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Autor Thema: Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten  (Gelesen 4209 mal)

Saltanah

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Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« am: 11. August 2009, 19:42:18 »



Inhalt:
Hermann A. Schlögl beschreibt in dieser eindrucksvollen histoire totale die Geschichte des Alten Ägypten von den ersten archäologischen Funden bis zu Kleopatra. Er setzt auf meisterhafte Weise Politik, Religion und Kultur in Beziehung zueinander und berücksichtigt dabei auch bisher vernachlässigte Bereiche wie die Geschichte der Medizin, des Theaters und des Bildungswesens. Damit liegt nach langer Zeit wieder eine umfassende Gesamtdarstellung des Alten Ägypten auf dem neuesten Forschungsstand vor. Das Alte Ägypten fasziniert durch seine monumentalen Bauten und anrührenden Kunstwerke, eine unermeßliche schriftliche Hinterlassenschaft, seine geheimnisvolle Religion und nicht zuletzt durch seine lange Dauer. Hermann A. Schlögl beschreibt, was wir über die früheste Dynastie am Nil wissen und wie sich schon im vierten Jahrtausend v. Chr. die Konstanten der ägyptischen Geschichte, die Macht der Pharaonen und die Totenreligion, herausbildeten. Daß die Kulturgeschichte Ägyptens trotz dieser Konstanten außerordentlich wechselvoll und vielfältig war, wird in diesem Buch eindrucksvoll vor Augen geführt. Das gilt etwa für die Literaturgeschichte mit ihren unterschiedlichen Genres und erstaunlich modern anmutenden, auf das Individuum bezogenen Texten während des Mittleren Reichs. Der religiöse Umsturz Echnatons während des Neuen Reichs wurde, wie neueste Funde zeigen, doch nicht so einschneidend beendet wie bisher angenommen. Und in der Zeit der Ramessiden änderte sich mit den Gräbern im Tal der Könige die Bestattungskultur fundamental. Hermann A. Schlögl gelingt es durch seine außergewöhnliche Vertrautheit mit der ägyptischen Literatur, ein neues Bild vom Alten Ägypten zu zeichnen. Neue Einblicke vermitteln auch die zahlreichen sorgfältig ausgewählten Abbildungen.

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Annabas

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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #1 am: 11. August 2009, 21:40:20 »

Hallo miteinander, endlich geht’s los!   :klatschen:

Also:

Heute morgen habe ich schon beim Frühstück ein bisschen in das Buch gekrümelt, mir nochmal die Gliederung angeschaut und das Vorwort gelesen.

Mir erscheint die Gliederung sehr übersichtlich: Karten, eine chronologische Übersicht, Personen-, Orts- und Sachregister, alles vorhanden. Ich denke, ich werde damit gut zurecht kommen und sicher das meiste finden, wenn ich mal zurückblättern muss, um Einzelheiten nochmal genauer zu lesen.

Das Vorwort ist angenehm kurz und doch sehr informativ. Tatsächlich fühle ich mich gleich ertappt: das Alte Ägypten ist auch bei mir mit Architektur und Plastik verbunden, gar nicht mit Literatur. Letzteres ist also für mich völlig neu und ich bin schon gespannt, was ich in diesem Buch erfahren werde.

Schlögl erwähnt im Vorwort die „auf Ewigkeit ausgerichtete Weltordnung“, aus heutiger Sicht erscheint mir so eine Sicht fast vermessen. Andererseits bildet sich immerhin mehrere Tausend Jahre nach dem Alten Ägypten bei uns noch eine Leserunde, welche sich mit dieser Kultur auseinandersetzen wollen – also doch ewig gültig? :zwinker:

Interessant ist auch, dass Schlögl im Vorwort auf das Dilemma der Archäologie zu sprechen kommt: „Neue Funde können einen Befund stark korrigieren.“ Das ist das Problem einer Wissenschaft, die sich eben nicht nur auf Fakten/Funde stützt, sondern ebenso stark auf das Fehlen von Funden im Sinne von: wo nichts gefunden wird, hat auch nichts existiert. Wer die Geschichte des Fundes der „Himmelsscheibe von Nebra“ in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß, was ich meine.

