Wie ein "stenbit" aussieht, wusste ich zwar nicht, aber gehört hatte ich das Wort schon öfter. Seehase dagegen war mir völlig unbekannt.
Was die zahlreichen Fischarten betrifft, die im Buch erwähnt wurden, so waren die mir sowieso alle unbekannt, bis auf den Dorsch und den Heilbutt. Ich habe darüber auch gar nicht weiter nachgedacht, sondern das so hingenommen, daß in einem Land, wo man hauptsächlich von Fisch lebt, auch viel und detailliert über Fische gesprochen wird...
Gardar Holm - tja, an seinem internationellen Ruhm hatte ich ja schon vorher leicht gezweifelt, aber nun stelle ich mir die Frage, ob das vielleicht nur ein großangelegter Betrug seinerseits war...
Das glaube ich mittlerweile auch.
Im Original heißt das Buch ja "Annalen von Brekkukot". Ich frage mich, warum auf Deutsch der Titel "Das Fischkonzert" gewählt wurde? Dadurch wartet man als Leser die ganze Zeit darauf, wann nun endlich dieses verflixte Konzert mal stattfindet... Ich denke, wenn das Buch "Annalen von Brekkukot" hieße, würde ich den Ereignissen um Gardar Holm gar nicht so eine große Bedeutung beimessen.
Huch - mit Gardar Holm habe ich den Titel nie in Verbindung gebracht. Für mich bedeutete der Titel nicht Musik für, sondern Musik von den Fischen.
In dem Text auf der Rückseite meines Buches wird Gardar Holm als "singender Fisch" bezeichnet. Da liegt es für mich nahe, ihn mit dem Konzert in Verbindung zu bringen (das auch ausdrücklich in diesem Text erwähnt wird). Und dann habe ich mir noch so ungefähr vorgestellt, daß die allgegenwärtigen Fische, die in Brekkukot zuim Trocknen aufgehängt sind, wohl auch beim Konzert anwesend sind. Man sieht sie ja auch auf dem Coverphoto. Damit wäre es dann Musik nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Fische - auch wenn die schon tot sind.

Daher bin ich nicht auf die Idee gekommen, daß die Fische selber es sind, die hier singen. Ich kannte auch den englischen Titel nicht, der dahingehend natürlich etwas aussagekräftiger ist als der deutsche.
Wenn man es sich überlegt, ist es aber gar nicht so abwegig, daß die Fische singen. Schließlich singt ja auch das Land, also Island, die ganze Zeit. Man muß dieses wortlose Lied der Fische nur hören und verstehen können.
Mal sehen, ob sich noch eine tiefere Bedeutung des deutschen Titels ergibt. Ich glaube auch, daß der nicht blind gewählt wurde.
Alfgrimurs weitere Entwicklung, bzw. vor allem das Handeln der Großeltern hat mich überrascht. Ich hatte dem Großvater ja jedes Interesse an Veränderung/Verbesserung abgesprochen, aber er will "das Beste" (Kap. 19) für den Jungen und setzt das Beste doch tatsächlich mit Bildung gleich! Das hatte ich ihm nicht zugetraut.
Stimmt, das ist überraschend.
Das große Ganze habe ich bei dem Buch auch noch nicht gefunden, bin aber trotzdem begeistert. Mir gefällt gerade das so gut, dass uns Laxness keine Deutung und keine Erklärungen vorgibt. Er lässt uns sehr viel Arbeit. So wie Alfgrimur selbst den Sinn seines Lebens finden muss, müssen wir den Sinn hinter dem Buch finden. Ob das eine wie das andere gelingen wird, ist dabei unklar.
So sehe ich das inzwischen auch, nachdem ich mich von der Fixierung auf Gardar Holm gelöst habe. Der Sinn des Lebens ist (für mich), einfach nur zu leben. Demnach müßte ich gar keinen tieferen Sinn in dem Buch suchen, sondern mich einfach dem Gang der Ereignisse überlassen und den Assoziationen und Gedanken, die mir dabei kommen. Und bei dem Titel "Annalen von..." hätte ich das von Anfang an so gesehen.
Ach ja - anscheinend verschenkt der Aufseher sein Geld tatsächlich. In Kap. 23 heißt es ungefähr "in seinem Goldbeutel war noch ein wenig drin" (während sein Tabaksbeutel leer war). Also nichts mit Geldverleiher. Wusste der Aufseher vielleicht, was mit Gardar wirklich los ist?
Das nehme ich stark an. Jedenfalls könnte man diesen Eindruck bekommen, wenn man mit dem Wissen der mittleren Buchkapitel nochmals das Gespräch zwischen dem Aufseher und Gardar Holm in Kap. 16 liest.
Inzwischen bin ich am Anfang von
Kap. 35 gelandet und dieser Teil des Buches gefällt mir wieder sehr gut.
Interessant finde ich in
Kap. 30, daß Alfgrimur bei einer fremden Frau ganz ungeniert singen und musizieren kann, was er zu Hause bestimmt niemals tun würde.
Auffallend ist dagegen seine extreme Schüchternheit gegenüber dem Mädchen, das ihm gefällt, ihr gegenüber verstummt er völlig und traut sich kaum, einen "Schatten zu stehlen". Ich hoffe, daß diese Seite seiner Persönlichkeit sich noch entwickeln wird.
Mit der Frau von Ebeneser Draummann (der sich, wie erwartet, nicht gerade als "Traummann" entpuppt

) kommt Alfgrimur jedoch bestens zurecht - vielleicht, weil er da keine Worte braucht. Jaja, Handauflegen!
Genial auch die Ausführungen über die Friseurvorlage (
Kap. 32). Hier haben wir wieder diese logisch-absurden Argumentationen, die mir bei Laxness so gefallen.
Übrigens: eine super Zusammenfassung des Inhalts von Goethes "Faust" findet sich auf S. 188!

Und wie wir dann mit logischer Klarheit zu folgender Erkenntnis geführt werden:
"das, wofür der Deutsche den Mann mindestens mit der Hölle bestrafen wollte, kostete bei den Dänen eine Krone und elf Öre pro Stück" 
All das ist nicht nur lustig, sondern hier werden eingefahrene Sichtweisen aufgebrochen, eine doppelbödige Moral kritisiert.