben einen Satz in dem es ums Wetter geht... Dann wird gleich wieder umso genauer auf die technischen Aspekte ihrer Heimreise eingegangen.

- Immer wieder ist die Rede von einer Katze und ihren neun Leben.

- In den Kap. 19/20/21 zeichnet sich Alfgrimurs Zukunft ab: er soll die Erwartungen seiner Großeltern erfüllen, die ihn gegen seinen Willen zur Schule schicken, aber ob ihm dadurch nicht ein ähnliches Schicksal blüht wie das Gardar Holms?  :sauer:

- Im Kap. 22 ist mir wieder das Thema Sprache/Sprachlosigkeit aufgefallen: "In Brekkukot waren die Worte zu wertvoll, um sie zu benutzen; unsere Sprache war wie wertbeständiges Geld..." und wenig später: "Wenn man der Überzeugung ist, daß Worte gesagt werden, um Gedanken zu verbergen; daß Worte etwas ganz anderes bedeuten, bisweilen sogar das genaue Gegenteil von dem, was sie vorgeben..."
Dann dürfen wir jetzt überlegen, wie die Worte Björns von Brekkukot zu deuten sind, und auch die Worte der anderen Beteiligten...  :breitgrins:




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Bettina

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #33 am: 07. November 2009, 22:22:52 »

So richtig werde ich mit dem Buch nicht warm. Es liest sich zwar gut und ist skurril und auf sympathische Art merkwürdig, aber ich stecke in der Hälfte (Kapitel 22) und mir fehlt der Durchblick. Wo hängen all diese Dinge zusammen? Zwar geben alle möglichen Teile potenziell Hinweise, Ideen oder könnten eine bestimmte Bedeutung haben, aber ich finde das "grosse Ganze" nicht.

Aktuell denke ich, könnte Alfgrimur einen Scheideweg erleben. Entweder er bleibt er selbst - wie auch immer das aussieht - oder er wird wie Gardar und verliert den Boden unter den Füssen. Dafür allerdings, für diese allererste Idee, wohin das Buch uns führen könnte, brauchte das Buch die Hälfte aller Kapitel. :grmpf:

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Saltanah

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #34 am: 08. November 2009, 02:27:52 »

 :heul: :heul: :heul: Heute musste ich schockiert feststellen, dass ich ein echtes Mängelexemplar erwischt habe. 30 Seiten lang fehlt in meinem Exemplar jede zweite Doppelseite. Das ist leider zuviel fehlender Text als dass das Weiterlesen noch sinnvoll wäre. Ich werde gucken, ob es das Buch in der Bib in einer lesbaren Übersetzung gibt, habe aber frühestens am Montag Zeit, es mir gegebenenfalls auszuleihen.

EDIT: Natürlich hat die Bib es. Ich kann zwischen der schwedischen und der englischen Übersetzung wählen. Montag abend werde ich also weiterlesen können.
« Letzte Änderung: 08. November 2009, 02:30:55 von Saltanah »
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Bettina

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #35 am: 08. November 2009, 06:45:47 »

Eine nette Ausgabe :rollen:
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kaluma

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #36 am: 09. November 2009, 12:24:41 »

So richtig werde ich mit dem Buch nicht warm. Es liest sich zwar gut und ist skurril und auf sympathische Art merkwürdig, aber ich stecke in der Hälfte (Kapitel 22) und mir fehlt der Durchblick. Wo hängen all diese Dinge zusammen? Zwar geben alle möglichen Teile potenziell Hinweise, Ideen oder könnten eine bestimmte Bedeutung haben, aber ich finde das "grosse Ganze" nicht.
So ähnlich geht es mir auch. Ich kann die Dinge nicht ordnen... aber vielleicht erwarte ich auch zuviel?
So lese ich eben erstmal einfach weiter und schaue, wohin das Buch mich führt und ob sich das große Ganze erst am Ende ergibt.

In Kapitel 26 wartet eine Überraschung auf uns. Damit hätte ich ja nun nicht gerechnet!
Wieso verbirgt Gardar Holm sich dort in der Scheune - etwa schon länger, wie seine "harten und aufgeschürften Hände" aus Kap. 23 vermuten lassen? Und gehört ihm das Foto mit der Frau und den Kindern?
Das wird aber gar nicht weiter verfolgt - Alfgrimur nimmt das auch so hin und stellt gar keine Fragen (nunja man benutzt eben keine Worte), statt dessen tauchen wieder neue Leute in Brekkukot auf: Ebeneser Draummann (was für ein Name! :breitgrins:) mit seiner Frau, die auch sehr seltsam ist... Brekkukot scheint eine magnetische Anziehungskraft auf allerlei Sonderlinge und Außenseiter auszuüben.

Ich bin jetzt bei Kap. 29 und werde heute dann wohl erfahren, wodurch sich "eine gute Ehe" auszeichnet ("eine gute Beerdigung" hatten wir ja schon weiter vorne.  :breitgrins:)

@Saltanah
was für ein Pech, mit deinem Buch! Schön, daß du wenigstens weiterlesen kannst.
Kannst du das Buch denn umtauschen?
« Letzte Änderung: 29. November 2009, 16:24:02 von kaluma »
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Bettina

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #37 am: 09. November 2009, 21:58:20 »


In Kapitel 26 wartet eine Überraschung auf uns. Damit hätte ich ja nun nicht gerechnet! ...
Das wird aber gar nicht weiter verfolgt - Alfgrimur nimmt das auch so hin und stellt gar keine Fragen (nunja man benutzt eben keine Worte), ...

Ja, dieses Kapitel hat mich auch überrascht. Ich bin allerdings misstrauisch geworden, als Kristin eine "Maus" bewirten lassen wollte und hatte schon in die richtige Richtung getippt. Das Foto allerdings ist mir auch ein Rätsel und die Tochter vom Gudmundsen ist wohl unheilbar verknallt in den berühmten Sänger. Die ist nicht nur traurig um das Geld, das der Vater in den Künstler investiert hat.

Da stelle ich übrigens eine weitere Überraschung fest: Berühmt soll Gardar sein, aber er kann weder seine Hotelzimmer zahlen noch scheint man im Ausland dem Star die Übernachtung zu zahlen, wenn man ihn zu sich einlädt. Diese Schlussfolgerung jedenfalls ziehe ich aus der Schimpftirade der Tochter.

Ganz so fern von Daheim scheint Gardar nicht zu sein und auch Kristins Schweigen erklärt sich, wenn sie Gardar heimlich beherbergt. Aber warum kann man die gute Mutter-Sohn-Beziehung nicht öffentlich haben?

Brekkukot scheint eine magnetische Anziehungskraft auf allerlei Sonderlinge und Außenseiter auszuüben.

Das hast Du treffend herausgefunden.
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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #38 am: 09. November 2009, 22:45:56 »


Ja, dieses Kapitel hat mich auch überrascht. Ich bin allerdings misstrauisch geworden, als Kristin eine "Maus" bewirten lassen wollte und hatte schon in die richtige Richtung getippt. Das Foto allerdings ist mir auch ein Rätsel und die Tochter vom Gudmundsen ist wohl unheilbar verknallt in den berühmten Sänger. Die ist nicht nur traurig um das Geld, das der Vater in den Künstler investiert hat.

Da stelle ich übrigens eine weitere Überraschung fest: Berühmt soll Gardar sein, aber er kann weder seine Hotelzimmer zahlen noch scheint man im Ausland dem Star die Übernachtung zu zahlen, wenn man ihn zu sich einlädt. Diese Schlussfolgerung jedenfalls ziehe ich aus der Schimpftirade der Tochter.

Ganz so fern von Daheim scheint Gardar nicht zu sein und auch Kristins Schweigen erklärt sich, wenn sie Gardar heimlich beherbergt. Aber warum kann man die gute Mutter-Sohn-Beziehung nicht öffentlich haben?


Mir kam dann die ganze Zeit in den Sinn, daß er vielleicht garnicht wirklich singen kann und die Vermarktung im Ausland evtl. nur eine Inszenierung sein könnte - zumal immer wieder erwähnt wird, daß sie Gardar nie singen gehört haben und die angedachten Konzerte immer ganz plötzlich ausgefallen sind.  :gruebel:

An der Stelle empfinde ich auch die Mutter-Sohn-Beziehung nicht unbedingt als "gut".  Mir erscheint die ganze Situation einfach peinlich denn
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und dann wiederum schickt Kristin Alfgrimur, um der "Maus" Speis und Trank zu bringen. Hält sie den Jungen denn für so naiv, daß der nicht merkt, was los ist?! Oder braucht sie einen verbündeten in dieser verzwickten Situation?

