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Autor Thema: Ferdinand von Schirach - Verbrechen  (Gelesen 5252 mal)

bella*

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Re: Ferdinand von Schirach - Verbrechen
« Antwort #30 am: 05. März 2011, 19:14:49 »

@ Doris: Ja, richtig, da gebe ich dir recht. Wobei ich bei ihm den Unterschied finde, dass es ja alles (angeblich zumindest) Fälle von ihm sind und dann ist das für mich irgendwie ein bisschen anders als bei einem normalen Krimi. Ich habe mir auch überlegt, dass er die Geschichten vielleicht nicht auf so eine juristische Ebene bringen wollte...aber naja, das weiß nur der Autor! ;)
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Tammy1982

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Re: Ferdinand von Schirach - Verbrechen
« Antwort #31 am: 05. März 2011, 22:34:42 »

Hallo Ihr Lieben,

"Verbrechen" habe ich zwar leider noch nicht von dem Herren von Schirach gelesen, aber ich habe "Schuld" als Hörbuch in ungekürzter Version gehabt und war auch sehr begeistert. Ich bin aber auch wie bella* ncht mit der Erwartung an das Buch gegangen, dass er viele juristische Details darstellt. Ich fand es auch sehr spannend, dass er mehr auf die Umstände der Tat, die Täter etc. eingeht und eigentlich keine Wertung abgibt. Jeder Leser kann sich selber überlegen, was "Recht" und "Unrecht" ist...

@*bella: Wenn du "Schuld" noch liest, wünsche ich dir auf jeden Fall viel Spaß dabei! Bin schon gespannt auf deine Meinung!

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
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bella*

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Re: Ferdinand von Schirach - Verbrechen
« Antwort #32 am: 06. März 2011, 02:31:12 »

Hallöchen,

@ Tammy: Hihi...ich habe gerade heute "Schuld" beendet und fand dieses Buch auch wieder klasse, wobei mir Verbrechen einbisschen besser gefallen hat. ;) Aber ich finde es bei beiden Büchern super, dass man sich im Endeffekt selbst seine Meinung bilden kann, was Schuld ist und was nicht. Ich kann natürlich nicht sagen, ob die Fälle alle real sind, aber ich gehe mal davon aus. Und gerade bei dem zweiten Buch gibt es ein paar doch interessante Fälle und wie manche Richter reagieren ist noch viel interessanter. ;)

Aber nochmal zu roulade, schade, dass du mit dem Buch nichts anfangen konntest und dich die erste Geschichte schon so abgeschreckt hat. Liest du denn sonst auch Krimis?

Liebe Grüße

bella*
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roulade

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Re: Ferdinand von Schirach - Verbrechen
« Antwort #33 am: 06. März 2011, 22:37:11 »



Aber nochmal zu roulade, schade, dass du mit dem Buch nichts anfangen konntest und dich die erste Geschichte schon so abgeschreckt hat. Liest du denn sonst auch Krimis?



Ich lese schon Krimis, aber seit der Geburt meiner Tochter(und das ist schon über ein Jahrzehnt her) habe ich eine schwache Stelle entwickelt, wenn es um Geschichten geht, die auch mir oder meinem erweiterten Umfeld passieren könnten. Also mit dem Blut und der Brutalität an und für sich habe ich keine Probleme, so lange sich das Gemetzel für meine Begriffe in den "Fantasy"-Bereich einordnen lässt.

Früher habe ich Thriller über ekelhafteste Serienmörder gelesen, heute tendiere ich eher zu Mma Ramotswe, wenn es unbedingt ein Krimi sein muss. :breitgrins:
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Ich bezeige, nach Hertzens-Aufrichtigkeit, dass ich mich glücklich schätze, mich mit Verehrung nennen zu dürfen und ersterbe,
Roulade

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Re: Ferdinand von Schirach - Verbrechen
« Antwort #34 am: 01. April 2011, 15:15:29 »

Aber seine Erklärungsversuche zu den psychologischen und sozialen Hintergründe der Täter empfand ich ich den meisten Fällen als sehr dürftig. Welchen Weg diese Menschen später genommen haben, wie sie mit ihrer Schuld umgehen, bleibt außen vor.

