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Autor Thema: Johan Theorin, Öland  (Gelesen 615 mal)

dubh

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Johan Theorin, Öland
« am: 03. Oktober 2009, 16:44:05 »



Johan Theorin, Öland
(Piper Verlag, Juli 2008)
ISBN 978-3-492-05089-0
446 Seiten; € 19.90 (HC)
Originaltitel: Skumtimmen


Zum Autoren (vom Klappentext):

Johan Theorin, 1963 in Göteborg geboren, verbringt seit seiner Kindheit die Sommer auf der Insel Öland, deren mythische Landschaft ihn zu diesem Roman anregte. "Öland" ist der erste Teil eines geplanten Jahreszeiten-Quartetts und spielt im Herbst. In Schweden stand es sofort nach der Veröffentlichung viele Wochen auf der Bestsellerliste [...].

Zum Inhalt (ebenfalls vom Klappentext):

Ein neblig kühler Spätsommertag. Vorsichtig klettert ein Junge über die Steinmauer eines einsamen Hauses und blickt auf die grasbewachsene Ebene Ölands. Alles ist still, nichts bewegt sich. Der Junge tritt in den Nebel hinaus und verschwindet ohne Spur. Niemand, nicht seine Familie, nicht die Polizei und kein Helfer aus dem Suchtrupp, sieht ihn je wieder. Zwanzig Jahre später erhält Julia, die Mutter des Jungen, die noch immer an seine glückliche Heimkehr glaubt, einen ungeheuerlichen Anruf: Ihr Vater ist am Apparat und behauptet, es gebe einen Hinweis, ein neues Beweisstück. Julia soll nach Öland zurückkehren und ihm bei der Suche nach ihrem verschwundenen Sohn helfen. Dort geht das Gerücht, der unheilbringende Nils Kant sei der Mörder. Schon als Kind habe der seinen Bruder getötet und auch später so manches Unglück über die Insel gebracht. Aber Nils Kant liegt seit vielen Jahren begraben und starb, lange bevor der Junge verschwand. Manch einer dagegen behauptet, er wandere noch immer über die weite Kalkebene von Öland.

Meine Meinung:

Der Krimi startet stimmungsvoll, der Nebel, der an dem Tag, als Jens Davidsson verschwand, ist fast greifbar. Die erste Situation ist die, in der Jens über die Mauer geklettert ist und einem Mann begegnet, der sich als Nils vorstellt. Dann erst lernt man Julia kennen, die Mutter des Jungen, die auch zwanzig Jahre nachdem Jens verschwunden ist, noch sehr unter diesem Verlust leidet. Sie hat darüber vergessen zu leben, ist de facto arbeitsunfähig, lebt von einer Krankmeldung zur nächsten und sucht mit Hilfe von Rotwein ein bißchen Trost. Als ihr Vater Gerlof, ein alter Seemann, der mittlerweile im Altersheim wohnt, sie anruft, erwacht sie aus ihrer Lethargie und fährt zu ihm auf die Insel Öland - die Insel, die sie nach Jens' Verschwinden kaum noch betreten kann.

Einerseits fand ich den Beginn toll - man kann die Verzweiflung Julias spüren, aber ebenso Gerlof nachvollziehen, der ein andere Herangehensweise hat: auch er vermisst seinen Enkel noch immer, gibt sich selbst die Schuld am Unglück des besagten Tages, weil er nicht zuhause war, und wünscht sich ein besseres, näheres Verhältnis zu seiner Tochter Julia. Aber als ihm jemand anonym eine Kindersandale zuschickt, schöpft er Hoffnung auf eine Erklärung was mit seinem Enkeln passiert ist und beginnt sofort mit Nachforschungen.

Leider verzettelt sich der Autor meiner Meinung nach dann ein wenig. Die Figuren werden genauestens beleuchtet, immer wieder erzählen Rückblenden von Nils Kant und welches Unglück er über die Bewohner Stenviks gebracht hat. Und auch Gerlof, dem man den wortkargen Seebären vergangener Tage sehr wohl abnimmt, spricht manchmal doch verdammt wenig - gerade mit seiner Tochter. Hier war ein-, zweimal mein Lesefluß etwas gebremst, weil mir nicht so wirklich schlüssig war, warum Theorin diese Ausflüge unternimmt... Doch spätestens 70, 80 Seiten später ist dies vorbei: die Geschichte nimmt noch einmal Fahrt auf, die ersten Möglichkeiten, selbst mitzurätseln tun sich auf - was der Geschichte noch eine Tick besser steht.

