Corinna Kastner – Die verborgene Kammer
Inhaltsangabe:Viktoria ist sehr überrascht, als sie erfährt, dass ein ihr völlig fremder Mann ihr die Hälfte eines Hauses an der mecklenburgischen Ostseeküste vermacht hat. Und noch merkwürdiger ist die Bedingung, die an die Erbschaft geknüpft ist: Viktoria muss mit dem zweiten Miterben, einem Mann namens Roman, von dem sie ebenfalls noch nie etwas gehört hatte, zwei Monate lang in dem Haus wohnen.
Viktoria lässt sich auf das Abenteuer ein und beginnt, gemeinsam mit Roman nach dem Grund für das Erbe und die Bedingung zu forschen. Dabei geraten sie auf lange verschwiegene Familiengeheimnisse in Romans Familie. Doch die Frage ist, welche Rolle Viktoria dabei spielen soll ...
Das Buch spielt zum Teil in der heutigen Zeit und zum Teil in den 1920er Jahren, hauptsächlich in Stralsund und Wustrow an der Ostsee.
Der erste Satz:„Über die Staffelei hinweg schweift mein Blick zum offenen Fenster.“
Meine Meinung zum Buch:Ich liebe Geschichten über alte Familiengeheimnisse und war deshalb mit diesem Buch bestens bedient.

Besonders gefallen hat mir die Art und Weise, wie die Autorin die Gemälde beschreibt, die für die Geschichte eine wichtige Rolle spielen. Ich konnte sie richtig vor mir sehen und hatte große Lust, sofort im Internet nach den Bildern der genannten Malerinnen zu suchen (was ich inzwischen getan habe).
Die Autorin beschreibt die Geschehnisse in zwei Handlungssträngen: der mit Viktoria und Roman spielt in der heutigen Zeit, der mit den beiden Mädchen Doro und Marie, den „Zielen“ von Viktorias und Romans Recherchen, spielt in den 1920er Jahren. Die Wechsel zwischen den beiden Zeitebenen sind aber nicht so häufig, so dass ich mich immer sehr gut und für einen langen Abschnitt auf die jeweilige Handlung einlassen konnte.
Die beiden Hauptpersonen, Viktoria und Roman, sind sehr gut charakterisiert, wobei mir Viktoria etwas sympathischer erschien – ich mochte einfach ihre unbekümmerte und spontane Art, an die Dinge heranzugehen. Roman dagegen ist eher der kopfgesteuerte Teil des Duos, und damit ergänzen sich die beiden natürlich hervorragend bei ihrer Spurensuche in der Vergangenheit. Etwas schade fand ich, dass Henrik und Melli, die Freunde von Viktoria, nur am Anfang eine wichtige Rolle spielen, im späteren Lauf des Buches dagegen kaum mehr. Damit hat sich (zumindest für den Handlungsstrang, der in der heutigen Zeit spielt) alles sehr auf Viktoria und Roman konzentriert. Aber auch mit Marie und Doro, den beiden Protagonistinnen des Handlungsstranges, der in den 1920er Jahren spielt, konnte ich sehr gut mitfühlen und ihre Beweggründe nachvollziehen.
Zu lesen ist das Buch angenehm und leicht, dabei aber spannend und manchmal auch düster. Manche Wendungen sind vorhersehbar, aber das hat mich nicht gestört, denn die Atmosphäre des Buches hatte mich komplett eingenommen. Das Lesen hat nur so geflutscht.
Warum das Buch allerdings unter dem Bereich „Romantic Thrill“ angeboten wird, ist mir etwas rätselhaft, ich hätte darunter etwas anderes verstanden. Als betont romantisch oder vielleicht sogar kitschig habe ich das Buch nämlich nicht empfunden, und auch der „Thrill“ wirkt eher gepflegt.
Nur eine Sache hat mich etwas gestört: Die manchmal etwas Reiseführer-ähnlichen Beschreibungen der Gegenden, in denen der Roman spielt. Ich lege auf solche Details wenig Wert, und wenn ich lese, dass „die Kirche mit dem Rathaus zu einer Einheit aus norddeutscher Backsteingotik verschmolz“, dann neige ich dazu, schnell weiterzublättern. Aber solche Beschreibungen kommen nur am Anfang des Buches vor, danach nicht mehr.
Meine Bewertung:

Viele Grüße von Annabas