Vorhin habe ich dann auch noch das erste Kapitel gelesen. Hier wird mir eine ganze Menge Theorie geboten – ich weiß nicht, was ich mir jetzt alles merken soll und hoffe, dass im folgenden Text die wichtigen Sachen noch einmal kurz erklärt werden, damit ich einen Zusammenhang herstellen kann.

Interessant war für mich die Bedeutung, welche der Nil für die Entwicklung zur Hochkultur hatte. Eigentlich ist das logisch, aber ich hatte es noch nie aus diesem Blickwinkel gesehen.

Und gleich ging’s zu den ersten schriftlichen Hinterlassenschaften: Die auf Seite 20-22 abgedruckten Texte erscheinen erstaunlich aktuell. Besonders bei dem Text auf Seite 21 musste ich an den heutigen Jugendkult denken – der ist wohl keine Erfindung der Neuzeit.

Ganz besonders interessiert hat mich die auf Seite 23 beschriebene Theorie der zwei Ewigkeiten – dass es eine lineare und eine zyklische Ewigkeit gibt. Ich hoffe, im Lauf des Buches noch mehr darüber zu erfahren!

Tausend Götter! Die zu katalogisieren war sicher keine leichte Arbeit. Und sogar einen Duftgott gab es, verantwortlich für das königliche Hofparfum (Seite 43)! Den werde ich mal rufen, wenn ich bei großer Hitze mal wieder U-Bahn fahren muss ... :rollen: Aber Spaß beiseite, die abgebildete Übersicht der „Hauptgötter“ ist sehr hilfreich.

Und noch ein Punkt, der mir im Gedächtnis geblieben ist: „In der Glaubenswelt der Ägypter halten Sprache und das geschriebene Wort die Welt zusammen.“ Das ist wirklich sehr verwandt mit „Am Anfang war das Wort“. (Seite 43)

Die Beschreibung des Totenbuches und der unterschiedlichen Versionen für Fußvolk und Pharaonen zeigt auch, dass die Ägypter hier eine durchaus pragmatische Einstellung hatten. (Seite 52)
Das Fußvolk sagt „Ich habe nicht getötet“,
der Pharao sagt „Ich habe nicht ohne Grund getötet“.   :breitgrins:

Dann bin ich mal gespannt auf eure Eindrücke.

Grüße von Annabas :winken:
« Letzte Änderung: 11. August 2009, 21:44:15 von Annabas »
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Liandra

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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #2 am: 11. August 2009, 22:05:14 »

Ich bin eigentlich erst  mitten  im ersten Kapitel, doch mir gefällt die Art, wie Schlögl beschreibt, recht gut. Er versucht, einen Überblick zu geben und baut auch alte Übersetzungen mit ein, wie z.B. der alte Papyrus zum Thema ideale Lebenszeit.

Der Aufbau des Buches gefällt mir, schon alleine die Überschriften der einzelnen Kapitel sind aussagekräftig und halten hoffentlich das, was sie versprechen!

Auch die chronologische Übersicht und die Literaturangaben machen einen guten Eindruck. Überhaupt sieht es so aus, als ob der Anhang mit viel Sorgfalt - und in dem Sinne auch den gesamten Inhalt des Buches - aufbereitet wurde. Oder vielleicht schieße ich da über´s Ziel hinaus?

Der erste Satz auf S. 21 des Textes zu den Werten hat mir gefallen:

„Berate dich mit dem Weisen wie mit dem Unwissenden, denn nie erreicht man die Grenzen der Kunst“.

Ganz besonders interessiert hat mich die auf Seite 23 beschriebene Theorie der zwei Ewigkeiten – dass es eine lineare und eine zyklische Ewigkeit gibt. Ich hoffe, im Lauf des Buches noch mehr darüber zu erfahren!
Ja, da bin ich auch gespannt!

