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Autor Thema: Jonas T. Bengtsson - Submarino  (Gelesen 822 mal)

mondy

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Jonas T. Bengtsson - Submarino
« am: 16. Juli 2009, 21:52:29 »



Inhalt
Das sind die drei Komponenten, die das Leben von Nick und seinem Bruder bestimmen.
Aufgeteilt in 2 Teile erzählt das Buch zuerst von Nick. Dieser wohnt in einem Asyl-Wohnheim, geht jeden Tag ins Fitnesscenter und lässt sich danach von seiner Zimmernachbarin Sofie einen blasen. Dazu füllt er sich mit Alkohol ab und träumt von seiner Exfreundin Ana. Zufällig trifft eines Tages auf Ivan, Anas Bruder, und nimmt diesen unter seine Fittiche.
Gleichzeitig versucht Nicks Bruder, sein Leben in den Griff zu bekommen. Als alleinerziehender Vater eines Jungen im Kindergartenalter ist das gar nicht so leicht, vor allem, wenn man heroinabhängig ist und jeden Tag an der Nadel hängt. Um sich Geld zu beschaffen, steigt er als Dealer in das Drogengeschäft mit ein ...

Meine Meinung
Jonas T Bengtsson beschreibt wirklich schonungslos das Leben am Abgrund. Nick ist ein abgerühter Kerl, der schnell gewalttätig wird und vor nichts zurückschreckt. Ivan weckt wohl seinen Beschützerinstinkt, denn um ihn kümmert er sich (wenigstens so, wie er sich das vorstellt). Langsam baut er sich wieder ein Leben auf, doch man spürt schon die ganze Zeit, dass es zu einer Katastrophe kommen muss.
Nicks Bruder ist mir irgendwie sympathischer. Er versucht, sich um seinen Sohn Martin zu kümmern und würde dass bestimmt auch super schaffen, wenn er nicht heroinabhängig wär. Trotz der Sucht ist er ein liebevoller Vater (zumindest soweit möglich) und hält Martin von den Drogen weg. Aber auch er bekommt letztendlich nicht die Kurve.
An sich ein Buch, das Menschen am Rande der Gesellschaft zeigt, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Hier wird geflucht, gevögelt und geschlägert ohne Sichtschutz. Dabei gelingt es Bengtsson, dass man die Hauptcharaktere trotzdem noch ganz sympathisch findet.
Was mich allerdings genervt hat, war der Schreibstil! Diese halben Sätze gehen einem irgendwann auf den Keks. Als Einstieg finde ich es ja noch ganz gut, aber ein ganzes Buch ... nein, das ist mir dann doch zu viel!
Außerdem fand ich die Geschichte irgendwann zwischendurch ganz schön träge. Alles ist negativ, keiner hat eine Chance im Leben, jeder gerät auf die schiefe Bahn ... naja.
Insgesamt war das Buch okay, aber mehr auch nicht. 

 2ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

Name geändert. Aldawen
Danke!  :winken:
« Letzte Änderung: 17. Juli 2009, 05:56:30 von mondy »
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Antw:Jonas T. Bengtsson - Submarino
« Antwort #1 am: 17. Juli 2009, 23:27:13 »

Submarino erzählt von dem trostlosen Leben am Rande des Abgrundes. Von einem Leben, das jederzeit im Gefängnis enden könnte - das keine Perspektive mehr bildet und daher von Hoffnungslosigkeit geprägt ist. Im Mittelpunkt stehen hierbei Nick und sein älterer Bruder. Nick hatte einige Zeit im Gefängnis verbracht und lebt nun von einem Tag auf den nächsten, ohne eine Zukunft zu sehen. Sein Leben besteht aus Bier, Zigaretten, Besuchen im Fitness-Center und bei seiner Nachbarin Sofie, deren Leben ebenfalls nur noch trostlos und bemitleidenswert zu nennen ist. Nick hat sich aufgegeben und denkt oft an seine Ex-Freundin Ana. Sein älterer Bruder, zu dem er keinen Kontakt mehr hat, lebte mit seiner Freundin in ihrer persönlichen Drogenwelt und auf den Moment des nächsten Schusses hin. Bis seine Freundin schwanger wird. Beide bringen einen harten Entzug hinter sich, der von Streit und Wut geprägt ist. Doch die Situation beruhigt sich, sie bekommen einen Sohn und halten sich von Drogen fern. Eines Tages jedoch gibt sich seine Frau unerklärterweise einen Schuss und wird, wieder gefangen in ihrer Drogenwelt, von einem Auto überfahren. Nick's Bruder muss nun allein mit seinem Sohn Martin zurechtkommen. Öfters mehr schlecht als recht, doch er kümmert sich liebevoll um Martin. Mit der Zeit wird er allerdings wieder süchtig und wird durch eine glückliche Fügung zum Drogendealer, um seine teure Sucht und den Lebensunterhalt finanzieren zu können.

