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Autor Thema: Massimo Carlotto, Marco Videtta - Wo die Zitronen blühen  (Gelesen 702 mal)

Stephi

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Nur eine Woche vor ihrer Hochzeit wird Giovanna ermordet. Ihr Verlobter, Francesco Visentin, versucht nach Kräften, die Polizei bei der Suche nach dem Mörder zu unterstützen und gerät dabei gemeinsam mit Giovannas Freundin Carla immer tiefer in ein Netzwerk aus Korruption, Ökokriminalität und den Machenschaften der Mafia hinein, was das beschauliche Leben in der italienischen Kleinstadt in ein völlig anderes Licht rückt.

„Wo die Zitronen blühen“ ist ein Kriminalroman, der kein Blatt vor den Mund nimmt, der Probleme der heutigen Zeit anprangert und vor allem die Macht angesehener italienischer Familien aufzeigt. Francesco Visentin gehört zu einer sehr angesehenen Familie. Genau wie sein Vater ist er Rechtsanwalt, wird bald in die väterliche Kanzlei einsteigen und ist im Dorf angesehen. Man schaut zur Familie Visentin auf, bewundert sie. Umso härter treffen ihn der Tod seiner Verlobten und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten, die besonders sein Vater mit aller Macht zu beseitigen versucht.

Den Autoren gelingt es, ein detailliertes Bild des Lebens in einem solch eingeschworenen Dorf darzustellen. Zugezogene haben es sehr schwer, sich einen Platz in den vorhandenen Strukturen zu erarbeiten. Alles was zählt, ist der richtige Name.

Der Mordfall selbst ist sehr spannend beschrieben. Nach dem ersten Drittel des Buches hatte ich kurzzeitig das Gefühl, dass die Handlung abflacht, dies änderte sich aber sofort wieder. Die in die Handlung eingearbeiteten Beschreibungen des Dorfes und der Umgebung sind immer wieder eine willkommene Abwechslung und fügen sich gut ins Gesamtbild ein.
Auch die Bezüge zur Mafia usw. sind kontinuierlich erklärt und detailliert beschrieben, so dass zumindest meinerseits keine Verständnisprobleme vorhanden waren.

Einzig die vielen Namen und die Beziehungen der Personen untereinander haben mir zeitweise Schwierigkeiten bereitet, allerdings sind aus dem Kontext immer wieder die Zusammenhänge erkennbar.

Besonders gut hat mir die Grundstimmung des Buches gefallen. Es werden auf wunderbare Weise die kriminalistische Handlung und das italienische Lebensgefühl miteinander verknüpft, so dass beim Lesen eine sehr schöne Atmosphäre entstanden ist und ich regelrecht enttäuscht war, als das Buch zu Ende war.

Dennoch haben die Autoren einen sehr guten Moment für den Abschluss gewählt. Die Handlung wird nicht unnötig in die Länge gezogen, aber die Auflösung des Falls ist schlüssig und weitestgehend unerwartet, so dass der Abschluss hervorragend zum Buch passt und seine Wirkung nicht ganz am Ende noch zerstört wird.

Ich empfehle das Buch auf jeden Fall, da es neben einem tollen Stil, einem idyllischen Schauplatz und vielschichtigen Figuren vor allem ein Thema bietet, was absolut interessant und mitreißend ist.

Meine Wertung: 4ratten
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JaneEyre

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Antw:Massimo Carlotto, Marco Videtta - Wo die Zitronen blühen
« Antwort #1 am: 20. Juli 2009, 15:51:53 »

Klingt sehr spannend Stephi.  :smile:
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Liebe Grüße
JaneEyre

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Stephi

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Antw:Massimo Carlotto, Marco Videtta - Wo die Zitronen blühen
« Antwort #2 am: 20. Juli 2009, 15:55:43 »

Klingt sehr spannend Stephi.  :smile:
Ich habe gerade gesehen, dass viele Rezis auf vorablesen eher negativ ausfallen. Das hat mich ziemlich überrascht, denn ich fand es echt toll. Ist halt ein Kriminalroman und kein Thriller.  :winken:
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Annabas

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Antw:Massimo Carlotto, Marco Videtta - Wo die Zitronen blühen
« Antwort #3 am: 21. Juli 2009, 21:37:11 »

Massimo Carlotto/Marco Videtta – Wo die Zitronen blühen



Inhaltsangabe:

Wenige Tage vor ihrer Hochzeit wird die junge Giovanna Barovier ermordet. Da sowohl sie als auch ihr Verlobter sowie ihr Ex-Freund zu den mächtigsten Familien der kleinen Stadt im Veneto gehören, schlägt ihr Tod hohe Wellen, denn Giovanna hatte auch noch einen heimlichen Geliebten – ihren vermutlichen Mörder. Doch die Zeit vergeht und alle Spuren verlaufen im Sand.
Francesco Visenti, Giovannas Verlobter, beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Zusammen mit Giovannas Freundin Clara macht er sich auf die Suche und erfährt bald, dass unter der Oberfläche der so vorbildlichen Familien der Stadt Korruption und Machtgier herrschen, und dass Giovannas Nachforschungen bezüglich eines Umweltskandals ihr sehr gefährlich geworden waren ...