Bei den Göttern bin ich noch nicht angelangt, aber ich mache mich gleich auf den Weg dorthin!  :smile:

LG
Liandra
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insekt

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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #3 am: 12. August 2009, 16:31:06 »

Na da ist er ja... :smile:

Ich hab mich bis Seite 64 durchgeschlagen und stimme Annabas absolut zu. Viel Theorie! :smile:

Im Vorwort war dann auch die "Entschuldigung" warum das Buch nur S/W Bilder enthält:
Zitat
Da dieses Buch den vielen farbigen Bildbänden zum alten Ägypten keinen weiteren hinzufügen will, werden die Abbildungen bewusst s/w wiedergegeben.
:breitgrins: Ja, ja. Ich glaube eher das das eine Kostenfrage in der Buchherstellung ist. :zwinker:

Das Bild auf Seite 17 auf dem man die überfluteten Memnon Kolosse sieht fand ich sehr interessant. Ich hab die letztes Jahr in Natura gesehen und finde das sehr witzig mir vorzustellen das die mal im Wasser standen.

Darüber das die Ägypter Holz importiert haben für ihren Schiffbau hatte ich noch nie nachgedacht. Klar das die Schiffe gebaut haben. Für ihren Karnak Tempel hatten sie ja die Steine Kilometer weiter südlich hergestellt und per Boot hochgeschifft, aber darüber wo sie das ganze Holz herbekamen hab ich mir nie Gedanken gemacht.

Die ideale Lebenzeit für die Ägypter fand ich stark. 110 Jahre! :breitgrins: Juhu! Wer will denn so alt werden? :zwinker:

Als ich Ptahhotep gelesen habe musste ich an Lovecraft denken. :zwinker: Der benutzte auch immer solch leicht lesbare Namen. Cthulhu, Ghatanothoa, Nyarlathotep, Tsathoggua... Anderes Thema. :wegrenn:

Was ich sehr spannend fand war das die Ägypter bereits ein Jahr mit 365 Tagen und 4 Jahreszeiten hatten. Wie die Mayas! Wer war wohl zuerst? Und wie haben die Ägypter das gemacht? Ich hoffe darüber kommt noch was.

Im Kapitel "Ägyptologie - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" wurden mal wieder nur "ausländische" Forscher gelistet. Ist wahrscheinlich so ein allgemeines Ding. Bei den Mayas waren es ja auch nicht die Einheimischen die damit anfingen. Schade eigentlich, aber woran das wohl liegt? Als ich letztes Jahr in Ägypten war hatte ich auch das Gefühl das es die Einheimischen eigentlich nur des Geldes wegen Interessiert was sie da so in der Wüste stehen haben. Schade eigentlich.

Die Ägyptische Maxime über das Bestehende hinauszugehen finde ich super. Sollte man sich mal für sich selbst vornehmen! :zwinker:

Auf Seite 50 dann wieder DER Spruch:
Zitat
Kein Volk hat sich mehr mit dem Tod beschäftigt als die Ägypter.
Ach ja... Mir fallen da die Mayas ein. Mal wieder... :breitgrins: Wer nun wirklich MEHR war / hatte wird man wohl nicht sagen können, denn wie bereits festgestellt - In der Archäologie gibt es viele Missverständnisse & "Updates".

Mal was gaaanz was anderes. Man unterhält sich mit 10 Menschen und bekommt 10 verschiedene Sprechweisen zu Ägypten. Dialektabhänig? Vielleicht! Aber vielen sagen entweder Ägipten, oder Ägüpten. Was ist denn nun richtig? Und wie sagt ihr denn?

gruss
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Annabas

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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #4 am: 12. August 2009, 20:12:12 »

Hallo miteinander,

Die ideale Lebenzeit für die Ägypter fand ich stark. 110 Jahre! :breitgrins: Juhu! Wer will denn so alt werden? :zwinker:
Naja, man muss ich ja mal ein Ziel setzen ... nur, dass dieses weit von der Realität weg war, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung um 35 Jahre war.

Was ich sehr spannend fand war das die Ägypter bereits ein Jahr mit 365 Tagen und 4 Jahreszeiten hatten. Wie die Mayas! Wer war wohl zuerst?
Ich glaube nicht, dass das jemals jemand rauskriegen könnte.