Wobei all dies für mich als Leser sehr misteriös/absonderlich wirkt - auf den Jungen macht all dies keinen großartigen Eindruck. Vielleicht liegt es an der Gewöhnung an  die vielen Sonderlinge und merkwürdigen Gestalten, die auf Brekkukot aus- und eingehen.
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Bettina

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #39 am: 10. November 2009, 07:21:14 »

Mir kam dann die ganze Zeit in den Sinn, daß er vielleicht garnicht wirklich singen kann und die Vermarktung im Ausland evtl. nur eine Inszenierung sein könnte - zumal immer wieder erwähnt wird, daß sie Gardar nie singen gehört haben und die angedachten Konzerte immer ganz plötzlich ausgefallen sind.  :gruebel:

...

Wobei all dies für mich als Leser sehr misteriös/absonderlich wirkt - auf den Jungen macht all dies keinen großartigen Eindruck. Vielleicht liegt es an der Gewöhnung an  die vielen Sonderlinge und merkwürdigen Gestalten, die auf Brekkukot aus- und eingehen.

Die Idee kam mir auch schon mal und blinkte auf, aber ich habe sie gleich wieder verworfen. Vielleicht sollte ich nochmals drüber nachdenken? Hatte man irgendwann irrsinnige Hoffnungen in Gardar gesteckt, die sich nicht erfüllen lassen? Aber gab es nicht auch ausländische Zeitungen, die von Gardars Künsten berichteten? Was für Künste könnten das ggf. noch sein?

Dass Alfgrimur da immer so stoisch ist kann zweierlei sein. Zum einen die emotionslose Erzählweise, die wir bei den isländischen Sagas auch treffen. Oder Alfgrimur ist tatsächlich so ein Stoffel und Sonderling. Oder beides kommt zusammen. Die Art, sich für gar nix zu interessieren, ist dennoch sehr irritierend.
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kaluma

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #40 am: 10. November 2009, 09:41:14 »

Mir kam dann die ganze Zeit in den Sinn, daß er vielleicht garnicht wirklich singen kann und die Vermarktung im Ausland evtl. nur eine Inszenierung sein könnte - zumal immer wieder erwähnt wird, daß sie Gardar nie singen gehört haben und die angedachten Konzerte immer ganz plötzlich ausgefallen sind.  :gruebel:
Ja, die Idee, daß Gardar gar nicht wirklich singen kann, ist mir auch schon gekommen. Allerdings glaube ich eher, daß er früher durchaus singen konnte und auch im Ausland aufgetreten ist, denn am Anfang war ja durchaus die Rede von Pariser Zeitungen und ähnlichem (oder nicht? müßte man wohl nochmal genau weiter vorne im Buch nachlesen, vielleicht narrt Laxness uns hier auch gewaltig :breitgrins:). Und dann konnte er womöglich plötzlich nicht mehr singen (vielleicht, weil er "den einen reinen Ton" gehört hat, was auch immer damit gemeint sein mag) und möchte das in seiner Heimat, wo alle so viel von ihm halten, nicht zugeben und hält die Illusion aufrecht - was nur möglich ist, weil Island so weltabgeschieden ist.

Ich frage mich auch, ob er schon die ganzen fünf Jahre seit seinem letzten "Besuch" in Island heimlich in der Scheune gewohnt hat...
Die Worte von der "Maus unter der Türschwelle", von der immer wieder mal die Rede war, würden dann eine Bedeutung bekommen.

Im Original heißt das Buch ja "Annalen von Brekkukot". Ich frage mich, warum auf Deutsch der Titel "Das Fischkonzert" gewählt wurde? Dadurch wartet man als Leser die ganze Zeit darauf, wann nun endlich dieses verflixte Konzert mal stattfindet... Ich denke, wenn das Buch "Annalen von Brekkukot" hieße, würde ich den Ereignissen um Gardar Holm gar nicht so eine große Bedeutung beimessen.

Wobei all dies für mich als Leser sehr misteriös/absonderlich wirkt - auf den Jungen macht all dies keinen großartigen Eindruck. Vielleicht liegt es an der Gewöhnung an  die vielen Sonderlinge und merkwürdigen Gestalten, die auf Brekkukot aus- und eingehen.

