Gelesen habe ich das Buch im Rahmen des Monatsprojekts zum Thema "Familienbande", und dort gibt es auch weitere Leseeinblicke (
eins-
zwei-
drei).
Aldawens Meinung kann ich mich im Wesentlichen anschließen, auch mir hat der Einblick in Neufundlands Geschichte und die Lebensbedingungen dort sehr gut gefallen. Johnston beschreibt sowohl historische Fakten als auch familiäre Erinnerungen auf sehr angenehme Weise, an keiner Stelle wird er belehrend oder trocken sondern behält einen unterhaltsamen, oft aber auch melancholischen Tonfall.
Leider habe ich auch den ein oder anderen Kritikpunkt: Johnston fügt Erinnerungen zusammen, ohne diese chronologisch zu ordnen, oft ohne sie in einen zeitlichen Zusammenhang zu bringen. Dadurch zerfällt die Erzählung in einzelne Episoden, die zwar als Familiengeschichte ein Ganzes bilden, aber Momentaufnahmen bleiben. Ich habe erst überlegen müssen, was mich daran stört, da ich gegen die Form als solche nichts habe, aber wahrscheinlich liegt es daran, dass auch die Personen wie in Momentaufnahmen erscheinen. Johnston zeigt dem Leser das Bild, das er rückblickend während des Schreibens auf sie hat, Entwicklung findet kaum statt. Darüber hinaus hatte ich lange Probleme, mich in die Familie einzufinden, durch die Sprünge zwischen den Generationen konnte ich die weitere Familie nur schwer zuordnen.
Doch diese Punkte resultieren daraus, dass Johnston keinen Roman konstruiert sondern tatsächliche Erinnerungen aufgeschrieben hat, und fallen daher nicht so schwer ins Gewicht. Allerdings hat er an manchen Stellen
dennoch einen Roman schreiben
wollen. So wird von Anfang an auf ein Geheimnis angespielt, dass zwischen seinem Vater und Großvater existierte. Das Herumreiten darauf und die halbgare Auflösung, wenn der Leser sich schon denken kann, worum es ging, waren ein unnötiger Versuch Spannung zu erzeugen. Und besonders das Ende, bei dem Johnston die Sicht seines Großvaters aufnimmt, wirkt gewollt literarisch und verströmt eine eigenartige Mystik, was beides nicht zum klaren Stil des restlichen Buches passen will.
Die zahlreichen Anspielungen auf Avalon und König Artus gefielen mir bis dahin sehr gut, weil sie einfach passten. Doch das Hinübergehen des Großvaters in die Nebel von Avalon...


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Viele Grüße
Breña