Als ich letztes Jahr in Ägypten war hatte ich auch das Gefühl das es die Einheimischen eigentlich nur des Geldes wegen Interessiert was sie da so in der Wüste stehen haben. Schade eigentlich.
Ich denke das liegt daran, dass die weiter weg liegenden Ziele immer interessanter und "besser" erscheinen als das, was man vor der Haustür findet und neben dem man aufgewachsen ist. Wieviele Leute schwärmen von der Landschaft in Neuseeland - dabei ist sie der europäischen sehr ähnlich. Oder wenn ich meiner Tante (lebt in Kalifornien) erzähle, dass ich gerne mal den Indian Summer in USA erleben möchte, dann fragt sie mich ganz irritiert: "Wieso das denn, das hast du doch daheim genauso?" :breitgrins:

Mal was gaaanz was anderes. Man unterhält sich mit 10 Menschen und bekommt 10 verschiedene Sprechweisen zu Ägypten. Dialektabhänig? Vielleicht! Aber vielen sagen entweder Ägipten, oder Ägüpten. Was ist denn nun richtig? Und wie sagt ihr denn?
Ich kenne die Version Ägüpten. Auf schwäbisch Egibde. :zwinker:
Haben wir hier noch andere Dialektversionen?

Grüße von Annabas  :winken:
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Annabas

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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #5 am: 12. August 2009, 21:40:06 »

Hallo miteinander,

die nächsten beiden Kapitel sind kurz, so dass ich beide heute noch lesen konnte.

Im zweiten Kapitel geht es um die ägyptische Vor- und Frühzeit – einer Zeit, der ich bisher keinerlei Aufmerksamkeit gewidmet habe. Die Beschreibung und Deutung der „Narmerpalette“ fand ich wirklich interessant, mit so einer Erklärung schaut man sich die Bilder doch gleich ganz anders an! Zimperlich waren die damaligen Könige auch nicht, was die abgebildeten abgeschlagenen Köpfe etc. angeht – für die Bildung des ersten (bisher bekannten :zwinker: ) Territorialstaates wurden die Opfer in Kauf genommen. Wie stand es in einem der vorigen Kapitel zum Totenbuch – „Ich habe nicht ohne Grund getötet.“ :rollen:

Ärgerlich ist natürlich die Im dritten Kapitel noch einmal beschriebene Tatsache, dass die frühe Archäologie eher eine Schatzsuche war. Schlögl bringt ein Beispiel, in dem wichtige Funde verbrannt oder zerstört wurden, nur um den Wert anderer Funde zu steigern. :grmpf: Unmöglich! Hier zeigt sich auch eine unglaubliche Arroganz und Respektlosigkeit der frühen „Archäologen“ ihren eigenen Funden gegenüber.

Das hier beschriebene „Totengeleit“ ist aus heutiger Sicht eher gruselig – dass Diener und Haremsdamen dem König in den Tod folgen mussten. Bah, ich frage mich manchmal schon, zu welchen Szenen das geführt haben mag ...

Und Steuern gab es auch schon – das ist wohl eine der frühesten Erfindungen der Menschheit. :breitgrins:

Bisher liest sich das Buch recht gut. Es ist flüssig geschrieben und obwohl der Text sehr viele Informationen enthält, erscheint er mir nicht trocken oder oberlehrerhaft. Manchmal erscheint mir die Aufzählung der verschiedenen, aufeinander folgenden Herrscher etwas übergenau, aber vielleicht gibt sich das noch, wenn wir mal in Zeiten ankommen, wo es mehr Funde und daher auch mehr zu berichten gibt.

Und irgendwie kann ich es nicht verhindern, dass mir ständig die Bilder aus dem Film „Die Mumie“ im Kopf herumspuken ...

Weiterlesen kann ich erst am Freitag, bis dann,
Grüße von Annabas :winken:
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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #6 am: 12. August 2009, 22:42:38 »

Hallo zusammen,

ich habe heute das 1. Kapitel beendet und mir gefällt das Buch bisher wirklich gut. Vor allem das Einbeziehen alter Texte etc. finde ich sehr gelungen.

Schlögl erwähnt im Vorwort die „auf Ewigkeit ausgerichtete Weltordnung“, aus heutiger Sicht erscheint mir so eine Sicht fast vermessen. Andererseits bildet sich immerhin mehrere Tausend Jahre nach dem Alten Ägypten bei uns noch eine Leserunde, welche sich mit dieser Kultur auseinandersetzen wollen – also doch ewig gültig? :zwinker:

Ich finde diese Behauptung eigentlich nicht vermessen. Das Ägyptische Reich hat, salopp gesagt, 4000 Jahre bestanden - welches Reich, welcher Staat etc. kann das von sich behaupten? Dass die Ägypter nach einigen tausend Jahren ihre "Weltordnung" für ewig dauernd angesehen haben, kann ich mir da schon vorstellen... Und ich glaube auch, Schlögl meinte mit seiner Aussage, dass die alten Ägypter dies selber von ihrer Weltordnung etc. dachten.

