Hallo,
ähnlich wie chil habe ich für diesen Kurzroman ewig gebraucht, weil er mich - besonders zu Anfang - ziemlich abgestoßen hat.
Da der Inhalt schon beschrieben wurde, spare ich mir dazu weitere Ausführungen, möchte nur kurz etwas zur Autorin sagen:
Marguerite Yourcenar hat in vielen ihrer Romane -wie auch in diesem - Erlebnisse von Mitgliedern der Familie ihrer Ziehmutter Jeanne de Vietinghoff - in Literatur umgewandelt, dabei eigene homoerotische Neigungen sublimiert und außerdem - laut dem Nachwort zu "Fangschuss" - an die Tradition tragischer Abläufe in französischen Erzählungen anknüpfen wollen.
Sie selbst ist Abkömmling alter französisch-belgischer Adelsgeschlechter, was sie in diesem Text nicht verschleiert, da sie im Nachwort und natürlich auch in der Ausführung von Handlung und Motivation den überkommenen Ehr- und Tugendbegriff des Adels zum Bestandteil der Handlung macht, solches sittliche Verhalten allerdings auch zum Beispiel dem jüdischen Studenten Grigori Loew zugesteht.
Meine Meinung:
Mich hat der Roman zuerst abgestoßen, weil ich diese Erhabenheit, die den Frauengestalten in französischer Literatur, auch von Autorinnen, angedichtet wird, und die letzen Endes nur eine Erniedrigung ist, abstößt.
Auch hier wird Sophie von Reval, die Schwester Konrads, von Erich auf ein Piedestal gestellt, obwohl er sie nicht lieben kann. Er überhöht damit ihre Fehler zu besonderen, fast heroischen Verhaltensweisen, macht dabei aber eine gleichberechtigte Handlungsweise ihrerseits gegenüber der von Männern zu einer Unmöglichkeit: eine typische Darstellungsweise, die ich oft in der französischen Literatur beobachte, und die diese für mich oft sehr künstlich macht.
Dennoch gewinnt der Roman in der zweiten Hälfte sehr an Fahrt, denn der sentenziöse erste Teil verdeckt die Handlungsstruktur, die dem tragischen Ende entgegentreibt.
Erich beobachtet und reagiert nur, so dass Sophie die eigentliche Handlungsträgerin ist. Dennoch sind es gerade seine Reaktionen, die Sophie und auch ihn in das Ende treiben bis hin zu dem Schluss, der, wie der Titel schon andeutet, sich von Anfang an ergibt, denn die Handlungsweise beider Beteiligten muss so enden. Auch am Ende, wenn auch Erich der Ausführende ist, bleibt Sophie durch ihren Wunsch die eigentlich Handelnde und Erich wie immer der Zuschauer und Nichthandelnde, der eben deshalb dann die Geschichte zum Abschluss bringen muss.
Das liest sich jetzt für diejenigen, die den Roman nicht kennen, bestimmt sehr unverständlich, aber die anderen werden es verstehen.
Fazit: Eingeschränkte Empfehlung
finsbury