
Inhalt: Ägypten um 1400 v.Chr.: Der Leser trifft auf Huy ... ein ganz normaler Junge, der durch seinen reichen Onkel die Möglichkeit erhält, eine Schule zu besuchen. Weit weg von zu Hause und eigentlich aus einer Bauernfamilie stammend, hat er erst einmal zu kämpfen, doch er findet bald Freunde und stellt sich als sehr intelligent heraus. Natürlich rufen seine Fähigkeiten auch Neider auf den Plan ... und so wird Huy bei einem Kampf von einem Mitschüler erschlagen. Fünf Tage später jedoch wird er von den Göttern zurück unter die Lebenden gesandt, ausgestattet mit einer göttlichen Gabe: er kann die Zukunft von Menschen vorhersagen und Kranken Heilung bringen - wenn die Götter es möchten. Diese Fähigkeit bleibt natürlich nicht lange geheim und schon bald wollen nicht nur hohe Beamte seine MAcht für sich nutzen, sondern der Pharao selbst holt Huy in seinen Dienst.
Erster Satz:Huy stand in seinem Schlafzimmer, neben seiner Mutter Itu, die erschrocken auf die Spielsachen blickte, die so sorgfältig auf seinem Kinderbett aufgereiht waren.
Meine Meinung:Das alte Ägypten hat mich schon immer fasziniert. Die Vielzahl der Götter, die Kultur rund um den Nil, das Leben der Menschen ... es zieht mich einfach in seinen Bann. Pauline Gedeg ist, meiner Meinung nach, eine der besten Schriftsteller in Bezug auf diese Kultur. Sie schafft es immer wieder, den Zauber und die Mysterien einzufangen und an den Leser weiterzugeben.
In ihrem neusten Buch geht es um den Bauernsohn Huy, ein verwöhnter Bengel, den man aber sofort in sein Herz schließt. Ich kann seine Wut und Angst auch gut nachvollziehen, immerhin muss er mit vier Jahren ganz alleine und weit weg von zu Hause auf eine Schule gehen. Ich finde es übrigens toll, dass die Geschichte aus der Sicht eines Bauernjungen erzählt wird und nicht schon wieder ein Pharao die Hauptperson ist. So lernt man die andere Seite Ägyptens kennen, auch wenn es der Familie trotzdem gut geht. Huy muss hart arbeiten, um etwas zu erreichen, selbst später, als er die Gabe bereits besitzt. Der Charakter entwickelt sich natürlich im Laufe der Zeit, allerdings finde ich, dass gewisse Reste von seinen anfänglichen Wesenszügen bestehen bleiben, wie z.B. seine Vorstellung, dass alle gegen ihn sind.
Auch die weiteren Charaktere waren in sich schlüssig und passen gut in das Gesamtbild. Alle Schattierungen sind vorhanden, von superböse bis selbstlos gut. Die einzige Person, mit der ich mich nicht richtig anfreunden konnte, war Ischat. Sie ist mir zu selbstsüchtig und dominant. EIgentlich schade, immerhin ist sie ein wichtiger Bestandteil von Huys Leben.
Die Sehergabe finde ich gut umgesetzt, man merkt, dass die Gabe von den Göttern kommt und nicht aus Huy selbst heraus. Interessant und spannend finde ich, dass diese Fähigkeit nicht als etwas durchweg Positives dargestellt wird. Huy hat schwer mit damit zu kämpfen, er hasst die aufsteigenden Bilder und möchte sie am liebsten loswerden, denn sie bereiten ihm körperliche und seelische Schmerzen.
Etwas langweilig fand ich die Szenen mit dem dem Buch Thot. Die tief darin verborgene Mystik ist uns heute, meiner Meinung nach, verschlossen und kann von uns nicht nachvollzogen werden. Die philosophischen Gedanken sind mit einer Welt verknüpft, die zu fern ist. Aber die Szenen sind ja relativ kurz gehalten und bald vorbei.
Auf jeden Fall aber eher ein Buch für fortgeschrittene Ägypten-Freunde, denn viele Begriffe werden nicht mehr extra erklärt. Ich könnte ja noch so viel schreiben, aber irgendwann muss auch mal Schluss sein.
Mir hat das Buch wirklich super gefallen und ich warte gespannt auf die Fortsetzung (der Beginn einer Triologie).