Zitat
Und gleich ging’s zu den ersten schriftlichen Hinterlassenschaften: Die auf Seite 20-22 abgedruckten Texte erscheinen erstaunlich aktuell. Besonders bei dem Text auf Seite 21 musste ich an den heutigen Jugendkult denken – der ist wohl keine Erfindung der Neuzeit.

Ich empfinde nicht nur die abgedruckten Texte aktuell, sondern auch die Lebensweise der alten Ägypter unglaublich zeitgemäß: Es gab Schulen, rechtlich waren Frauen und Männer gleichgestellt, die Arbeitssituation glich einem Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis und im Grunde war Ägypten ein 'Beamtenstaat'. Ich war wirklich erstaunt, ein so 'modernes' Reich kennenzulernen. Beeindruckt haben mich in diesem Zusammenhang auch ihre 'Ansichten', vor allem dass das Ziel ihres Daseins das "Verwirklichen der Maat" (S. 44), d.h. das Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit war. Im Grunde ist das eine rechtliche Verankerung von Gerechtigkeit - beeindruckend!

Zitat
Und noch ein Punkt, der mir im Gedächtnis geblieben ist: „In der Glaubenswelt der Ägypter halten Sprache und das geschriebene Wort die Welt zusammen.“ Das ist wirklich sehr verwandt mit „Am Anfang war das Wort“. (Seite 43)
Es klingt auch noch schön. Sehr schön finde ich auch die Idee, "daß die Welt durch die Magie des Wortes" (S. 37) entstand.

Wie gesagt, mir gefällt das Buch bis jetzt sehr gut. Es gibt viele Informationen, reichlich Überraschungen und faszinierende Details. Die wenigen schwarz-weiß Bilder stören mich im Grunde auch nicht – der Text ist gut verständlich, sehr anschaulich und die eingefügten Zitate und Übersetzungen machen das Fehlen von bunten Bildchen allemal wett.

Bis bald,
bimo
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bibliomonster

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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #7 am: 12. August 2009, 22:55:21 »

Im Kapitel "Ägyptologie - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" wurden mal wieder nur "ausländische" Forscher gelistet. Ist wahrscheinlich so ein allgemeines Ding. Bei den Mayas waren es ja auch nicht die Einheimischen die damit anfingen. Schade eigentlich, aber woran das wohl liegt? Als ich letztes Jahr in Ägypten war hatte ich auch das Gefühl das es die Einheimischen eigentlich nur des Geldes wegen Interessiert was sie da so in der Wüste stehen haben. Schade eigentlich.

Als die Ägyptologie begann, hatten die Ägypter genau so wenig Ahnung von den Hieroglyphen wie der Rest der Welt. Warum aber die Europäer mit der Ägyptologie begonnen haben? Keine Ahnung. Vielleicht lag es einfach an dem Forschungsdrang der damaligen Zeit. Heute ist es zumindest etwas anders. Man denke nur an den Leiter des Ägyptischen Museums in Kairo, den ich schon einige Male in Dokus gesehen habe (vor einigen Jahren hat er live einen Sarkophag geöffnet; er plädierte auch dafür, die Büste der Nofretete wieder nach Ägypten zu bringen).

Das eigentliche "wieso" und "warum" können wir natürlich nicht mehr eindeutig beantworten. Es ist halt ein Phänomen der Zeit, dass ein Volk seine Vergangenheit 'vergessen hat', bzw. dazu gezwungen wurde diese zu vergessen und eine andere Kultur diese erst wieder - auch für das einheimische Volk selbst - neu entdeckt.
« Letzte Änderung: 12. August 2009, 23:01:08 von bibliomonster »
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Myriel

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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #8 am: 13. August 2009, 14:30:55 »

Wow, ihr legt ja ein Tempo vor.  :entsetzt:

Mittlerweile habe ich das Vorwort und die ersten beiden Abschnitte vom 1. Kapitel gelesen. Bisher ist es eine ziemlich geraffte Darstellung, aber das soll wohl nur klar machen, auf was man sich mit diesem Buch einlässt. Ich bin daher zuversichtlich, dass das alles noch ausführlicher in den nächsten Kapiteln dargestellt wird.

