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Autor Thema: Linwood Barclay - In Todesangst  (Gelesen 453 mal)

*Sternenstauner*

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Linwood Barclay - In Todesangst
« am: 17. September 2009, 00:01:06 »



Kurzbeschreibung

Die 17-jährige Sydney kommt eines Abends nicht von ihrem Sommerjob in einem Hotel nach Hause. Sie ist nicht über Handy zu erreichen. Ihr Vater macht sich große Sorgen. Er fährt los, um sie abzuholen. Doch die Angestellten des Hotels haben noch nie von einem Mädchen namens Sydney gehört…

Rezension

Ich fühlte mich wie eine Maus im nächtlichen Wald, die sich fragt, wie viele Eulen in den Ästen über ihr sitzen. (Seite 242)

Nach der Scheidung ihrer Eltern lebt die 17jährige Sydney Blake bei ihrer Mutter. Nur in den Sommerferien zieht sie kurzzeitig zu ihrem Vater Tim und nimmt in einem nahe gelegenen Hotel einen Ferienjob an.
Eines Abends kommt sie nach Feierabend jedoch nicht nach Hause. Zunächst denkt sich Tim nichts weiter, zumal er am Morgen einen kleinen Streit mit Sydney hatte und vermutet, sie wolle ihm nun eins auswischen. Doch die Stunden vergehen und Sydney lässt sich weder blicken, noch ist sie auf ihrem Handy erreichbar. Tim beschließt, im Hotel nach ihr zu fragen, aber dort will sich niemand an eine Mitarbeiterin namens Sydney erinnern können.
Warum hat sie ihren Vater angelogen? Und wo ist sie? Auf der Suche nach ihr gerät Tim nicht nur selbst in den Fokus der Ermittlungen, sondern bald schon in Lebensgefahr…

War ich von den beiden ersten Barclay-Thrillern «Ohne ein Wort« und «Dem Tode nah» noch restlos begeistert, so waren meine Erwartungen diesmal wohl etwas zu hoch.
Die Geschichte beginnt am Tag von Sydneys Verschwinden. Erzählt wird sie aus der Perspektive von Tim, einem Autohändler, der sogleich alles daran setzt, seine Tochter wieder zu finden. Doch trotz groß angelegter Suchaktion inklusive einer extra eingerichteten Website fehlt von Sydney jede Spur.

Neben Tims Sorgen werden am Anfang erst einmal ausgiebig seine Familien- und Arbeitsverhältnisse geschildert. Wer schon mal ein Buch von Linwood Barclay gelesen hat, weiß jedoch, dass selbst solche Ausführungen alles andere als langweilig sind, da alle auftretenden Personen irgendwie verdächtig scheinen und man eifrig nach möglichen Hinweisen sucht.
Einzig bei der Auflistung diverser Automodelle hätte sich der Autor etwas einschränken können, denn irgendwann drängt sich einem fast der Verdacht auf, er mache gezielte Werbung für bestimmte Automobilhersteller, was mit der Zeit etwas nervig ist. Ebenso wie die Tatsache, dass sämtliche Figuren jeden zweiten Satz mit «Tja» beginnen.

Nichtsdestotrotz fliegen die Seiten nur so dahin, denn Linwood Barclay ist ein Meister darin, seine ohnehin recht kurzen Kapitel mit fiesen Cliffhangern zu beenden, sodass man einfach weiter lesen muss. Immer wieder stellt man sich die Frage, ob Tim seine Tochter womöglich weniger gut kannte, als er dachte, und sie vielleicht einfach abgehauen ist. Aber warum findet die Polizei dann Blutspuren in ihrem Wagen?

Die Charaktere, allen voran Tim, sind zwar nicht sonderlich vielschichtig gezeichnet, aber es reicht aus, um ihre Geschichte gerne und gebannt zu verfolgen. Zumindest, bis sich die Dinge ab etwa der Hälfte plötzlich überschlagen und Tim vom besorgten Vater zum wahren Superhelden mutiert. Die Story wird nun immer abstruser und viel zu unglaubwürdig konstruiert.
Besonders der Handlungsstrang um Sydneys beste Freundin Patty wirkt völlig an den Haaren herbeigezogen und der barclay-typische Showdown ist unnötig und verwirrend. Irgendwann kommt man - bei der Vielzahl an Personen und deren verworrenen Beweggründen - gar nicht mehr dazu, gedanklich nachzuverfolgen, was denn nun überhaupt noch logisch ist und was nicht. Hier ist der Autor leider deutlich über das Ziel hinausgeschossen und lässt den von ihm sonst so verwöhnten Leser eher unzufrieden zurück.

FAZIT: Alles in allem ist «In Todesangst» zwar immer noch ein spannender Thriller voller überraschender Wendungen, manchmal sind diese aber gar zu überraschend, sodass das Buch insgesamt leider hinter seinen beiden Vorgängern zurück bleibt.

Wertung: 3ratten
Gespeichert
Aus ❤ zum Lesen: http://libromanie.de

Stephi

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Re: Linwood Barclay - In Todesangst
« Antwort #1 am: 30. Mai 2010, 19:11:50 »

Tim Blake ist Autoverkäufer, geschieden und hat eine 17-jährige Tochter. Er liebt Sydney und genießt es, dass sie die Sommerferien bei ihm verbringt. Die Freude hält jedoch nicht lange: Syd verschwindet plötzlich spurlos. Alle Hebel werden in Bewegung gesetzt, aber sie ist einfach nicht zu finden. In dem Hotel, in dem sie nach eigener Aussage gejobbt hat, will sie niemand kennen. Tim begibt sich - unabhängig von den Ermittlungen der Polizei - selbst auf die Suche nach seiner geliebten Tochter und gerät zunehmend selbst in Gefahr. Alles wird immer verworrener, mysteriöser - und gefährlicher für alle Beteiligten.

