Bei mir geht es auch etwas schleppend voran. Ich bin inzwischen im 11. Kapitel.
Ja, hier werden Denkmuster in Frage gestellt, auch religiöse. Nach dieser bewußten Stelle mit dem Vaterunser (was für mich auch ein interessanter, ungewöhnlicher Gedanke, aber ein wenig abwegig ist) geht es ja weiter mit
alten Sonderlingen aus den Ländern am östlichen Mittelmeer und:
die gründlich systematisierte Theologie deutscher Provinzler. Und der Glaube an die Bibel (und zwar an ein
ganz bestimmtes Buch und nur dieses, also nicht an die Inhalte) und es ist die Rede von
jenem Herrn, der an die Baptisten glaubt, und von einem, der sich zwar den Namen Björn von Brekkukot merken kann, aber den Namen des Herrn immer wieder vergißt...

Ich empfinde das alles als sehr ironisch, und habe mein Lesevergnügen daran. Aber es ist ein Lächeln, das einem im Hals stecken bleibt. Was genau mag Laxness damit ausdrücken wollen - Kritik am Missionierungseifer bestimmter selbstgerechter Christen? Oder möchte er den Leser auf so eine grundlegende Frage hinführen wie "was ist Gott?" So ähnlich wie du, Saltanah, das auch aufgefaßt hast. In etwa so, daß das Bild von Gott, was die Menschen sich in der Bibel und in Gebeten machen, letztlich doch nur ein Bild ist, was eigentlich nur den Menschen spiegelt, und Gott deshalb nicht gerecht werden kann - oder vielleicht
gerade gerecht werden kann - aber den Menschen ist das in der Regel nicht bewußt, sie halten sich lieber an Gebeten und Ritualen fest.
Was ich sehr gelungen finde, ist die Sichtweise, in der das Buch geschrieben ist: der Blick eines ungebildeten Jungen, der nicht viel herumkommt in der Welt und vieles nicht versteht und auch nicht erklärt bekommt. Interessant das Kapitel, in dem er zusammen mit dem alten Kapitän den Neujahrsbesuch beim Minister macht. Wir als Leser merken so ganz durch die Blume, daß der Minister den alten Kapitän höflich abwimmelt - aber ob das auch Alfgrimur so empfunden hat?
Ein weiteres der Themen, die abgearbeitet werden, ist die Sprachlosigkeit. Alfgrimur bekommt zwar merkwürdige Verhaltensrichtlinien von seiner Großmutter vermittelt, aber auf Nachfragen (z.B. bezüglich Gardar Holm) kaum mal eine gescheite Antwort... Das Wort
Liebe wird in Brekkukot nicht verwendet und das Wort "
weinen" hält er für ein Fremdwort aus dem Dänischen!

Das relativiert die Wärme und Geborgenheit ein wenig, die ich anfänglich in der Umgebung des Jungen zu spüren meinte. Und dennoch führen diese Leute eine kostenlose Herberge.
@Bettina,
den Gehrock habe ich im vierten Kapitel gefunden, aber von einem Prinzen Albert steht da nichts, es wird als "Pastorenrock" bezeichnet.
Bis später,
Katja