Dass Alfgrimur da immer so stoisch ist kann zweierlei sein. Zum einen die emotionslose Erzählweise, die wir bei den isländischen Sagas auch treffen. Oder Alfgrimur ist tatsächlich so ein Stoffel und Sonderling. Oder beides kommt zusammen. Die Art, sich für gar nix zu interessieren, ist dennoch sehr irritierend.
Ich glaube auch, daß es zweierlei ist. Sonderlinge und absonderliches Verhalten sind für Alfgrimur Normalität, und Klartext gesprochen wird auf Brekkukot ja bekanntlich auch nicht.

Hält sie den Jungen denn für so naiv, daß der nicht merkt, was los ist?! Oder braucht sie einen verbündeten in dieser verzwickten Situation?
Warum Kristin den Jungen mit dem Essen zu Gardar schickt, ist eine gute Frage. Ich tendiere mehr zu der Erklärung, daß sie einen Verbündeten braucht oder sich einfach mal jemandem anvertrauen will.

Kap. 29 (von der "guten Ehe"  :breitgrins:) strotzt wiederum nur so von Ironie. Herrlich! :bang: Ich habe mich herzlich amüsiert beim Lesen.



« Letzte Änderung: 10. November 2009, 09:45:22 von kaluma »
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« Antwort #41 am: 12. November 2009, 20:27:17 »

Die in meinem Buch fehlenden Seiten habe ich jetzt in der schwedischen Übersetzung gelesen und bin so bis zum 29. Kap. vorgedrungen. Übrigens fand ich die schwedishe Übersetzung ebenfalls sehr gut; sie hatte für mich sogar noch einen Touch mehr "Islandgefühl", was aber gut daran liegen kann, dass mir Schwedisch doch nicht so von Kindheit an vertraut ist wie Deutsch und alles eben auf Schwedisch doch ein wenig fremder wirkt.
Interessanterweise musste ich aber feststellen, dass es Begriffe gibt, die ich nur in der Fremdsprache kenne. Wie ein "stenbit" aussieht, wusste ich zwar nicht, aber gehört hatte ich das Wort schon öfter. Seehase dagegen war mir völlig unbekannt.

Zum Buch:
Gardar Holm - tja, an seinem internationellen Ruhm hatte ich ja schon vorher leicht gezweifelt, aber nun stelle ich mir die Frage, ob das vielleicht nur ein großangelegter Betrug seinerseits war. Seine Sponsoren unterstützten ihn und gaben ihm die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen und ich stelle mir vor, dass er anfangs zwar sang, aber nie (oder nur kurz) wirklich erfolgreich. Dann hat er ihnen eben Geschichten über seine Konzertreisen vorgelogen und weiter Geld von seinen isländischen Unterstützern eingesackt. Die ausländischen Zeitungen hat ja nie jemand wirklich gesehen; was sollte Gardar daran hindern, sich überschwängliche Besprechungen auszudenken?
Wobei ich nicht unbedingt glaube, dass es ihm ums Geld ging. Vielleicht traute er sich als Versager nicht nach Hause zurück, wobei ich mit zu Hause weniger seine Mutter als die isländische Bevölkerung, die ja so große Erwartungen in ihn setzte, meine.

Im Original heißt das Buch ja "Annalen von Brekkukot". Ich frage mich, warum auf Deutsch der Titel "Das Fischkonzert" gewählt wurde? Dadurch wartet man als Leser die ganze Zeit darauf, wann nun endlich dieses verflixte Konzert mal stattfindet... Ich denke, wenn das Buch "Annalen von Brekkukot" hieße, würde ich den Ereignissen um Gardar Holm gar nicht so eine große Bedeutung beimessen.
:redface: Huch - mit Gardar Holm habe ich den Titel nie in Verbindung gebracht. Für mich bedeutete der Titel nicht Musik für, sondern Musik von den Fischen. Ich warte darauf, dass sie zu singen beginnen. Was mich gerade auf einen Gedanken bringt - wenn Fische als stumme Lebewesen singen können, dann singt vielleicht auch der verstummte (nicht singende) Gardar doch. Zum wirklichen Singen (zum Treffen des reinen Tons) braucht man vielleicht keine Stimme? Aber was denn sonst?
Ich denke jedenfalls, dass dazu das Buch noch etwas sagen wird. Der deutsche Titel ist bestimmt nicht blind gewählt. Auch der englische Titel geht übrigens in die gleiche Richtung: The Fish Can Sing heißt das Buch auf englisch. Der schwedische Titel dagegen geht eher in die Richtung des Originals: Tidens gång in backstugan (Der Gang der Zeit in der Kate) empfinde ich ebenso wie "Die Annalen von Brekkukot" als ziemlich langweilig und nichtssagend, während die singenden Fische meine Neugier gleich weckten.