Im Nachhinein bin ich versucht, zu behaupten, dass das Buch keine Längen hat: das mag vor allen Dingen daran liegen, dass die Geschichte einige gute Wendungen annimmt, die ohne so manchen kleinen Ausflug nicht hundertprozentig logisch gewesen wäre - aber wenn ich ehrlich bin, dann hat es mich in dem Moment, in dem ich die Stellen gelesen habe, schon ein bißchen gestört.

Ein klassischer Krimi ist "Öland" nicht. Die Polizei ermittelt nur wenig, sondern Großvater Gerlof Davidsson, zwei seiner Freunde und nach einer gewissen Zeit auch seine Tochter Julia. Stimmungsvoll bleibt das Buch durchweg - ich habe große Lust mir die Insel und vor allem die Alvar einmal anzusehen, auch wenn mir der Nebel spätestens jetzt doch Respekt einflössen würde... Interessant sind die zwischenmenschlichen Gegebenheiten und sehr spannend die Suche nach einer Erklärung nach Jens' Verschwinden und der Vergangenheit mit Nils Kant.

Fazit: Mal ein anderer Krimi, der durch ungewöhnliche Wendungen, viel zwischenmenschliche Entwicklungen, Habgier und Schmerz, Heimweh und Unglück, lebt und der vor allen Dingen durch einen wirklich guten Stil besticht.

 4ratten und  :marypipeshalbeprivatmaus:

Liebe Grüße
dubh

PS. Das Buch gibt es übrigens inzwischen auch als Taschenbuch-Ausgabe - ebenfalls bei Piper und für € 9.90.
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SilkeS.

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Antw:Johan Theorin, Öland
« Antwort #1 am: 07. Oktober 2009, 10:30:57 »

Hallo Dubh!

Tolle Rezension  :klatschen: Ich kann allem wes Du schreibst echt nur zustimmen. Ich fand Öland auch toll, stimmungsvoll, gruselig, spannend aber irgendwie doch so anders, als alles bisher dagewesene.
Ich hoffe der Autor wird wieder ein Buch rausbringen.

Gruß SilkeS.
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Fandorina

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Antw:Johan Theorin, Öland
« Antwort #2 am: 07. Oktober 2009, 14:55:29 »

Ich hoffe der Autor wird wieder ein Buch rausbringen.

Aber "Nebelsturm" ist doch längst auf dem Markt!



Es sollen ingesamt vier Bücher werden, die jeweils einer der vier Jahreszeiten gewidmet sind.
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Start-SUB 01.01.2012: 185 / gelesen 12 (5.390 Seiten) / abgebrochen 3 / aussortiert 43 / Zugänge 41 = 169

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JaneEyre

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Antw:Johan Theorin, Öland
« Antwort #3 am: 07. Oktober 2009, 15:19:27 »

Schön beschrieben Dubh - macht direkt Lust darauf.
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Liebe Grüße
JaneEyre

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Dani

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Antw:Johan Theorin, Öland
« Antwort #4 am: 07. Oktober 2009, 15:22:17 »

Ich hoffe der Autor wird wieder ein Buch rausbringen.

Aber "Nebelsturm" ist doch längst auf dem Markt!



Es sollen ingesamt vier Bücher werden, die jeweils einer der vier Jahreszeiten gewidmet sind.
Es gibt ein neues Buch von Johan Theorin? :klatschen: Das landet sofort auf meiner Wunschliste, vor allem weil die Geschichte wieder auf der Insel Öland spielt.  :smile: Ich mochte die Stimmung in "Öland" sehr, die Beschreibungen der kargen Landschaft und wie Theorin es schafft, ohne "Action" trotzdem Spannung zu erzeugen. Hab das Buch nach dem Lesen sofort an meine Mutter weitergegeben - sie ist krimisüchtig - und sie war auch begeistert davon, obwohl es kein typischer Krimi ist.
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A mind needs books as a sword needs a whetstone, if it is to keep its edge. (George R. R. Martin, "A Game of Thrones")

 :leser:

SilkeS.

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Antw:Johan Theorin, Öland
« Antwort #5 am: 07. Oktober 2009, 16:02:13 »

 :redface: das hatte ich garnicht mitbekommen... Naja ich hatte im September Urlaub und war weder im Internet noch in Buchhandlungen auf Litersuche. Ist also total an mir vorübergegangen.
Danke aber für den Hinweis  :klatschen:

Gruß SilkeS.
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dubh

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Antw:Johan Theorin, Öland
« Antwort #6 am: 07. Oktober 2009, 17:49:12 »

Oh, dankeschön für die Blumen! :redface: Auch wenn ich immer noch nicht so super gerne und flüssig Rezensionen schreibe, so war es mir bei diesem Buch echt ein Bedürfnis... Der Autor ist einfach sympathisch und schreibt wirklich anders als man es von den gewohnten skandinavischen Krimis kennt.