Linwood Barclay beweist, dass es keinen spektakulären Mordfall am Anfang braucht, um einen spannenden Thriller zu schreiben. Von Beginn an hat mich das Buch gefesselt. Die Sorge um die verschwundene Tochter, die Angst, dass sie bereits tot sein könnte, während die Polizei noch fieberhaft nach ihr sucht, zerfrisst Eltern und Freunde. Diese Stimmung ging sofort auf mich über. Es war zeitweise fast schon beklemmend, das Geschehen zu verfolgen. Dazu trägt der Einsatz Tims als Ich-Erzähler entscheidend bei. In diesem Buch passt das wirklich unglaublich gut.

Sehr gut gefallen haben mir außerdem die „Verhör-Szenen“, in denen die Polizei Tim zum Geschehen befragt. Ich habe beim Lesen immer wieder gemerkt, wie die Wut in mir aufstieg, wenn ihm die Worte im Mund umgedreht wurden und er immer mehr in eine Ecke gedrängt wurde. Das hatte ich so noch nie und es hat mich wirklich beeindruckt. Ich habe es vor meinem geistigen Auge gesehen. So soll es sein!

Einziger kleiner Kritikpunkt für mich: Die Story ist sehr konstruiert. Es braucht einige Zufälle, um das enge Netz aus Zufällen zu stricken, die letztlich die Gesamthandlung bilden. Andererseits ist das auch der Grund dafür, dass das Buch so viel Spannung hat und diese vor allem bis zum Schluss aufrecht erhalten bleibt. Deshalb kann ich das eigentlich nur als kleinen Kritikpunkt einstufen.

„In Todesangst“ wird seinem Titel absolut gerecht. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und sowohl Spannung als auch Handlung haben mich überzeugt. Linwood Barclay schafft es, Bilder entstehen zu lassen. Die unterschiedlichen Charaktere lassen die Handlung zu keinem Zeitpunkt langweilig werden und die Sorge um ein verschwundenes Kind kam bei mir stets sehr authentisch an. Insofern kann ich das Buch ruhigen Gewissens empfehlen.

Meine Wertung: 4ratten
Gespeichert
:leser: Plichota/ Wolf: Oksa Pollock - Die Unverhoffte

SLW - Annabas: 1/10
SLW - Seychella: 0/10

Lilli33

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Re: Linwood Barclay - In Todesangst
« Antwort #2 am: 25. August 2011, 19:46:05 »

Die 17jährige Sydney wohnt den Sommer über bei ihrem Vater Tim, um in einem Hotel in der Stadt zu arbeiten. Nach einem morgendlichen Streit kommt Syd eines Abends nicht nach Hause. Tim sucht sie in dem Hotel, wo sie allerdings scheinbar überhaupt nicht bekannt ist. Auch die Freundinnen haben keine Ahnung, wo Syd stecken könnte. Tim sucht wochenlang nach seiner Tochter, bevor er wieder zur Arbeit als Autoverkäufer geht, kann sich aber nicht richtig auf die Arbeit konzentrieren. Ärger mit der Chefin bahnt sich an. Zu den Sorgen um seine Tochter gesellt sich die Sorge um seinen Arbeitsplatz und seine Existenz.

Auf den ersten ca. 50 Seiten plätschert die Handlung ein bisschen vor sich hin, doch dann kommt Leben in das Geschehen. Tim erhält einen Hinweis, wo seine Tochter sich aufhält, und geht der Spur nach. Allerdings verläuft diese im Nichts. Als er zurück kommt, ist sein Haus total verwüstet. Er entgeht knapp einem Mordanschlag und gerät schließlich selbst als Verdächtiger in das Visier der Polizei, wird nun von den Verbrechern und der Polizei verfolgt. Immer mehr fragt er sich, in was seine Tochter da hinein geraten ist. Er dachte doch, sie würden sich nahe stehen und er könnte ihr vertrauen.

Tim erzählt das Geschehen als Ich-Erzähler, wodurch man sich leicht in ihn hineinversetzen kann. Man fühlt mit ihm mit. Dabei kann ich nicht einmal sagen, dass er mir besonders sympathisch wäre, allerdings auch nicht unsympathisch. Er erscheint mir eher recht farblos, wächst aber immer mehr über sich hinaus. Es gefällt mir gut, wie er immer weiter um seine Tochter kämpft, die er über alles liebt, wie er mit seiner Exfrau und sogar mit deren neuem Partner zusammenarbeitet, obwohl ihm das total zuwider ist.

Die Sprache ist einfach und ohne Schnörkel, locker zu lesen. Anfangs braucht die Geschichte etwas, bis sie in Gang kommt, aber dann schafft es Linwood Barclay, die Spannung bis zur letzten Seite zu halten. Man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, bis Syd gefunden ist. Die Auflösung fand ich auch gelungen. Es war für mich nicht vorauszusehen, wer hier mit wem unter einer Decke steckt. Die Handlung nimmt immer wieder einen unerwarteten Verlauf und plötzlich ist nichts mehr so, wie es gerade noch den Anschein hatte.

Alles in Allem ist Linwood Barclay hier wieder ein empfehlenswerter, spannender Thriller gelungen.

 4ratten
Gespeichert