Ich stecke momentan auf
Seite 74Anfangs nahm dieser Klassiker angelsächsischer Literatur aus dem 20. Jahrhundert eigentlich seinen Lauf wie viele Klassiker, bspw.
The Great Gatsby von Fitzgerald. Man wird unmittelbar, ähnlich einer Kurzgeschichte quasi, in das Geschehen, an die Seite des/der Hauptprotagonisten/in und sogar aus ihrer Perspektive, versetzt und nimmt, wie bei Gatsby an dessen/deren Erinnerungen, oder in diesem Falle an den Gedankengängen teil. So weit, so gut.
Im Falle Clarissa Dalloways fand ich es allerdings teilweise gar nicht so leicht, ihren gedanklichen Sprüngen und Exkursionen zu folgen, wenn man jede Idee, jeden inneren Diskurs ihrerseits isoliert betrachtete, war es auf jeden Fall interessant, diesen Schreibstil wahrzunehmen und somit ja möglichst diesen Charakter nachzuvollziehen, aber wollte man einen allgemeingültigen Zusammenhang wahrnehmen konnte man sich eigentlich nur die eine oder andere Kurzbeschreibung vor Augen führen, dass Clarissa Dalloway eben im Begriff ist, eine Party zu geben und wohl irgendwie mit den Präliminarien für selbige beschäftigt ist.
Sehr spannend aber irgendwie auch surreal werden einige Ereignisse beschrieben, wie etwa ziemlich zu Beginn des Buches dieser scheinbare Autounfall, noch obskurer kam mir allerdings die scheinbar omnipräsente Frage oder Vermutung vor, welche höher gestellte Persönlichkeit wohl Insasse eines der Fahrzeuge gewesen sei, der ja auch Mrs. Dalloway dann nachgeht.
In dieselbe Sparte fällt eigentlich der Auftritt oder Besuch eines alten Bekannten Mrs. Dalloways, Peter Walsh.
Obwohl man diesem Besuch zunächst nicht viel Bedeutung beimisst, ist es doch ungemein interessant, wie, vor allem nach Abgang des Peter Walsh, eine scheinbar latente Aversion seinerseits ihr gegenüber, wenn nicht sogar ein gespanntes Verhältnis beider auftritt - wobei ich mir nicht ganz sicher zwar, ob es wirklich auf Gegenseitigkeit beruhte, denn aufgrund der Tatsache, dass Mrs. Dalloway als eine von diesen Personen beschrieben wird, die in einer gewöhnlichen Menschenmenge stehen, nicht näher auffallen und trotzdem sie es sind, an die man sich später erinnern wird und dass sie eben de facto eine Party geben wird, erscheint sie zunächst noch als jemand, der sich eigentlich immer der Sympathien aller bewusst sein möchte.
Mr. Walsh macht sich allerdings doch so einige eher kritische Gedanken und schließlich ist er auch nicht zur Party eingeladen, was aber auch daran liegen kann, dass sie sich einfach lange nicht gesehen haben und wenn man annimmt,dass Mrs. Dalloway charakterlich wie eben beschrieben ist und man dann bedenkt, dass für solche Menschen Hauptinstandhaltungsprämisse einer Freundschaft ist, dass man sich tagtäglich sieht, da Leute ansonsten von neuen fluktuierenden Bekanntschaften verdrängt werden, wäre es auch möglich, dass sie ihn einfach vergessen hat, immerhin ruft sie ihm eine mündliche Einladung ja nach.
Sehr erfrischend fand ich allerdings diese Art von Schauplatzwechsel, der eigentlich nur mental stattfindet, von Mrs. Dalloways Gedanken zu denen Peter Walshs und der mich so sehr an einen Staffellauf denken ließ:
Man folgt Mrs. Dalloways Gedanken und unmittelbar mit der Begegnung Peter Walshs wird das Ganze quasi zu einem geistigen Dialog, der jedoch nicht zwischen den beiden stattfindet - hier ist wohl nur Platz für oberflächliches Gerede Platz - sondern einerseits nach wie vor zwischen Mrs. Dalloway und dem Leser, andererseits aber auch zwischen Mr. Walsh und dem Leser.
Mit seinem Verlassen des Schauplatzes, Mrs. Dalloways Haus, verlässt auch der Leser diese und streift physisch und gedanklich fortan mit Peter Walsh umher - der Staffelstab wurde gewissermaßen weitergegeben.

Das wären so meine ersten Eindrücke, bis dahin!
LG