Alfgrimurs weitere Entwicklung, bzw. vor allem das Handeln der Großeltern hat mich überrascht. Ich hatte dem Großvater ja jedes Interesse an Veränderung/Verbesserung abgesprochen, aber er will "das Beste" (Kap. 19) für den Jungen und setzt das Beste doch tatsächlich mit Bildung gleich! Das hatte ich ihm nicht zugetraut. Dass Alfgrimur davon weniger begeistert ist, kann ich gut verstehen. Aber er hat einen klugen Kopf und ihm fällt das Lernen leicht, trotz eklatantem Desinteresse daran. Dass er weiterhin darauf besteht, später mal Grauquappenfischer werden zu wollen, macht ihn mir sehr sympathisch.
Die Gefahr, dass auch er später wie Gardar zwischen den Stühlen landen könnte, ist dabei wirklich gegeben. Wie der Großvater soll er nicht leben (und könnte es wohl auch nicht; heißt es nicht ziemlich am Anfang des Buches, dass mit Aufkommen der großen Fischereiflotten die Lebensgrundlage der Kleinfischer bedroht wird?), aber zu den feinen Leuten gehört er trotz seiner Bildung noch lange nicht. Es könnte also übel ausgehen, aber vielleicht findet er ja eine Nische für sich selbst.

So richtig werde ich mit dem Buch nicht warm. Es liest sich zwar gut und ist skurril und auf sympathische Art merkwürdig, aber ich stecke in der Hälfte (Kapitel 22) und mir fehlt der Durchblick. Wo hängen all diese Dinge zusammen? Zwar geben alle möglichen Teile potenziell Hinweise, Ideen oder könnten eine bestimmte Bedeutung haben, aber ich finde das "grosse Ganze" nicht.
Das große Ganze habe ich bei dem Buch auch noch nicht gefunden, bin aber trotzdem begeistert. Mir gefällt gerade das so gut, dass uns Laxness keine Deutung und keine Erklärungen vorgibt. Er lässt uns sehr viel Arbeit. So wie Alfgrimur selbst den Sinn seines Lebens finden muss, müssen wir den Sinn hinter dem Buch finden. Ob das eine wie das andere gelingen wird, ist dabei unklar.

Ach ja - anscheinend verschenkt der Aufseher sein Geld tatsächlich. In Kap. 23 heißt es ungefähr "in seinem Goldbeutel war noch ein wenig drin" (während sein Tabaksbeutel leer war). Also nichts mit Geldverleiher. Wusste der Aufseher vielleicht, was mit Gardar wirklich los ist?
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kaluma

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #42 am: 12. November 2009, 22:27:29 »

Wie ein "stenbit" aussieht, wusste ich zwar nicht, aber gehört hatte ich das Wort schon öfter. Seehase dagegen war mir völlig unbekannt.
Was die zahlreichen Fischarten betrifft, die im Buch erwähnt wurden, so waren die mir sowieso alle unbekannt, bis auf den Dorsch und den Heilbutt. Ich habe darüber auch gar nicht weiter nachgedacht, sondern das so hingenommen, daß in einem Land, wo man hauptsächlich von Fisch lebt, auch viel und detailliert über Fische gesprochen wird...

Gardar Holm - tja, an seinem internationellen Ruhm hatte ich ja schon vorher leicht gezweifelt, aber nun stelle ich mir die Frage, ob das vielleicht nur ein großangelegter Betrug seinerseits war...
Das glaube ich mittlerweile auch.