Da merkt man, dass er Anwalt und nicht Psychologe ist. Er reimt sich seine Analyse zusammen, wie wir das an seiner Stelle vielleicht auch tun würden und wenn der Fall abgeschlossen ist, kommt der Deckel drauf und gut ist. Der weitere Werdegang der Porträtierten hätte mich auch interessiert. Das fehlt in dem Buch, da gebe ich dir recht.

... sonst hat die Berichterstattung den faden Beigeschmack von Sensationsjournalismus.

Das empfinde ich nicht so. Man weiss ja nicht, wer die im Buch beschriebenen Leute sind. (Ich habe zwar nicht gegoogelt, aber ich nehme schon an, dass er die Namen und andere Merkmale, die die Leute identifizierbar machen, geändert hat.)
Sensationsjournalismus ist das höchstens in dem Sinne, dass hier auf unterhaltsame Weise die Härten der Unterwelt und die Fehlbarkeit des Menschen dargestellt werden. Unterhaltung, kreiert aus Elend... Wobei ich finde, dass von Schirach eine gute Balance zwischen süffigem und nüchternem Stil gefunden hat, um eben genau nicht in diese Falle zu tappen.


Meine Meinung:
Die Geschichten werden als wahr verkauft und sollen sich so zugetragen haben. Bei manchen Geschichten fiel es mir nicht schwer, das zu glauben. Bei anderen war ich ziemlich sicher, dass von Schirach sie zumindest ein wenig ausgeschmückt hat. Grundsätzlich halte ich allerdings jede dieser Geschichten für möglich. Ob von Schirach das jetzt wirklich alles selber erlebt hat, ist eigentlich egal. Viel wichtiger ist, dass er schreiben kann.

Stilistisch erinnern mich die kurzen Geschichten an eine Mischung aus der Erzählkunst von Alex Capus und der versteckten Bissigkeit von Martin Suter. Von Schirach beschreibt die Motivationen und Gedankengänge der (teilweise vermeintlichen) Kriminellen zwar sehr neutral, aber zwischen den Zeilen entdeckte ich immer wieder Hinweise darauf, dass er durchaus eine Meinung zum Treiben seiner Kundschaft hat. Ich dachte beim Lesen öfter, dass es fast ein Wunder ist, dass von Schirach im Umgang mit einigen der beschriebenen Menschen nicht zum Zyniker wurde oder den Beruf gewechselt hat.

Stattdessen scheint er immer noch ein engagierter Anwalt zu sein, der seinen Beruf ernst nimmt. Das zeigt sich auch darin, dass er sich nicht darauf beschränkt, nur ein paar süffige Geschichten zum Besten zu geben. An den passenden Stellen fügt er auch immer wieder kurze Exkurse über den Sinn und Zweck des Strafrechts ein. Gerade deshalb wünsche ich diesem Buch noch viel mehr Leser, als es bisher schon hatte. Dann würde dem einen oder anderen Stammtischbruder klar, dass man als Aussenstehender nicht vorschnell über vermeintlich milde Gerichtsurteile schimpfen muss. Denn erstens kennt man als Nicht-Beteiligter nie alle Fakten und zweitens dient ein Urteil der Strafe des Täters und nicht der Sühne des Opfers. (Ein gängiger Denkfehler, wie man den Leserbriefspalten jeder Zeitung entnehmen kann. Stichworte: «Kuscheljustiz» und «lebenslanges Leiden des Opfers». Letzteres ist zwar manchmal wahr, würde aber durch die lebenslange Wegschliessung des Täters auch nichts ändern.)

Trotzdem stehen die Mechanismen in der Justiz nicht im Vordergrund, sondern die Porträtierten und ihre Erlebnisse. Das Leben hat diese Geschichten geschrieben und mit Ferdinand von Schirach war glücklicherweise ein Chronist in der Nähe, der sie mit Sorgfalt und einer Prise Humor aufgezeichnet hat, ohne etwas zu beschönigen oder jemanden zu verurteilen.