Die Erklärung für die schwarz-weiß Abbildungen fand ich übrigens okay. Sicherlich wären Farbfotos schöner gewesen, aber damit wäre das Buch bestimmt teurer geworden. Und wenn man mag, dann kann man sich immer noch einen Bildband als Ergänzung kaufen.  :zwinker:

Was ich sehr spannend fand war das die Ägypter bereits ein Jahr mit 365 Tagen und 4 Jahreszeiten hatten.
Waren das wirklich 4 Jahreszeiten? Es ging doch um ein Jahr mit 365 1/4 Tagen und 3 Jahreszeiten? Ich hab das Buch gerade nicht da, aber es waren doch 2 "normale" Jahreszeiten (Winter und ?) und "Überschwemmung", oder?

ich habe heute das 1. Kapitel beendet und mir gefällt das Buch bisher wirklich gut. Vor allem das Einbeziehen alter Texte etc. finde ich sehr gelungen.
Das 1. Kapitel habe ich zwar noch nicht geschafft, aber mir gefällt das Buch bisher auch gut. Die alten Gedichte und Texte finde ich dabei überraschend gut zu lesen. Das mag bestimmt auch an der Übertragung liegen, aber es macht mir die alten Ägypter auf jeden Fall sympathisch. Und 110 Jahre alt würde ich auch gerne werden - und dabei noch fit wie ein Turnschuh bleiben.  :zwinker:

Mehr gibt von mir leider noch nicht, ich muss erstmal weiter lesen.  :winken:
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insekt

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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #9 am: 13. August 2009, 17:07:23 »

@Myriel: Du hast recht! Es waren 3 Jahreszeiten. Sorry... Überschwemmung, Sommer & Winter. :redface:

Ich denke das liegt daran, dass die weiter weg liegenden Ziele immer interessanter und "besser" erscheinen als das, was man vor der Haustür findet und neben dem man aufgewachsen ist. Wieviele Leute schwärmen von der Landschaft in Neuseeland - dabei ist sie der europäischen sehr ähnlich. Oder wenn ich meiner Tante (lebt in Kalifornien) erzähle, dass ich gerne mal den Indian Summer in USA erleben möchte, dann fragt sie mich ganz irritiert: "Wieso das denn, das hast du doch daheim genauso?" :breitgrins:
Das Stimmt wahrscheinlich schon. Ich denke auch das der Großteil der Bevölkerung (egal wo) sich einfach nicht für solche Dinge interessiert.

Man denke nur an den Leiter des Ägyptischen Museums in Kairo, den ich schon einige Male in Dokus gesehen habe (vor einigen Jahren hat er live einen Sarkophag geöffnet; er plädierte auch dafür, die Büste der Nofretete wieder nach Ägypten zu bringen).
Ob er dafür plädiert weil sie nach Ägypten gehört, oder weil es besser für ihn wäre, weil damit auch die Touristen die sie sehen wollen zu ihm ins Museum müssen. Ich denke bei dem ganzen steckt auch viel $$$ dahinter. Ich würde solche Wertvollen Gegenstände so wenig wie möglich transportieren, damit sie eben für die Nachwelt erhalten bleiben.

Ich hab gestern noch ein bissel weiter lesen können und bin jetzt bis Seite 101 vorgedrungen und ich muss Annabas absolut zustimmen...
Ärgerlich ist natürlich die Im dritten Kapitel noch einmal beschriebene Tatsache, dass die frühe Archäologie eher eine Schatzsuche war. Schlögl bringt ein Beispiel, in dem wichtige Funde verbrannt oder zerstört wurden, nur um den Wert anderer Funde zu steigern. :grmpf: Unmöglich! Hier zeigt sich auch eine unglaubliche Arroganz und Respektlosigkeit der frühen „Archäologen“ ihren eigenen Funden gegenüber.
Da dacht ich auch nur: Die spinnen die "Archäologen"! Emile Amelineau hieß der Typ...