Im Original heißt das Buch ja "Annalen von Brekkukot". Ich frage mich, warum auf Deutsch der Titel "Das Fischkonzert" gewählt wurde? Dadurch wartet man als Leser die ganze Zeit darauf, wann nun endlich dieses verflixte Konzert mal stattfindet... Ich denke, wenn das Buch "Annalen von Brekkukot" hieße, würde ich den Ereignissen um Gardar Holm gar nicht so eine große Bedeutung beimessen.
:redface: Huch - mit Gardar Holm habe ich den Titel nie in Verbindung gebracht. Für mich bedeutete der Titel nicht Musik für, sondern Musik von den Fischen.
In dem Text auf der Rückseite meines Buches wird Gardar Holm als "singender Fisch" bezeichnet. Da liegt es für mich nahe, ihn mit dem Konzert in Verbindung zu bringen (das auch ausdrücklich in diesem Text erwähnt wird). Und dann habe ich mir noch so ungefähr vorgestellt, daß die allgegenwärtigen Fische, die in Brekkukot zuim Trocknen aufgehängt sind,  wohl auch beim Konzert anwesend sind. Man sieht sie ja auch auf dem Coverphoto. Damit wäre es dann Musik nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Fische - auch wenn die schon tot sind.  :breitgrins:
Daher bin ich nicht auf die Idee gekommen, daß die Fische selber es sind, die hier singen. Ich kannte auch den englischen Titel nicht, der dahingehend natürlich etwas aussagekräftiger ist als der deutsche.

Wenn man es sich überlegt, ist es aber gar nicht so abwegig, daß die Fische singen. Schließlich singt ja auch das Land, also Island, die ganze Zeit. Man muß dieses wortlose Lied der Fische nur hören und verstehen können.

Mal sehen, ob sich noch eine tiefere Bedeutung des deutschen Titels ergibt. Ich glaube auch, daß der nicht blind gewählt wurde.


Alfgrimurs weitere Entwicklung, bzw. vor allem das Handeln der Großeltern hat mich überrascht. Ich hatte dem Großvater ja jedes Interesse an Veränderung/Verbesserung abgesprochen, aber er will "das Beste" (Kap. 19) für den Jungen und setzt das Beste doch tatsächlich mit Bildung gleich! Das hatte ich ihm nicht zugetraut.
Stimmt, das ist überraschend.

Das große Ganze habe ich bei dem Buch auch noch nicht gefunden, bin aber trotzdem begeistert. Mir gefällt gerade das so gut, dass uns Laxness keine Deutung und keine Erklärungen vorgibt. Er lässt uns sehr viel Arbeit. So wie Alfgrimur selbst den Sinn seines Lebens finden muss, müssen wir den Sinn hinter dem Buch finden. Ob das eine wie das andere gelingen wird, ist dabei unklar.
So sehe ich das inzwischen auch, nachdem ich mich von der Fixierung auf Gardar Holm gelöst habe. Der Sinn des Lebens ist (für mich), einfach nur zu leben. Demnach müßte ich gar keinen tieferen Sinn in dem Buch suchen, sondern mich einfach dem Gang der Ereignisse überlassen und den Assoziationen und Gedanken, die mir dabei kommen. Und bei dem Titel "Annalen von..." hätte ich das von Anfang an so gesehen.

Ach ja - anscheinend verschenkt der Aufseher sein Geld tatsächlich. In Kap. 23 heißt es ungefähr "in seinem Goldbeutel war noch ein wenig drin" (während sein Tabaksbeutel leer war). Also nichts mit Geldverleiher. Wusste der Aufseher vielleicht, was mit Gardar wirklich los ist?
Das nehme ich stark an. Jedenfalls könnte man diesen Eindruck bekommen, wenn man mit dem Wissen der mittleren Buchkapitel nochmals das Gespräch zwischen dem Aufseher und Gardar Holm in Kap. 16 liest.


Inzwischen bin ich am Anfang von Kap. 35 gelandet und dieser Teil des Buches gefällt mir wieder sehr gut.

Interessant finde ich in Kap. 30, daß Alfgrimur bei einer fremden Frau ganz ungeniert singen und musizieren kann, was er zu Hause bestimmt niemals tun würde.

Auffallend ist dagegen seine extreme Schüchternheit gegenüber dem Mädchen, das ihm gefällt, ihr gegenüber verstummt er völlig und traut sich kaum, einen "Schatten zu stehlen". Ich hoffe, daß diese Seite seiner Persönlichkeit sich noch entwickeln wird.

