liest "das Wasserzeichen" von Naja Marie AidtIch habe nun sechs der neun Geschichten gelesen und werde es für heute dabei belassen. Ich bin einfach zu müde, um mich wirklich darauf zu konzentrieren - und jeden Absatz fünfmal lesen mag ich auch nicht.
Hier noch kurz meine Einschätzung zu den Geschichten...
"Eine Liebesgeschichte" ist ziemlich traurig und tragisch. Eine junge Frau wurde von ihrem Freund sitzen gelassen und ist allein in die Wohnung gezogen, die sie eigentlich mit ihm zusammen beziehen wollte. Schnell entwickelt sie eine Art Messi-Syndrom und kann in der Wohnung kaum noch treten. Auch Ungeziefer lässt nicht lange auf sich warten, was schließlich zum Aufbruch der Wohnung und dem Abtransport der Frau vermutlich in eine psychatrische Klinik zur Folge hat.
Die Folgen der enttäuschten Liebe werden hier auf sehr drastische Art und Weise dargestellt. Als wenn ein Schalter umgelegt wurde, hat die Frau ihr Liebe fortan der Wohnung, den "gespendeten" Gegenständen und ihren Silberfischen geschenkt, zu denen sie eine freundschaftliche Beziehung aufbaut und die über lange Zeit ihre einzigen Gesprächspartner bleiben sollen.
Insgesamt ist dies eine sehr traurige und bewegende Geschichte, die Naja Marie Aidt in meinen Augen mit einer angemessenen Portion Gefühl erzählt, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Bisher ist diese Geschichte mein Highlight.
Die nächste Geschichte, "Ist die Welt klein", ist ähnlich tragisch. Die Mutter zweier kleiner Jungen sieht sich von ihrem arbeitenden Mann allein gelassen mit Haushalt und Kindern. Schnell realisiert sie, dass sie in eine Rolle hineingedrängt werden soll und sucht, wenn auch mit Anlaufschwierigkeiten, einen Weg aus dieser Situation. Am Schluss hat sie sogar die Stärke, die Beziehung zu ihrem Mann als unerheblich für ihre eigene Entwicklung einzustufen. Wenn er den von ihr eingeschlagenen Weg mitgeht, ist es gut, wenn nicht, wird sich ihr gemeinsamer Weg trennen.
Diese Geschichte hat mir sehr imponiert und ich glaube, dass sie ein gutes Beispiel für viele Frauen in ähnlichen, wenn auch weniger drastischen, Situationen sein kann.
Die für heute letzte Geschichte trägt den Titel "Nimmersatt" und ist komisch. Es geht um einen Mann, der sich ein junges Mädchen mehr oder weniger zum Eigentum macht und sie von der Außenwelt abschottet. Dieser Zustand hält sich über zehn Jahre, bis in seinem Denken eine Veränderung von statten geht, die sich auch auf sein Verhalten der Frau gegenüber auswirkt. Das Ende ist total verworren, aber anscheinend werden die Rollen getauscht - zumindest gibt es eine Andeutung in diese Richtung. Keine Ahnung, diese Geschichte habe ich nicht verstanden, das Ende will sich mir einfach nicht erschließen, auch nach mehrmaligem Lesen nicht.

Gut, dann werde ich mich mal auch ins Bett begeben, noch ein wenig Hörbuch hören (vermutlich nicht länger als 2,5 Minuten...

) und dann hoffentlich gut schlafen.
Morgen werde ich mein Buch auf jeden Fall noch beenden. Schön, dass mich die Lesenacht dazu gebracht hat, dieses Buch zur Hand zu nehmen. Auch wenn nicht alle Geschichten gleich stark sind, bin ich insgesamt doch ziemlich angetan von dem Buch.
Allen Lesenden wünsche ich noch viel Durchhaltevermögen und viel Spaß, allen anderen eine gute Nacht.
Liebe Grüße
Stephi