
Aschenputtel im Berlin des ausgehenden 19. JahrhundertsInhalt (Verlagsinfo)
Schwarze Schatten, schemenhafte Züge, abgewandte Gestalten. Eine eindringliche Szenerie und kein einziges Gesicht. Als Rika das namenlose Bild geschenkt bekommt, ist sie so fasziniert, dass sie beschließt, den Maler ausfindig zu machen. Ihre Suche führt sie in die Spandauer Vorstadt zu Anthonis, einem Außenseiter, talentiert und rätselhaft, der sich von der Welt zurückgezogen hat und meist nur noch eine Sache auf die Leinwand bringt: Menschen ohne Gesichter. Instinktiv weiß Rika, dass mehr dahintersteckt, als Anthonis sie glauben lassen will — und sie ist entschlossen, sein Geheimnis zu enthüllen …
Die Autorin (Verlagsinfo)
Susanne Goga, 1967 geboren, ist eine renommierte Literaturübersetzerin. Sie schrieb zwei historische Kriminalromane, bevor sie sich mit „Das Leonardo-Papier” (2009 im Diana Verlag erschienen) dem klassischen historischen Roman zuwandte. Susanne Goga lebt mit ihrer Familie in Mönchengladbach.
Eigene Gedanken:Der Roman erzählt die Geschichte der jungen Rika, die aus einfachsten Verhältnissen stammend vom wesentlich älteren Textilunternehmer Conrad Hesse geheiratet wird. Für Rika ist Conrad nicht die große Liebe, dennoch führt sie eine gute, erfüllte Ehe mit ihm. Nach dessen Tod beginnt für Rika als junge Witwe mit den beiden Stiefkindern Anna und Alexander, die nur wenig jünger als sie sind, ein vollkommen neuer Abschnitt ihres Lebens. Sie ist sehr interessiert in Kunst und wird durch ein Geschenk Alexanders auf den Maler Anthonis aufmerksam, der seinen Lebensunterhalt durch das Anfertigen von Scherenschnitten verdient. Sie spürt, dass ihn ein Geheimnis umgibt und stellt ihre eigenen Nachforschungen an.
Susanne Goga zeichnet mit diesem Roman ein sehr farbiges und vielschichtiges Bild der Industriellengesellschaft Berlins. Als Leser erlebt man die Anfänge der Konfektionsmode anschaulich mit. Kleidung wird nicht mehr in Einzelanfertigung vom Schneider entworfen und genäht sondern sie wird als Massenanfertigung in verschiedenen Größen industriell produziert. Vor dem Hintergrund einer sehr rigiden gesellschaftlichen Ordnung werden erste Schritte zur Emanzipation der Frauen sowie die Auswirkungen eines aufkeimenden Antisemitismus eindrücklich spürbar.
Obwohl alle Hauptpersonen des Romans fiktiv sind und nur wenig konkrete historische Fakten Eingang in die Handlung finden, hat mir das Buch sehr viel geschichtlich wertvolle Eindrücke vermittelt. Die bildliche Sprache und der stringente Aufbau der Geschichte machten das Lesen für mich zum entspannenden Vergnügen.
Etwas weniger geglückt war für mich der Showdown gegen Ende, das war mir zu nah an einer typischen Auflösung eines mittelmäßigen Laientheaters. Mit ein paar Seiten mehr, hätte man das bestimmt eleganter lösen können.
Das Sittengemälde der industriellen Gesellschaft wäre für mich noch vervollständigt, wenn die sozialen Unruhen im Zusammenhang mit den Aufständen der Näherinnen in den Fabriken etwas mehr ausgeführt wären. Das ist mir etwas zu kurz gekommen.
Ich habe in diesem Buch einige Stunden gepflegte Unterhaltung gefunden
und vergebe

und
