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Autor Thema: B. Traven – Der Karren (Caoba-Zyklus 1)  (Gelesen 347 mal)

Aldawen

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B. Traven – Der Karren (Caoba-Zyklus 1)
« am: 17. Oktober 2009, 09:54:18 »



Es handelt sich hierbei um den ersten Band des sog. Caoba-Zyklus, sechs Romane, die miteinander verbunden sind, aber wohl keine Serie im engeren Sinne bilden.

Inhalt: Andreu ist der Sohn eines Peon, eines indianischen Landarbeiters (oder eher Sklaven) auf einem Großgrundbesitz. Sein Schicksal, das normalerweise darin bestanden hätte, seinem Vater in der Arbeit auf der Finca zu folgen und auch dessen Schulden beim Finquero zu übernehmen, nimmt eine Wendung, als die Tochter von Don Arnulfo ihn bittet, ihr ihre Mädchen und einen anstelligen Jungen zur Unterstützung für ihren Mann Don Leonardo in dessen Geschäft zu schicken. Um Andreu, der natürlich keinen Lohn bekommt, für den Einsatz im Geschäft noch wertvoller zu machen, bezahlt Don Leonardo ihm sogar eine rudimentäre Schulbildung. Bei einem Kartenspiel verliert Don Leonardo ihn an einen neuen Herrn. Andreu stellt schnell fest, daß er sich in gewisser Hinsicht verbessert hat, denn Don Laureano hat eine ganze Reihe Ochsenkarren mit eigenen Carreteros im Einsatz, die die Waren kreuz und quer durchs Land transportieren, und auch Andreu wächst rasch in seinen neuen Beruf hinein und genießt die Freiheiten, die sich ihm dadurch bieten. Was sich allerdings nicht geändert hat, ist die finanzielle Abhängigkeit, denn auch Don Laureanos Lohn reicht nie für das Nötigste, so daß seine Leute allesamt Schulden bei ihm haben und deshalb ihre Arbeitsverhältnisse nicht verlassen dürfen. Bei einer großen Fiesta zu Ehren des heiligen Caralampio in Balun Canan lernt Andreu ein indianisches Mädchen kennen, die er kurzerhand als seine Frau mitnimmt. Auch ein anderer Carretero aus Andreus Karawane, Manuel, findet während dieser Tage ein Mädchen, aber die beiden schmieden Pläne, sich abzusetzen und andernorts ein neues, freies Leben zu beginnen.


Meine Meinung: Wie immer bei den Romanen von B. Traven war ich darauf eingestellt, daß es sozialkritisch zugehen würde und vor allem das Los der unteren und benachteiligten Gesellschaftsschichten im Mittelpunkt stehen würde. Das ist auch einer Gründe, warum ich Traven immer noch gerne lese. Hier hat er es aber für meinen Geschmack ein bißchen übertrieben. Das meine ich gar nicht inhaltlich, denn ich bezweifle nicht, daß die beschriebenen Methoden der Ausbeutung zur Aufrechterhaltung der Abhängigkeit so waren (und ob sie viel anders oder besser geworden sind, steht auf einem ganz anderen Blatt). Aber diese Exkurse waren hier zu deutlich als solche erkennbar und gingen auf Kosten einer echten Romanhandlung.

Auch die Charaktere blieben dadurch etwas zu schablonenhaft mit zu wenig Tiefe. Andreus Gedanken werden eher unpersönlich mitgeteilt, die anderen Personen fallen selbst dagegen noch ab. Sie wirken dadurch allesamt fast stumpf, als wäre die fehlende Schulbildung allein schon ein Grund dafür, nicht über irgendetwas nachdenken zu können, was jenseits von Tortillas und Kaffee liegt. Daß auch die Kirche sich nicht gerade um ihre indianischen Kinder bemüht, erscheint dabei als eher zu vernachlässigendes Problem, jedenfalls soweit es sich um Fragen der Charakterbildung handelt, die Traven durch zu großen Einfluß der Kirche eher gefährdet sieht, wenn die Institution so auf Seiten der Mächtigen etabliert ist wie hier.

Dabei gibt es andererseits auch ganz wundervolle Stellen, z. B. als Estrellita Andreu in der Nacht eine Geschichte erzählt, die sie von ihrer Mutter gehört hat: Die Geschichte von dem Gott, der die Sonne schuf. Allein dafür hat sich die Lektüre schon gelohnt, aber auch Andreu ist kein Dummkopf, er durchschaut einiges an Mechanismen, denen sein Leben unterworfen ist, und sucht seinen eigenen Weg innerhalb dieser Beschränkungen. Ich bin jedenfalls gespannt, wen aus diesem Roman ich in den anderen Büchern des Caoba-Zyklusses wiedertreffen werde, und hoffe dabei durchaus auf Andreu und Manuel.

 3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Schönen Gruß,
Aldawen
« Letzte Änderung: 22. September 2010, 15:02:17 von Aldawen »
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Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika