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Autor Thema: [Pakistan] Mohammed Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos  (Gelesen 971 mal)

Aldawen

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Inhalt: Der Luftwaffen-Unteroffizier Ali Shigri weiß, daß er ein Problem hat, als sein Stubenkamerad Obaid morgens nicht in seinem Bett liegt. Und tatsächlich wird er befragt und gerät darüber in die Mühlen zwischen Militär und Geheimdienst, denn Obaid hat ein Flugzeug gestohlen, Shigris Kennung benutzt und wurde abgeschossen, wie man Shigri berichtet, der sich in der zweifelhaften „Gastfreundschaft“ von General Akhtars Männern wiederfindet. General Akhtar ist der zweitmächtigste Mann Pakistans hinter dem Militärdiktator Zia ul-Haq, und dieses „zweit“ stört ihn zunehmend. Zia ul-Haq wird nach Jahren an der Macht zunehmend paranoid, nur zu seinem persönlichen Leibwächter hat er noch so etwas ähnliches wie Vertrauen. Zias betonte Religiösität irritiert im Militärapparat auch viele hochrangige Leute, aber man nimmt es hin, solange es nicht als Gefahr empfunden wird. Der amerikanische Botschafter Arnold Raphel hat vor allem die Aufgabe, die pakistanische Unterstützung für die afghanischen Mudschahids gegen die Russen zu sichern. Bei einer Panzervorführung in der Wüste finden alle diese Menschen zusammen, bis auf Shigri besteigen sie alle das gleiche Flugzeug, die Pak One, für die Rückkehr nach Islamabad, und dieses Flugzeug stürzt kurz nach dem Start ab. Unfall? Attentat? Ein Fluch? Die Mangos?


Meine Meinung: Der Roman beginnt mit Shigris Rückblick auf diesen schicksalhaften Tag des Absturzes, daher weiß man von Beginn an, daß keiner der Flugzeuginsassen überlebt, und daß Shigri selbst nicht an Bord war, obwohl er das Flugzeug betrat. Von hier aus entwickelt sich rückblickend in zwei Erzählsträngen die Geschichte, wie es dazu kam. Während ein auktorialer Erzähler die Ereignisse um Zia ul-Haq, seinen Leibwächer, General Akhtar, den Botschafter usw. berichtet, erzählt Shigri seine Geschichte selbst, und dies wiederum auf zwei Zeitebenen: vor und nach Obaids Verschwinden. Dadurch mußte ich mir manches Mal bewußt klar machen, in welchem zeitlichem Verhältnis zueinander die berichteten Ereignissen standen, aber das war in Ordnung. Denn zum einen bekommt man auf diese Weise einen recht runden Überblick über die Gesamtgeschichte, aber die Zusammenhänge enthüllen sich nur stückchenweise und es gab immer noch mal wieder eine Wendung, die ich so nicht unbedingt auf der Rechnung hatte.

Weniger amüsant waren jene Szenen, die wahrscheinlich bei Romanen, deren Handlung unter solchem Regime angesiedelt ist, unvermeidlich sind: Verhaftung, Folter und Demütigung. Insgesamt nahm es hier aber bei weitem keinen so zentralen Raum ein, wie zum Beispiel in Sinan Antoons Irakische Rhapsodie, daher tat es dem Lesevergnügen auch keinen Abbruch, sondern war einfach etwas, das an dieser Stelle passend und in dieser Form zu erwarten war. Insgesamt hat Hanif mit diesem Roman eine herrliche Satire über eines der bis heute ungeklärten Rätsel der jüngeren pakistanischen Geschichte vorgelegt. Oder vielleicht ist es gar keine? Mir persönlich würde ja der Fluch als Grund am besten gefallen. Oder die Mangos. Aber was war es denn nun? Das verrate ich natürlich nicht   :zwinker:

 4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Schönen Gruß,
Aldawen

« Letzte Änderung: 21. Dezember 2009, 12:21:40 von Aldawen »
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Saltanah

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Antw:Mohammend Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #1 am: 14. August 2009, 14:04:25 »

dieses Flugzeug stürzt kurz nach dem Start ab. Unfall? Attentat? Ein Fluch? Die Mangos?