Mit der Frau von Ebeneser Draummann (der sich, wie erwartet, nicht gerade als "Traummann" entpuppt  :breitgrins:) kommt Alfgrimur jedoch bestens zurecht - vielleicht, weil er da keine Worte braucht. Jaja, Handauflegen!  :zwinker: :breitgrins:

Genial auch die Ausführungen über die Friseurvorlage (Kap. 32). Hier haben wir wieder diese logisch-absurden Argumentationen, die mir bei Laxness so gefallen.

Übrigens: eine super Zusammenfassung des Inhalts von Goethes "Faust" findet sich auf S. 188!  :breitgrins:
Und wie wir dann mit logischer Klarheit zu folgender Erkenntnis geführt werden: "das, wofür der Deutsche den Mann mindestens mit der Hölle bestrafen wollte, kostete bei den Dänen eine Krone und elf Öre pro Stück"  :breitgrins:

All das ist nicht nur lustig, sondern hier werden eingefahrene Sichtweisen aufgebrochen, eine doppelbödige Moral kritisiert.

« Letzte Änderung: 16. November 2009, 01:52:30 von kaluma »
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Bettina

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #43 am: 12. November 2009, 23:03:35 »

Zitat
Auffallend ist dagegen seine extreme Schüchternheit gegenüber dem Mädchen, das ihm gefällt, ihr gegenüber verstummt er völlig und traut sich kaum, einen "Schatten zu stehlen". Ich hoffe, daß diese Seite seiner Persönlichkeit sich noch entwickeln wird.

Mit der Frau von Ebeneser Draummann (der sich, wie erwartet, nicht gerade als "Traummann" entpuppt  ) kommt Alfgrimur jedoch bestens zurecht - vielleicht, weil er da keine Worte braucht. Jaja, Handauflegen!   

Genial auch die Ausführungen über die Friseurvorlage (Kap. 32). Hier haben wir wieder diese logisch-absurden Argumentationen, die mir bei Laxness so gefallen.

Alfgrimurs Schüchternheit finde ich vergleichsweise "normal". Der ist so abgeschottet auf dem Hof aufgewachsen, dass er da wahrscheinlich noch schüchterner ist, als ein Teil der jungen Männer das ohnehin ist.
Dafür allerdings fiel mir das Handauflegen bei Draummanns Frau umso mehr auf. Der ist ja schier umgekippt, als er die Frau ohne Schmerzen splitternackt am Fenster sah. So ganz schlau geworden bin ich aus Draummanns Frau nicht. Ich hatte zwischendurch überlegt, an welcher Krankheit sie leiden könnte. Aber am Ende hatte ich das Gefühl, ihr Problem war eines: Ihr Mann hat sie dermaßen vergötterrt, dass er sie nur noch als Wesen wahrgenommen hat und nicht mehr als Frau.

Die Verhandlungen zu den Barbiergesetzen war echt irre. Eigentlich hat sie mit dem Buch nicht viel zu tun, aber sie gibt einiges über die Denkweise der Bevölkerung her. Insgesamt eine sehr skurrile Sache. Aus der Entfernung betrachtet, wundere ich mich über das, was für gelehrt gilt oder das, was logisch sein soll. Da frage ich mich aber auch, was aus der heutigen Zeit später mal als skurril und unglaublich da stehen wird.

Die Sprüche, die da abgegeben werden, um mit Bildung zu glänzen, sind ja der Hammer :breitgrins: Er ging in ein Wirtshaus hinein, um zu Mittag zu essen. Juchu! Und Sardinia insula est sowieso. Und der Händler guckt zu seiner Frau, damit sie ihn dafür bewundert, dass er sich vor alle Leute stellen kann, um eine Rede zu halten. Ich habe mich in Kapitel 35 doch sehr weggekegelt. Das Unkraut aus dem Ausland in den Blumentöpfen, Fuchsien und so was, kam dann für mich noch zur Krönung dazu. In Laxness' Welt steht alles Kopf.
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Ich lese mich rund um die Welt.

kaluma

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Antw:Halldór Laxness - Das Fischkonzert
« Antwort #44 am: 15. November 2009, 08:27:51 »

So ihr Lieben, ich bin fertig.

