Meine Meinung:Die Fortsetzung von "Die Hüter der Wolken" setzt konsequent da an, wo der Vorgängerband aufhört, und greift die vielen offenen Handlungsfäden auf, die in Band 1 angelegt wurden. Die Figuren, allen voran Lärka und Ethandras, führen ihren Weg fort und erfahren dabei eine ausgefeilte und tiefergehende Charakterzeichnung. Es kristallisiert sich heraus, dass sie ihrer Berufung nur gemeinsam folgen und dass sie die schwere Aufgabe, die vor ihnen liegt, nur gemeinsam bewältigen können.
Von Anfang an stellen sich den Protagonisten schier unüberwindbare Hindernisse in den Weg und es wird ihnen nichts geschenkt. Kaum ist ein Problem überwunden, stellt sich schon das nächste. Daher präsentiert sich die Handlung in einem rasanten Tempo und lässt Leser und Figuren kaum zur Ruhe kommen. Über allen Geschehnissen steht jedoch die Frage, ob der junge Steinkönig es schaffen wird, den zornigen Berg Grimhorn zu besiegen, der stets die Vernichtung der Welt im Sinn hat. Angesichts der Größe dieser Aufgabe ist klar, dass er dazu treue Gehilfen braucht; und auch die Prophezeiungen besagen, dass es eines Tages nicht nur ein Einzelner sein wird, der den Berg besiegt.
Sehr interessant fand ich auch die Passagen, in denen durch Seelenwanderung zwei oder mehr Seelen in einem Körper vereint sind; dieses Motiv wird des öfteren verwendet und bringt sehr bizarre Situationen und Einblicke. Besonders spannend wurde es, wenn solche Szenen aus verschiedenen Perspektiven geschildert wurden; gerade davon gibts einige Abschnitte, die ich recht raffiniert gemacht fand. Auch die mystischen Szenen sollten Erwähnung finden, die eine ganz eigene, unwirkliche Atmosphäre haben. Die Szenen, die innerhalb von Wahrträumen vorkommen, empfand ich mit als die stärksten des ganzen Romans.
Zum Glück gibts auch Verschnaufpausen für Lärka und Ethandras, in denen sie ihre Liebe erleben und sich ganz nahe sein dürfen. Gerade diese romantischen Passagen haben mir sehr gut gefallen. Dennoch schwebt das Unheil immer irgendwie über der Geschichte und lässt den Leser Schlimmes vorausahnen. Ein dramatisches Ende und ein sehr emotional gehaltener Epilog bilden den Abschluss des Romans. Ganz glücklich war ich mit dem Schluss nicht, aber letztendlich hat Kristin Falck das schon ganz gut hinbekommen - nicht zu kitschig, nicht zu unglaubwürdig, nicht zu abgehoben. Und nicht zuletzt hat mich der Roman auch durch seinen wunderschönen und flüssig zu lesenden Schreibstil überzeugt, der mir das Lesen sehr leicht machte und mich tief in die Geschichte eintauchen liess.