Liebe Grüße
dubh
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HoldenCaulfield

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Re: Johan Theorin, Öland
« Antwort #7 am: 15. September 2010, 18:40:55 »

Meine Meinung:
Ich muss sagen das ich von diesem Roman absolut nicht begeistert war. Ich fand ihn zu voraussehbar und die Atmosphäre war meiner Meinung nach auch nicht stimmig. Die Geschichte um Nils Kant herum war mir zu Klischeehaft erzählt, da hab ich schon besseres und Originelleres gelesen. An einigen Stellen hatte die Handlung auch so ihre Längen, vor allem durch die Rückblenden wird das gefördert. Nils Kant taucht in diesen auf und so erfährt man als Leser einiges das der Handlung in der Gegenwart nach meinem Geschmack einen großen Teil der Spannung raubt. Warum dieser Krimi also insgesamt immer wieder so gelobt wird entzieht sich mir. Die Figuren waren mir übrigens ziemlich egal, sie waren zu blass als das ich einen richtigen Eindruck von ihnen bekam. Dadurch das sie eh nicht miteinander sprechen kann da auch kein richtiges Bild entstehen. Auch hier sind mir ehrlich gesagt zu viele Klischees verarbeitet. Insgesamt war ich also ziemlich enttäuscht.

1ratten
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Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

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Annabas

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Re: Johan Theorin, Öland
« Antwort #8 am: 22. April 2011, 16:08:34 »

Hallo miteinander,

noch ein kurzer Kommentar von mir: nachdem ich im Januar "Blutstein" gelesen habe, wollte ich die übrigen beiden Bücher von Johan Theorin unbedingt auch lesen.
"Öland" habe ich heute beendet und wenn mir "Blutstein" auch einen Tick besser gefallen hat, so hat mich dieses Buch doch ziemlich genauso beeindruckt. Die Stimmung, die der Autor entwirft, zieht mich unweigerlich in Bann, das war bei beiden Büchern gleichermaßen der Fall.
Etwas gestört hat mich nur Gerlofs Geheimniskrämerei und mir war bis zum Schluss auch nicht so wirklich klar, warum er seiner Tochter nicht einfach sagen konnte, was er vermutet. Aber das ist mein einziger Kritikpunkt.

Alles zusammen vergebe ich    4ratten

Grüße von Annabas  :winken:
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simmilu

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Re: Johan Theorin, Öland
« Antwort #9 am: 22. Januar 2012, 20:57:36 »

Meine Meinung zu Johan Theorin - Öland :

Die Stimmung, die Theorin in seinem Buch heraufbeschwört, ist wirklich gruselig und man stellt sich als Leser die Landschaft dort genauso vor, wie sie beschrieben wird. der Autor hat eine angenehme Art zu schreiben und so fliegen die Seiten nur so dahin, ohne das man es merkt.

Die Story an sich fand ich jetzt nichts besonderes - ein Kind ist verschwunden und die Mutter und ihr Vater machen sich daran den mitlerweile ad acta gelegten Fall aufzuklären - und trotzdem ist es dem Autor gelungen daraus was besonderes zu machen.
Zwar mochte ich die Figur der Mutter ( Julia ) nicht so gerne, was vielleicht daran lag, das es für mich nicht nachvollziehbar war, das man nach 20 Jahren immer noch so aus der Spur ist, dafür mochte ich den ihres Vaters ( Gerlof ) umso mehr. Ich mochte die Art und Weise, wie er die Dinge angeht ...Auf die Nerven ging mir dagegen, das er aus allem ein Geheimnis gemacht hat  :rollen:

Der zweite Handlungsstrang, der der sich mit Nils Kant beschäftigte, hat mir noch besser gefallen und war ich Anfangs entsetzt über die Kaltschnäuzigkeit von Nils, hab ich mich zwischendurch doch mal dabei ertappt, wie ich sogar etwas Mitleid mit ihm hatte...
Das Ende des Buches hat mich überrascht und traurig gemacht. Mir hat es gefallen !

Dieses Buch gehört zu denen, die durch ihre leisen Zwischentöne und ihre Stimmung bestechen und auffallen und diese Mischung mag ich sehr. Dieses leise subtile Art gefällt mir wesentlich besser, als 400 Seiten Power-Krimi, wo man hinterher das Gefühl hat, man hat vor lauter Stress beim lesen 2 kg abgenommen  :breitgrins:

Ich gebe :  3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:
« Letzte Änderung: 22. Januar 2012, 20:59:17 von simmilu »
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