Die letzten Kapitel des Buches zu lesen, war eine Offenbarung. Endlich ergibt sich der große Zusammenhang, den Bettina und ich vorher vermißt haben. Bei mir fand ein großes Umsortieren im Kopf statt, der Groschen fiel endlich, und jedes Puzzleteil  sprang an seinen Platz. So wie Alfgrimur von einem Kind zum Erwachsenen wird und die Welt versteht, so versteht der Leser erst am Ende das ganze Buch.
Meine Eindrücke lassen sich in etwa so zusammenfassen:  :gruebel:  :pling: :pling: :entsetzt:  :grmpf: :heul: :knuddel:

So wie ich es jetzt verstehe, kann Gardar Holm wirklich nicht singen. Er wurde vor Jahren von Gundmunsen ins Ausland geschickt, bekam aber keine Gesangsausbildung von ihm bezahlt, sondern lebte vom Monatslohn des Aufsehers und schlug sich als Clown und Fabrikarbeiter durch. Währenddessen diente er Gundmunsen in Island als Aushängeschild dafür, was für ein toller Förderer der Künste doch ist - zwecks Werbung für sein Geschäft. Gudmunsen war es offensichtlich, der zum Beweis all diese Zeitungsartikel lancierte, und damit Gardar Holm eine Rückkehr unmöglich machte, weil dieser sich ja nicht bis auf die Knochen blamieren wollte... Und als es dann doch herauskommt, daß Gardar Holm nicht singen kann, läßt Gudmunsen ihn fallen (woraufhin Gardar Selbstmord begeht) und nimmt als nächsten Alfgrimur ins Visier.

Was für eine infame Sauerei das Ganze doch ist!  :grmpf: :grmpf:

Doch Alfgrimur nimmt das Angebot nicht an und so ähnlich wie sein Leben dem Gardar Holms bis zu diesem Moment war, hier ist die Stelle wo Alfgrimur einen anderen Weg einschlägt (er hatte ja Gardars Beispiel vor Augen, und er hat seine Familie, die hinter ihm steht).

Am Ende erweist sich doch die Familie, erweisen sich die einfachen Leute als treu (wie man es als Leser eigentlich auch erwartet).

So wird im Nachhinein auch klar, warum Björn seinen Hof nicht an Gudmunsen verkaufen wollte. Es war nicht Widerwille gegen Veränderung, sondern vermutlich wußte Björn, was Gudmunsen für einer ist und daß ihm nicht zu trauen ist.
Die Erklärung, wie Gudmunsen zu seinem Reichtum kam, und wie er dabei die Lebensgrundlage der einfachen Leute zerstörte, läßt ihn zusätzlich in einem sehr negativen Licht erscheinen.

Dadurch, daß Björn seinen Hof am Ende doch verkauft, zeigt er, daß er die Veränderungen als unvermeidlich akzeptiert (auch wenn er sie nicht gutheißt) und reagiert darauf. Und nur so kann der Übergang von der alten, ländlichen in die neue, moderne städtische Gesellschaft funktionieren: wenn die einfachen Leute ihr Schicksal selber in die Hand nehmen, und sich sich nicht zum Spielball der Mächtigen machen lassen wie Gardar Holm.

Auch viele Details bekommen am Ende eine Bedeutung, oder vielmehr erkennt man diese als Leser erst am Ende, wie z.B. der Mann ohne Gesicht, der anfangs beerdigt wurde, die Frau aus dem Landbrot, Ebeneser Draummann und seine Frau.

Rührend fand ich, daß Gardar Holm am Ende noch ein Konzert für seine alte Mutter gab, weil er ihr ihre Illusion nicht nehmen wollte...

Nun sollte man das Buch noch einmal von vorne lesen, vermutlich würde man einiges ganz anders lesen.

Ich melde mich später nochmal, habe noch ein paar Details (jetzt muß ich erstmal die Familie verköstigen).
« Letzte Änderung: 29. November 2009, 16:25:31 von kaluma »
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Ich lese gerade: Alan Garner "Feuerfrost"/Wulf Dorn "Mein böses Herz"/Bettina Belitz "Luzie&Leander 2 - Verdammt feurig"

SLW 2012 Cover: 0/10 (gelesen 3/10)
SLW 2012 Brandaktuell: 0/5  Dick+dünn: 0/5  (gelesen 2/5)
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