Bengtsson verwendet hauptsächlich einfache, teilweise abgehackt wirkende Hauptsätze. Er nutzt fast keine Beschreibungen oder nähere Erklärungen, sodass dem Leser die Handlungsorte nicht weiter bekannt werden. Durch die ganze Handlung spürt man die Hoffnungslosigkeit, die durch die passende einfache Sprache und Formulierungen, die unangenehme Themen wie die Drogensucht auf den Punkt bringen, auf den Leser übertragen wird. Man erfährt von zahlreichen Schicksalen, die von Drogensucht, Krieg und Immigration geprägt sind. In gewisser Weise übt sich Bengtsson hier auch in einem, in bestimmten Szenen sehr eindringlichen Ton der Gesellschaftskritik - niemand hilft den Drogenabhängigen; niemand achtet auf die Kinder, die mit einer alkohol- und tablettensüchtigen Prostituierten als Mutter zurechtkommen müssen, die Nahrung für ihren wenige Tage alten, vernachlässigten Bruder stehlen müssen und diesen sogar selbst auf einer Mülldeponie beerdigen. Stattdessen werden die beiden Jungen belächelt, die sich mit ihrer schweren Tasche abmühen und sich gegenseitig helfen. Die der nette Busfahrer sogar ohne Entgelt mitfahren lässt.
Ein Manko wäre allerdings der Titel, dessen geringer Bezug am Ende doch noch deutlich wird. Streng genommen hat er allerdings nicht mit der Handlung zu tun.

Fazit: Gnadenlose Realität wird hier dargestellt. Keine Verschönigungen, nein, harte Worte werden hier gesprochen. Alles andere wäre bei diesem Thema allerings auch weniger passend. Dies ist kein Buch für mitfühlende Leser. Ich wage zu behaupten, dass glückliche Menschen hier kein Leseerlebnis finden werden. Ein Buch für schlechte Zeiten also, wenn nichts so läuft, wie es sollte. Wo man sich nach der Lektüre dann aber doch wieder beruhigt dasitzend findet. Es könnte schließlich alles noch viel schlimmer sein.

4ratten


@mondy: Vielleicht irre ich mich - ich überlege die ganze Zeit, wie der Name von Nick's Bruder lautet. Kann es sein, dass dieser nirgendwo erwähnt wurde?
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mondy

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Antw:Jonas T. Bengtsson - Submarino
« Antwort #2 am: 18. Juli 2009, 13:26:57 »

@mondy: Vielleicht irre ich mich - ich überlege die ganze Zeit, wie der Name von Nick's Bruder lautet. Kann es sein, dass dieser nirgendwo erwähnt wurde?

Ja, ich glaube auch, dass der nicht genannt wird ... auch bei vorablesen erwähnt bei den Rezensionen keiner den Namen!
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Antw:Jonas T. Bengtsson - Submarino
« Antwort #3 am: 18. Juli 2009, 16:04:55 »

Vielleicht steckt ja ein tieferer Sinn dahinter, der sich noch erschließen muss. :gruebel:
... Vielleicht steht unser zweiter Protagonist symbolisch für die Vielzahl an Menschen, deren Leben ganz normal zu sein scheint, welche aber mit Problemen zu kämpfen haben, die Außenstehenden verborgen bleiben.
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mondy

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Antw:Jonas T. Bengtsson - Submarino
« Antwort #4 am: 18. Juli 2009, 18:57:04 »

Vielleicht steckt ja ein tieferer Sinn dahinter, der sich noch erschließen muss. :gruebel:
... Vielleicht steht unser zweiter Protagonist symbolisch für die Vielzahl an Menschen, deren Leben ganz normal zu sein scheint, welche aber mit Problemen zu kämpfen haben, die Außenstehenden verborgen bleiben.