Der erste Satz:

„Es war ein Mittwoch gewesen wie viele andere.“

Meine Meinung zum Buch:

Das schwarz-rot-silberne Cover des Buches lässt einen Thriller erwarten, doch wer dieses Buch liest, bekommt einen soliden Kriminalroman serviert, in dem die Ermittlungen zu einem Mord im Mittelpunkt stehen.

Es geht in diesem Buch um die Macht der alten und reichen Familien, der sich alle beugen müssen – jedenfalls dann, wenn man in Ruhe weiterleben möchte. Mit dieser Macht lassen sich Presse, Richter, Ärzte und Anwälte manipulieren, so dass es fast chancenlos ist, gegen sie anzugehen und mit deren Hilfe sich jeder Sachverhalt beliebig darstellen lassen kann. Dass man doch dagegen ankommen kann, wird in diesem Buch gezeigt, aber auch der Preis, den man dafür zahlen muss.

Die Sprache des Buches ist ruhig und nicht reißerisch. Mir hat das gut gefallen, die Atmosphäre übertrug sich auf mich beim Lesen und ich habe diese Stunden sehr genossen. Trotzdem ist das Buch nicht langweilig, denn Spannung ist die ganze Zeit über vorhanden.

Die Figuren werden wenig beschrieben – aber durch die Dialoge in dem Buch lernt man sie sehr deutlich kennen, so dass eine zusätzliche Charakterisierung eigentlich gar nicht mehr nötig ist. Hier kommt es darauf an, was man wie und zu wem sagt – wie es eben in der italienischen Upper Class so ist, denn hier sagt man selten etwas direkt. So kann der Leser sehr viel zwischen den Zeilen erfahren – besonders am Schluss wird das immer wichtiger.

Ein paar Schwächen hat die Handlung – der Mörder bzw. der Schluss des Buches ist für einen Viel-Krimileser recht vorhersehbar und manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Autoren zu sehr mit bösen Klischees spielen. Auch ist das Buch mit seinen 215 Seiten zu dünn, um die komplexe Handlung wirklich zufriedenstellend zu lösen – hier hätte man an manchen Stellen noch etwas ausbauen können.

Trotzdem habe ich es nicht bereut, das Buch gelesen zu haben. Manchmal hat es mich in seiner Art etwas an Donna Leons Romane erinnert – wer diese Bücher mag, dem gefällt möglicherweise auch dieses Buch.

Meine Bewertung: 3ratten       :marypipeshalbeprivatmaus:

Viele Grüße von Annabas    :winken:
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HoldenCaulfield

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Antw:Massimo Carlotto, Marco Videtta - Wo die Zitronen blühen
« Antwort #4 am: 22. Juli 2009, 06:49:54 »

Hm also der Titel selbst klingt ja ganz gut, vielleicht lese ich es mal wenn ich es in der Bibliothek finde.

Grüße
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dubh

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Antw:Massimo Carlotto, Marco Videtta - Wo die Zitronen blühen
« Antwort #5 am: 03. September 2009, 22:37:56 »



Massimo Carlotto, Wo die Zitronen blühen
(Tropen Verlag, August 2009)
ISBN: 978-3-608-50203-9
215 Seiten; € 18.90 (HC)
Originaltitel: "Nordest"




Giovanna Barovier wird wenige Tage vor ihrer Hochzeit ermordet aufgefunden. Die schöne Juristin wollte Francesco Visentin, ebenfalls blutjunger Rechtsanwalt und Sohn des angesehenen Avvocato Visentin, heiraten.
Anfangs erfährt man als Leser sehr viel über die alten Strukturen in einem italienischen Dorf irgendwo im Veneto: da begegnet man den alteingesessenen Familien, die Imperien geschaffen oder erfolgreiche Karrieren auf's Parkett gelegt haben, mit sehr viel Ehrerbietung und Respekt. Fast erinnert einen ein solches Verhalten an längst vergangen geglaubte Zeiten, die mit adeligen Hierarchien zu tun hatten...
Als der Verlobte sich allerdings nicht mit den rasch aufzufindenden Tatsachen, dass Giovanna nach einem Geschlechtsverkehr getötet wurde, abfinden und sie somit der Schande im Dorf überlassen kann, kommt die Geschichte ins Rollen. Zügig wird aus verschiedenen Blickwinkel erzählt, wenn auch nur relativ kurze Zeitspannen, und schon rasch öffnen sich neue Abgründe: nicht alle ach so wichtigen Dorfbewohnen haben eine weiße Weste. Und schon steckt man mitten in Korruption, Ökoschweinereien und Raubtier-Kapitalismus! Doch warum musste Giovanna sterben? Wusste sie zuviel über die Machenschaften mancher Leute oder wurde sie ihrem Liebhaber plötzlich zuviel?