:lachen: Okay - um dieses Buch bin ich schon lange rumgeschlichen, aber nach diesen Fragen bleibt mir wohl nichts anderes mehr übrig, als es zu lesen.
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Aldawen

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Antw:Mohammend Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #2 am: 14. August 2009, 14:29:21 »

aber nach diesen Fragen bleibt mir wohl nichts anderes mehr übrig, als es zu lesen.

  :breitgrins: 

Es lohnt sich wirklich. Es stand auf der Longlist für den Man Booker Prize 2008 und hat außerdem dieses Jahr den Commonwealth Writers' Prize als Best First Book gewonnen. Ich kenne zwar die drei anderen Regionalsieger des CWP dieses Jahres nicht, aber völlig falsch kann die Entscheidung für diesen Roman m. E. nicht gewesen sein.

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Bettina

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Antw:Mohammend Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #3 am: 14. August 2009, 15:00:18 »

War das Dein Pakistan-Buch für die Weltreise?
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Aldawen

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Antw:Mohammend Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #4 am: 14. August 2009, 15:09:30 »

Nein, für die Weltreise hatte ich schon Schwarze Notizen von Saadat Hassan Manto gelesen, und zwischen diesen war ich noch zwei weitere Male in dem Land. Aber für die 1 Jahr=1 Land-Challenge bei den Bookcrossern brauche ich ja auch immer fünf Bücher. Der (vorerst) letzte Autor aus Pakistan wird wohl Tariq Ali werden.
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Antw:Mohammend Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #5 am: 14. August 2009, 15:13:24 »

Wieder mal ein Buch, dass sich auf meine Wunschliste geschlichen hat  :rollen: Aber Pakistan habe ich noch nicht bereist, also ist das schon ok so. Ich werde dann wohl auf die englische Ausgabe zurückgreifen müssen, 22,80€ kann ich mir beim besten Willen nicht leisten :ohnmacht:

Korrigierst du vielleicht noch den Namen im Betreff, da hat sich im Vornamen ein n eingeschlichen!
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Aldawen

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Antw:Mohammed Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #6 am: 14. August 2009, 15:19:44 »

Korrigierst du vielleicht noch den Namen im Betreff, da hat sich im Vornamen ein n eingeschlichen!

Danke für den Hinweis, hab's gerade korrigiert.
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Bettina

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Antw:Mohammend Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #7 am: 14. August 2009, 15:33:51 »

Nein, für die Weltreise hatte ich schon Schwarze Notizen von Saadat Hassan Manto gelesen, und zwischen diesen war ich noch zwei weitere Male in dem Land. Aber für die 1 Jahr=1 Land-Challenge bei den Bookcrossern brauche ich ja auch immer fünf Bücher. Der (vorerst) letzte Autor aus Pakistan wird wohl Tariq Ali werden.

Machst Du eine neue? Ich war gerade auf Deinem BC-Profil und habe nichts gefunden :gruebel:


Wieder mal ein Buch, dass sich auf meine Wunschliste geschlichen hat  :rollen:
:fluch: das ist ein :herde:
« Letzte Änderung: 14. August 2009, 15:37:54 von Bettina »
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Antw:Mohammend Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #8 am: 14. August 2009, 16:13:31 »

Machst Du eine neue? Ich war gerade auf Deinem BC-Profil und habe nichts gefunden :gruebel:

Neue? Es gab 2006 die 5-5-5-Challenge, die aber zeitlich auf das Jahr beschränkt war. Daß ich davon erzählt habe, war der Auslöser für die hiesige Weltreise. Die 1 Jahr-1 Land-Challenge zählt alle Bücher, die ab 2007 gelesen wurden, da gibt's aber eine eigene Website für: http://tanjaweb.opwiki.org/
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Bettina