Fazit:
Ein in mehrfacher Hinsicht wertvolles Buch, das erst noch sehr unterhaltsam (und ein bisschen erschreckend) ist. Empfehlenswert.


9 von 10 Punkten
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Tolpan

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Re: Ferdinand von Schirach - Verbrechen
« Antwort #35 am: 01. Januar 2012, 19:34:44 »

Ich habe dieses Buch noch im Dezember gelesen. Da es nicht viele Seiten hatte und bei den Kurzgeschichten auch großzügig Absätze gemacht wurden ließ es sich flott lesen. Es ist aber kein Buch, das ich "mal eben so" an einem Nachmittag lesen kann. Die Geschichten, die Herr von Schirach erzählt sollen ja wahr sein. Ich weiß nicht ob das stimmt, halte es aber nicht für unrealistisch. Bei einigen Ausschmückungen denke ich aber das der Autor sich da etwas zusammengereimt hat und nicht das er das alles so genau weiß / wußte. Der Stil ist sehr sachlich, nüchtern, präzise. Wie kam es zu der Tat, was waren die Hintergründe, wie kam es (evtl.) zu möglichen Strafen? Darüber schreibt Ferdinand von Schirach. Eine gewisse Einstellung gegenüber den einzelnen Fällen meine ich zwar herauslesen zu können, aber wirklich wertend ist das Buch nicht. Aber es zeigt eben das hinter jedem "Verbrechen" eine Geschichte steckt. Manche davon sind traurig, manche machen betroffen, andere lassen einem die Haare zu Berge stehen. Man kann sich seinen Teil selbst denken. Positiv finde ich außerdem das die Geschichten (Fälle) abwechslungsreich sind, da wurde gut ausgewählt. "Schuld" würde ich auch gerne lesen wenn ich ein wenig Abstand zu diesem Buch gewonnen habe.

Ich gebe dem Buch 4ratten.
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Avila

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Re: Ferdinand von Schirach - Verbrechen
« Antwort #36 am: 01. Januar 2012, 20:39:38 »

Eine gewisse Einstellung gegenüber den einzelnen Fällen meine ich zwar herauslesen zu können, aber wirklich wertend ist das Buch nicht. Aber es zeigt eben das hinter jedem "Verbrechen" eine Geschichte steckt.

Dadurch dass genau das gezeigt wird, relativiert sich ja ein Fall und so geht man auch mit einer anderen Einstellung an die Geschichte ran. Das ist mir auch aufgefallen und nochmals bewusst geworden, wie schwierig es teilweise ist, nach Recht und Unrecht zu kategorisieren. :rollen:
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Tolpan

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Re: Ferdinand von Schirach - Verbrechen
« Antwort #37 am: 01. Januar 2012, 21:11:25 »

In manchen Geschichten ist es in der Tat eine ziemliche Gratwanderung. Gut fand ich das der Autor teilweise noch einen kurzen Einschub gebracht hat z.B. über den Sinn der Strafe.
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Annabas

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Re: Ferdinand von Schirach - Verbrechen
« Antwort #38 am: 02. Februar 2012, 11:15:57 »

Hallo miteinander,
neulich im Kino habe ich eine Vorschau auf den neuen Film "Glück" von Doris Dörrie gesehen.
Hier wurde eine Kurzgeschichte aus dem Buch verfilmt - ich kann mir das zwar nicht so richtig vorstellen, wie man aus denen Filme mit über einer Stunde machen will, aber interessant finde ich es trotzdem.

Grüße von Annabas  :winken:
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Re: Ferdinand von Schirach - Verbrechen
« Antwort #39 am: 02. Februar 2012, 11:34:11 »

Hallöchen,

danke, Annabas, für die Info. Nachdem ich mir den Trailer angeschaut habe, weiß ich auch wieder um welche Kurzgeschichte es sich handelt. Ich bin ja mal gespannt, wielange der Film gehen soll...hmmm...;)

Liebe Grüße

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