
KlappentextAls Nagib Machfus 1994 von religiösen Fanatikern attackiert wurde, war auch die rechte Hand verletzt, und er musste erst mühsam wieder schreiben lernen. Ein Weg dazu führte über das Aufzeichnen seiner Träume, die er ab 1999 regelmäßig in der ägyptischen Frauenzeitschrift »Nisf al-Dunya« (»Die Hälfte der Welt«) veröffentlichte. In den letzten Lebensjahren entstand so ein Traumtagebuch, in dem Nagib Machfus mit höchst verdichteten Texten noch einmal etwas für die arabische Literatur Neues wagt.
In einem
Interview verrät Machfus, dass zwar am Anfang immer ein Traum stand, in die literarischen Miniaturen floss jedoch meist noch viel Arbeit. Der Traum sei die Quelle der Inspiration, jedoch sei der Schriftsteller selbst verantwortlich für den Inhalt seiner Arbeit.
Die Ergebnisse sind nie mehr als zwei Seiten, oft nur einen Absatz lang. Sie umfassen manchmal kurze Episoden, meist aber nur Augenblicke, die ein Gefühl wiederspiegeln. Inhaltlich beschäftigen sie sich mit Erinnerungen an seine Familie - meist an seine Mutter und Schwestern, fast nie an den Vater - vergangene Liebschaften, Freunde und Mentoren. Manchmal besuchen diese Machfus auch aus dem Reich der Toten um ihm Gedanken mitzuteilen oder ihn um Gefallen zu bitten. Neben Erinnerungen an seine Kindheit stehen solche aus dem Büroalltag, oft verknüpft mit historischen Umwälzungen und politischen Einblicken. Einige Träume enthüllen die Ängste des Autors vor Überfällen und Einbrüchen, Riesen und der Einsamkeit. Andere spiegeln offenbar auch alltägliche Einflüsse wider, wenn z.B. in aufeinanderfolgenden Träumen ein Zirkus oder Clowns auftauchen. Und wie es Träume so an sich haben, sind die Ereignisse oft absurd und gar unmöglich und finden auch mal an schnell wechselnden Schauplätzen statt.
Auch wenn die einzelnen Träume literarische Meisterwerke sind, eignen sie sich nicht dazu am Stück gelesen zu werden. Man muss sie wahrscheinlich eher wie Gedichte lesen und auf sich wirken lassen. Da ich dazu nicht die Ruhe hatte (oder sie mir nicht genommen habe) konnte ich mit dem Buch über weite Teile nichts anfangen. Mal wieder habe ich gemerkt, dass ein Buch für mich "durchlesbar" sein muss.
Auch als Einstieg in das literarische Werk von Nagib Machfus eignen sich die Träume wohl eher wenig, allein durch die oben beschriebene Form. Ich werde mir also bei Gelegenheit lieber einen seiner zahlreichen Romane zu Gemüte führen.
Viele Grüße
Breña