Ich fand "Wo die Zitronen blühen" richtig spannend - zugegeben allerdings weniger als Krimi, sondern viel eher als gesellschaftskritisches, spannendes Buch. Sicher, es gibt einen Mord (nein, sogar noch mehr) und es tauchen auch ein paar Carabinieris auf, aber das Hauptaugenmerk ist dennoch auf korrupte Menschen gelegt, denen die Umwelt und die Gesundheit anderer keinen Heller wert sind. Nein, diese Menschen gehen für Erfolg, und damit ist noch nicht einmal der rein finanzielle gemeint, sogar über Leichen - ohne mit der Wimper zu zucken.
Ansonsten muss ich noch gestehen, dass man als erfahrener Krimileser relativ schnell auf die Fährte des Täters stößt, da sich Carlotto und Videtta nicht sonderlich um zusätzliche Finten bemüht haben...


Fazit: Wer einen italienischen Krimi lesen möchte, bei dem es um einen Mordfall in einem schönen Landstrich eines der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen geht, der ist sicher mit anderen Schriftstellern besser bedient und sollte nach der Einleitung, die schon weit in die An- und Absichten des Autorenduos blicken lässt, abbrechen. Schade wäre es allerdings allemal!
Wer nämlich einen wirklich gutes Buch über die Grauzone des globalisierten Kapitalismus' und die Schattenseiten des alten Mythos der italienischen Familie lesen möchte, der kann hier rein gar nichts falsch machen!

 5ratten
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Cabriofahrerin

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Antw:Massimo Carlotto, Marco Videtta - Wo die Zitronen blühen
« Antwort #6 am: 06. September 2009, 14:13:15 »

Wo blühen die Zitronen??

Als Italienfan habe ich mich sehr auf den Krimi von Massimo Carlotto und Marco Videtta gefreut.
Den Inhalt des ersten Drittels empfand ich als atmosphärisch und inhaltlich überfüllt mit typischen Italien-Klischees: Zwei priviligierte Familien, die des Avvocato Antonio Visentin und die der Contessa Selvaggia Calchi Renier werden vorgestellt. Sie nutzen ihre Stellung aus, um für sich Gewinn und Vorteile zu erzielen. Ihre beiden Söhne lieben Giovanna Barovier. Filippo, der Sohn der Contessa, hatte eine Affäre mit Giovanna, und er liebt sie immer noch. Sie verlobt sich aber mit Francesco, Sohn des Avvocato. Am Vorabend ihrer Hochzeit mit Francesco wird sie ermordet.
Im Dorf und in den Familien liegt vieles im Argen, und so läuft die Suche nach Giovannas Mörder in alle Richtungen: Kriminalität im Drogen- und Prostituiertenmilieu, ein von Giovanna aufgedeckter Giftmüllskandal (die Camorra ist mit im Geschäft), Korruption, Ausländerfeindlichkeit, Globalisierung (die Chinesen kommen, Unternehmen sollen nach Rumänien ausgelagert werden) - all dies und noch mehr packen die Autoren in ihr Buch. Wäre weniger mehr gewesen?
Als völlig überraschend eine vermisste Person wieder auftaucht, bekommt der Roman Schwung, und neue Themen, die zur Aufklärung des Mordfalls dienen können, geraten ins Blickfeld.
Das Autorenduo hat mit seinem Buch ein schäbiges, schmutziges Bild von Italien gezeichnet. Nirgendwo darin habe ich meine eigenen vielfach erlebten Eindrücke eines nicht ganz so hoffnungslos verkommenen Landes finden können.
Insgesamt ist dieses Buch durchaus lesenswert, aber meiner Meinung nach ist es eher ein gesellschaftskritischer Roman denn ein Krimi. Jedenfalls sollten Krimi-Fans ihre Erwartungen an einen fesselnden, spannungsgeladenen Krimi nicht zu hoch stecken.
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