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Antw:Mohammed Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #9 am: 14. August 2009, 16:27:32 »

Aha, mich hatte der Satz irritiert Aber für die 1 Jahr=1 Land-Challenge bei den Bookcrossern brauche ich ja auch immer fünf Bücher. Da dachte ich an Wilderes und eine Neuauflage des Projekts.
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Antw:Mohammed Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #10 am: 14. August 2009, 16:30:29 »

Ich finde das auch so wild genug   :breitgrins:
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Antw:Mohammend Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #11 am: 18. August 2009, 12:27:39 »

[quote

Wieder mal ein Buch, dass sich auf meine Wunschliste geschlichen hat  :rollen:
:fluch: das ist ein :herde:
[/quote]

Da kann ich mich Bettina nur anschließen  - schon wieder was für die Wunschliste und wer ist schuld?? :breitgrins: :fluch:
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Aldawen

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Antw:Mohammend Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #12 am: 18. August 2009, 12:30:25 »

schon wieder was für die Wunschliste und wer ist schuld??

Ich weiß gar nicht, was Du meinst  :unschuldig:   :breitgrins:
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Antw:Mohammed Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #13 am: 18. August 2009, 13:51:22 »

Zum Glück (auch für meinen Geldbeutel) haben wir nicht so oft den gleichen Geschmack  :zwinker:
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Re: [Pakistan] Mohammed Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
« Antwort #14 am: 23. Juni 2010, 09:18:03 »

Zum Inhalt gibt es gar nicht mehr zu sagen, den hat Aldawen schon sehr schön zusammengefasst.

Ali Shigris Erzählstrang fand ich fast durchweg amüsant und interessant zu lesen. Er erzählt von seinem Vater, seiner bisherigen Laufbahn in der Armee, aber auch von den Ereignissen, die dem Verschwinden seines Zimmergenossen Obaid folgen. Seine Geschichte erzählt er selbst und dies tut er in einem durchwegs ironischen Tonfall. So hat man - obwohl die Geschichte alles andere als lustig ist - doch immer wieder was zu lachen.

Den zweiten Erzählstrang um General Akhtar, den Diktator Zia und andere Personen, die noch irgendwie an der Geschichte und dem Flugzeugabsturz beteiligt sind, habe ich hingegen eher ungern gelesen. Ich hatte nicht erwartet, dass das Militär so sehr im Mittelpunkt der Geschichte stehen würden. Es hat mich unendlich gelangweilt, dem Tagesablauf eines paranoiden, fanatischen Diktators beizuwohnen und die Intrigen und Machtspielchen um ihn herum bis ins kleinste Detail zu verfolgen.

Auch die Erzählstruktur hat es mir nicht unbedingt leicht gemacht. Aldawen hat ja schon die vielen Zeitsprünge erwähnt, Ali Shigri springt wie wild in der Zeit herum mit seiner Erzählung und dazwischen muss man auch noch die Geschichten der anderen Personen einordnen. Dies ist vielleicht möglich, wenn man das Buch über einen kurzen Zeitraum liest. Wenn allerdings größere Abstände entstehen, bis man das Buch wieder zur Hand nimmt, tut man sich zunehmend schwer, alles in einen Zusammenhang zu bringen.

Gut gefallen hat mir hingegen das Ende. Dass das Flugzeug abstürzen wird, weiß man schon von der ersten Seite weg, aber es ist am Ende trotzdem faszinierend und interessant, wie die Erzählstränge sich ergänzen und sich alles irgendwie zusammenfügt.

Das Buch an sich ist nicht schlecht, ich hatte nur etwas andere Erwartungen und konnte mich teilweise nicht so auf das Buch konzentrieren, wie ich es gerne gewollt hätte bzw. wie vielleicht nötig gewesen wäre. Deshalb von mir nur
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