Hm, vielleicht ...
Was ich auch sehr interessant fand, war die Erkenntnis, dass ich erst beim Rezensieren gemerkt habe, dass der Bruder keinen Namen hat ... sehr komisch.
Auch die Überschriften der 2 Teile heißen ja nicht Nick bzw. "Name des Bruders", sondern Ivan und Martin.
Dieses Buch lässt einigen Platz für eigene Gedanken frei, das finde ich eigentlich recht positiv. O man, solche Sachen fallen mir natürlich erst ein, wenn ich die Rezi schon längst geschrieben habe.   :rollen:
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verenawt

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Re: Jonas T. Bengtsson - Submarino
« Antwort #5 am: 08. Juni 2010, 19:35:20 »

In dem Buch "Submarino" geht es um zwei Brüder und deren Versuch zu leben.

Das Buch ist knallhart realistisch geschrieben. Zuerst dachte ich, dass das Buch vom Schreibstil her nichts für mich ist: kurze abgehackte Sätze bzw. Gedankengänge. Aber ich war ab dem ersten Kapital total begeistert von dem Buch. Der Autor benutzt eine harte, realistische und vulgäre Sprache, aber genau das ist so wie auch im richtigen Leben.

Das Buch lässt einen nicht mehr los und auch nach dem Lesen habe ich mir noch lange Gedanken darüber gemacht. Dieses Buch vergisst man nicht mehr so schnell...

Fazit: Absolut empfehlenswert!! falls man mal was anderes lesen will, als immer die gleichen klassischen Geschichten.

 
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Lilli33

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Re: Jonas T. Bengtsson - Submarino
« Antwort #6 am: 25. August 2011, 20:11:25 »

Schonungslos brutal

Submarino ist ein Buch über zwei Brüder, die sich am unteren Rand der Gesellschaft durchs Leben kämpfen. Aufgewachsen im Kinderheim, die Mutter eine Alkoholikerin, die sich nicht um sie gekümmert hat, haben sie nicht gerade den besten Start ins Leben. Der dritte Bruder hat die ersten Monate noch nicht mal überlebt.

Der erste Teil ist aus Nicks Sicht geschrieben. Er war wegen Körperverletzung im Gefängnis, ist Bodybuilder und trainiert hart. Allerdings ist er auch dem Alkohol verfallen. Seine Freundin Ana hat ihn verlassen, als sie von ihm schwanger wurde. Er hat aber noch Kontakt zu Ivan, Anas Bruder. Die Beziehung der beiden ist geprägt von Gewalttätigkeit, aber auch einer Art Fürsorge. Bis eines Tages ein furchtbares Unglück geschieht.

Der zweite Teil wird von dem anderen Bruder erzählt. Er hat einen kleinen Sohn, Martin, um den er sich so liebevoll wie möglich alleine kümmert, da dessen Mutter tot ist. Sein großes Handicap ist seine Heroinsucht, die immer wieder dazu führt, dass er seine Vaterpflichten nicht wirklich erfüllt. Als er seine Arbeit verliert, geht es steil bergab und die Sucht wird schlimmer. Seine einzige Chance sieht er als Dealer, was er eigentlich nie sein wollte. Doch durch das verdiente Geld kann er nicht nur Essen für seinen Sohn kaufen, sondern ihm auch andere Wünsche erfüllen. Allerdings lebt er in ständiger Angst, dass er erwischt wird und ihm sein Sohn weggenommen wird.

Schonungslos, brutal und ohne Tabus geht es zur Sache. Alles dreht sich um Gewalt, Kriminalität, Drogen jeglicher Art und Sex. Ein ruheloses Treiben im Leben, immer auf der Suche, immer gehetzt. Der Schreibstil mit den kurzen prägnanten Sätzen oder auch mal nur Satzfetzen passt super zu dieser düsteren Geschichte. Lange, ausschweifende Sätze könnten das nie so gut ausdrücken.

Auf die Verfilmung bin ich schon sehr gespannt.

Mich hat das Buch sehr fasziniert, aber ich würde es nicht jedem empfehlen. Ich denke, es ist ein stark polarisierendes Buch, die einen werden es loben, die anderen verteufeln, dazwischen gibt es nichts.

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