Das Kapitel über die Pyramiden hat mir sehr gut gefallen und war ein wirkliches Hoch nach dem vorigen Kapitel das mir doch zu sehr ins Detail ging. Wer soll sich das denn alles behalten? Egal... Mal wieder erstaunt war ich wie hoch die Pyramiden doch so sind. Heute noch bis zu 147 Meter (Horizont  des Cheops) hoch. Der Wahnsinn!

Die Sphinx wurde auch angesprochen. Hat jemand von euch den Bericht über die Sphinx bei Galileo gesehen? Oder war das Welt der Wunder? Ach, da blickt doch keiner mehr durch. :grmpf: Egal. Auf jeden Fall hatten die da irgendwie behauptet das die Sphinx von einem Volk vor den Ägyptern oder so erbaut sein muss. Ich hab das ganze nur nebenbei geschaut beim Kochen deshalb bin ich mir nicht sicher wer wie wo was die genannt haben. Hat das einer von euch vielleicht gesehen? Ich will nicht dumm sterben! :heul:
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Liandra

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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #10 am: 13. August 2009, 22:54:28 »

Ich empfinde nicht nur die abgedruckten Texte aktuell, sondern auch die Lebensweise der alten Ägypter unglaublich zeitgemäß: Es gab Schulen, rechtlich waren Frauen und Männer gleichgestellt, die Arbeitssituation glich einem Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis und im Grunde war Ägypten ein 'Beamtenstaat'. Ich war wirklich erstaunt, ein so 'modernes' Reich kennenzulernen. Beeindruckt haben mich in diesem Zusammenhang auch ihre 'Ansichten', vor allem dass das Ziel ihres Daseins das "Verwirklichen der Maat" (S. 44), d.h. das Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit war. Im Grunde ist das eine rechtliche Verankerung von Gerechtigkeit - beeindruckend!


Ja, die Grundgedanken hören sich wirklich gut an! (Der Smiley ist wirklich klasse!  :breitgrins: )

*Hach* - heute bin ich nicht sehr viel zum Lesen gekommen !

Die Bedeutung des Skarabäus war mir eigentlich schon klar, allerdings wundere ich mich immer wieder mal, wie die Ägypter – und im allgemeinen die Menschen –so eine „Kleinigkeit“ (das meine ich nicht im Sinne von wertlos) zu so einer großen Bedeutung bringen.

Schmetterlinge würden auf eine andere Art sich ja auch anbieten – wegen der Verpuppung – aber ich weiß nicht, ob die in irgendeiner Kultur eine große Bedeutung erhalten haben. Weiß das jemand?
Hat euch die „Negade-Zeit“ vorher irgendwas gesagt? Ich habe diesen Begriff noch nie gehört. Anhand der Keramik wurden diese Zeitabschnitte eingeteilt. Die Badari – Kultur und die Negade – Zeit waren wohl die Vorläufer der ägyptischen Kultur.

LG
Liandra

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insekt

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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #11 am: 15. August 2009, 17:53:54 »

Hi,

Ich hab noch ein wenig weiter gelesen (bin jetzt auf Seite 169). Die letzten Kapitel fand ich sehr gut, besonders "Das symphonische Ägypten" hat mir gut gefallen. Was aber leider auch viel zu kurz war. :sauer: Die Musik interessiert mich doch sehr. Hat da jemand einen Musik Tipp, ägyptischer Musik? Ich hab da 2 CDs von denen ich ganz begeistert bin:

Karl Sanders - Saurian Meditation


Karl Sanders - Saurian Exorcisms


Auch wenn der gute Mensch Amerikaner ist :zwinker: atmosphärisch & musikalisch ganz toll! Einfach mal reinhören wenn es interessiert: http://www.myspace.com/karlsandersofficial

Während der letzten paar Kapitel kam bei mir die Frage auf: Wie weit waren denn die anderen Nationen entwickelt, mit denen die Ägypter Tauschhandel betrieben und auch Krieg führten? Es werden zwar Lybien, Syrien etc. genannt aber lediglich Stadtstaaten ohne Namen. :sauer: Für Stadtstaaten braucht man selber ja keine Tausende Mann starke Armee oder? Ich hoffe darüber kommt noch was.

