Antje Babendererde - Indigosommer

Die fast 16jährige Smilla Rabe fährt für ein Jahr in die USA, nach Seattle zu einer Gastfamilie. Die Familie Turner, die zwei Kinder haben, Janice und Alec, sind mit Smillas Familie gut befreundet. Um sich an die neue Umgebung und Sprache zu gewöhnen, reist Smilla schon ein paar Wochen vor den Schulstart dorthin.
Als sie erfährt, dass Alec und Janice einen dreiwöchigen Urlaub in La Push verbringen wollen, möchte sie gerne mit und ist daher umso erfreuter, als Alecs Freund Josh sie einläd, mitzufahren. Insgesamt sind sie drei Jungs und 4 Mädchens, die fahren, wovon Smilla die Jüngste ist.
In La Push angekommen, merken sie sofort, dass sie dort nicht willkommen sind. Die Indianer sind sehr unfreundlich zu ihnen, da diese bisher schlechte Erfahrungen gemacht haben, aber auch die Touristen, die den Strand von La Push vermüllen und nur Alkohol trinken und Dorgen nehmen, sind mehr als abweisend zu den Menschen.
Während sich die Jugendlichen näher kommen und besonders Smilla versucht ein Teil der Gruppe zu werden, taucht plötzlich der Indianer Conrad auf, von dem sich Smilla sofort hingezogen fühlt.
Von Antje Babendererde habe ich vorher noch nichts gelesen und auch Indianer sind eigentlich nicht so ganz mein Thema, aber dennoch hat mich dieses Buch sehr gereizt. Allerdings muss ich sagen, dass es mich nicht so wirklich begeistern konnte.
Da ich bisher von den Ureinwohnern Amerikas und ihren Sitten/Bräuchen keine Ahunung hatte, fand ich es sehr schön, hier ein wenig darüber zu erfahren, sodass meine Neugier in diese Richtung auf alle Fälle geweckt wurde.
Allerdings finde ich es hier daher auch etwas schade, dass kein Nachwort vorhanden ist, indem eventuell noch mehr über die Quileute stehen könnte oder ein paar Quellen, die sie für die Recherche benutzt hat. Allerdings ist es nicht so schlimm, da ich ja auch auf eigener Faust danach suchen kann.
Die Geschichte spielt zwar zum großen Teil in La Push und auch Forks und daher weiß man, wenn auch nur vom Hören, dass genau dort auch “Twilight/ Biss zum Morgengrauen“ spielt. Einen Vergleich zwischen den beiden Büchern kann man sich, meiner Meinung nach, sparen, dazu sind sie eigentlich doch zu verschieden (bis auf die Liebesgeschichte und vielleicht auch die Namen der Protagonistinnen Bella Swan – Smilla Rabe (Raven) ). Aber nichtsdestotrotz fand ich es doch etwas nervig, dass als Twilight erwähnt wurde. Klar, ein oder zwei mal wären völlig in Ordnung gewesen, aber mir wurde es allmählich doch etwas zu viel.
Auch wenn ich den Werwolfmythos von La Push schon interessant fand.
Ein weiterer Punkt, der mich störte, waren die Personen. Smilla fährt zusammen mit den Turners Kindern Alec und Janice und deren Freunden Laura, Brandee, Marc und Josh nach La Push zum Surfen. Bereits Josh wird anfangs, wie ich finde, sehr negativ eingeführt und wirkt auch durchgehend wie ein Draufgänger, Macho, etc. Brandee dagegen ist das “Püppchen”, die sich eigentlich immer mehr als aufreizend anzieht und benimmt. Mark und Laura wirken dagegen eher blass und unscheinbar, sodass ich oft nicht daran gedacht habe, dass die beiden ja auch noch da sind. Janice versucht sich am meisten mit Smilla anzufreunden und Alec ist Smillas großer Beschützer. Zwar haben Alecs Eltern ihm eingetrichtert, gut auf Smilla aufzupassen, aber so locker wie die Gruppe mit Alkohol und Drogen umgeht, fand ich es schon etwas unglaubwürdig, wie Alec mit ihr dann umgegangen ist.
Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass Smilla die Heldin ist, die Einzige, die menschlich mit den Indianern umgeht und auch im Umgang mit Drogen und Alkohol eher zurückhaltend ist. Und daher ist es auch kein Wunder, dass Conrad sie mag, nachdem er erfährt, dass sie keine Amerikanerin, sondern Deutsche ist.
Conrad mochte ich vom Charakter her am meisten. Er wirkte auf mich, auch von seinem Handeln und inneren Konflikten her, am realistischsten.
Zum Ende hin hat mich vorallem dieses Lehrerhafte sehr gestört. Sicher, Drogen und Alkohol sind schlimm und die Gefahr, die davon ausgeht, darf man nicht unterschätzen, aber dennoch fand ich, besonders die Darstellung am Ende, mehr als übertrieben und hat mir das Buch auch etwas verleidet.
Auch war das Ende, bzw. wie es mit Smilla und Conrad ausgeht, sehr vorhersehbar, auch wenn “Indigosommer” lediglich ein Jugendbuch ist.
Der Schreibstil hingegen hat mir sehr gut gefallen, besonders wenn es um Beschreibungen der Natur, bzw. des Meeres ging. Auch die beschriebene Annäherung von Conrad und Smilla war schön zu lesen.
Nichtsdestotrotz bin ich von “Indigosommer” etwas enttäuscht. Eventuell liegt es auch einfach daran, dass ich bereits zu alt für dieses Buch bin, auch wenn ich noch oft Jugendbücher lese.
“Indigosommer” bietet dennoch eine nette Unterhaltung, die mich zwar nicht begeistern konnte, aber ich auch nicht bereut habe.