Das Kapitel über die Schulen fand ich witzig. Zum einen das es das schon gab und zum anderen die Mahnrede eines Lehrers ist doch Topaktuell oder? Also die Kids waren schon immer so. :zwinker:

"Die Kunst des Heilens" fand ich auch sehr spannend. Erstaunlich wie weit und gut die Ägypter in der Medizin waren. Mal abgesehen von dem Zauber Krempel... Besonders witzig fand ich den ersten Schwangerschaftstest der ja scheinbar funktioniert! :breitgrins:

So ich surf dann mal nach Hans Hickmann, der im symphonischen Kapitel genannt wurde.

gruss
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Myriel

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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #12 am: 15. August 2009, 18:54:20 »

Gestern Abend habe ich den Rest des 1. Kapitels und das 2. Kapitel gelesen.

Das Götterpantheon der Ägypter war wirklich reich besetzt. Über 1000 Götter ... sogar einen Gott für das Hofparfüm gab es!  :lachen:
Interessant war für mich, wie die Götter teilweise miteinander verschmelzen konnten oder sogar ineinander aufgingen. Auch die Bildung von Triaden war neu für mich. Schade, dass nur so wenig über die Götterfamilien gesagt wurde. Ein Stammbaum der wichtigsten Familien wäre bestimmt faszinierend gewesen.
Über Inzucht scheint sich allerdings niemand Gedanken gemacht zu haben. Extrem war da das Quartett Osiris, Isis, Seth und Nephthys, allesamt Geschwister und dazu noch 2 Paare!

Die Beschreibung des Totenbuches und der unterschiedlichen Versionen für Fußvolk und Pharaonen zeigt auch, dass die Ägypter hier eine durchaus pragmatische Einstellung hatten. (Seite 52)
Das Fußvolk sagt „Ich habe nicht getötet“,
der Pharao sagt „Ich habe nicht ohne Grund getötet“.   :breitgrins:
Diese Stelle ist mir beim Lesen auch aufgefallen. Tja, schon damals waren alle Menschen gleich und manche waren gleicher.  :rollen:

Im zweiten Kapitel geht es um die ägyptische Vor- und Frühzeit – einer Zeit, der ich bisher keinerlei Aufmerksamkeit gewidmet habe.
Von diesen Epochen habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört und mir auch nie Gedanken darüber gemacht. Mir geht es da wie den anfänglichen Ägyptologen: die Hieroglyphen und die Pyramiden wussten so sehr zu faszinieren und warfen genug Rätsel auf, so dass ich mir über andere Dinge nicht den Kopf zerbrochen habe.  :redface:

Mal sehen, ob ich mich heute Abend etwas dem 3. Kapitel widmen kann.

LG Myriel  :winken:
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Annabas

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« Antwort #13 am: 16. August 2009, 12:25:22 »

Hallo miteinander,

heute vormittag konnte ich noch das dritte Kapitel lesen.

Der Bericht über den Pyramidenbau hat mir sehr gut gefallen - das ist auch die Zeit, die ich mit dem "alten Ägypten" verbinde. Die Vorzeit war zwar in dem vorangegangenen Kapitel interessant dargestellt, aber irgendwie faszinieren mich die Pyramiden einfach stärker.

Auch das Kapitel über die Musik war interessant - ich frage mich bloß, wie man über Abbildungen von Instrumenten zu einer halbwegs zuverlässigen Methode kommen will, die altägyptische Musik nachzuempfinden, wenn man keine Aufzeichnungen über die damalige Harmonielehre hat. :gruebel:
Aber das will ich den Musikwissenschaftlern überlassen - die haben das schließlich gelernt (hoffe ich).

@insekt: einen richtigen Tipp für ägyptische Musik habe ich nicht. Die heutige, arabische Musik mag ich nicht so besonders. Aber ich hatte vor langer Zeit mal eine LP gekauft: der Jazzmusiker (und New-Ager) Paul Horn nahm in der Großen Pyramide Meditationsmusik auf: Paul Horn inside the Great Pyramid. Ist aber Geschmacksache. Heute gefallen mir die Aufnahmen nicht mehr so gut.


Grüße von Annabas  :winken:
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Antw:Hermann A. Schlögl - Das Alte Ägypten
« Antwort #14 am: 16. August 2009, 12:45:12 »

Danke für den Tipp. Ich schau mal ob ich das irgendwo im Netz finde zum anhören.
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