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Autor Thema: Herbert Rosendorfer - Briefe in die chinesische Vergangenheit  (Gelesen 1837 mal)

groovedoc

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Klappentext

Ein Mandarin aus dem China des 10. Jahrhunderts versetzt sich mit Hilfe eines >Zeit-Reise-Kompasses< in die heutige Zeit. Er überspringt nicht nur tausend Jahre, sondern landet auch in einem völlig anderen Kulturkreis: in einer modernen Großstadt, deren Name in seinen Ohren wie Min-chen klingt und die in Ba Yan liegt. Verwirrt und wißbegierig  stürzt sich Kao-tai in ein Abenteuer, von dem er nicht weiß, wie es ausgehen wird. In Briefen an seinen Freund im Reich der Mitte schildert er seine Erlebnisse und Eindrücke, erzählt vom Leben der >Großnasen<, von ihren kulturellen und technischen Errungenschaften und versucht Beobachtungen und Vorgänge zu interpretieren, die ihm selbst zunächst unverständlich sind...

Autor

Herbert Rosendorfer, am 19. Februar 1934 in Bozen geboren, ist promovierter Jurist und Professor für bayerische Literatur. Er war Gerichtsassessor in Baureuth, dann Staatsanwalt und ab 1967 Richter in München, von 1993 bis 1997 in Naumburg/Saale. Seit 1969 zahlreiche Veröffentlichungen, unter denen die >Briefe an die chinesische Vergangenheit< am bekanntesten geworden sind.

Mein Eindruck

Herbert Rosendorfer beschreibt mit immer augenzwinkerndem Humor aber gleichzeitig einfühlsam das Chaos, dass Kao-tai empfindet, als er sich in unbekannter Zeit und an unbekanntem Ort wiederfindet. Es ist einfach köstlich, wie der Mandarin sich langsam an die Annehmlichkeiten und Widrigkeiten unserer Welt gewöhnt und sich dabei Gedanken um unsere Art zu leben macht. Ich habe noch kein Buch gelesen, das Gesellschaftskritik derart vergnüglich darbietet.

Meine Wertung 5ratten

PS.

Es gibt einen Nachfolgeroman >Die große Umwendung< in der Kao-tai dieses mal in das München nach dem Mauerfall gerät. Meiner Meinung nach kann der Nachläufer die Klasse des ersten Buches bei weitem nicht erreichen.
Meine Wertung hier  2ratten



EDIT: Titel korrigiert. LG, Saltanah
« Letzte Änderung: 04. November 2008, 07:17:24 von Saltanah »
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Ingroscha

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Rosendorfer Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #1 am: 20. April 2005, 21:43:38 »

Ich habe beide Bücher auf meinem SUB. Ich hoffe, ich komme bald dazu sie zu lesen. Die Rezension hat mich gleich wieder neugierig auf Rosendorfer gemacht.

@groovedoc: Hast du mehr von Rosendorfer gelesen?
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LG Ingroscha 
*Mantra murmelt*: "Bücher sind zum Lesen da, nicht zum Rumstehen."
Und Zitat Annabas: "Dieses Jahr wird alles besser."  :smile:

Valentine

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Rosendorfer Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #2 am: 21. April 2005, 14:29:17 »

"Die große Umwendung" fand ich auch lustig, aber das Original ist natürlich unübertroffen.

Als der gute Kao-tai sich fragt, ob sich die Langnasen vor ihrem Essen ekeln, weil sie es nicht anfassen wollen und so komische Metalldinger benutzen, um es in den Mund zu stecken, bin ich am Büroschreibtisch fast zerplatzt, um nicht laut loszulachen ;)
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Tirah

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Rosendorfer Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #3 am: 21. April 2005, 16:23:05 »

Die große Umwendung kenne ich nicht, aber die Briefe fand ich auch gut!  :-)  Manchmal mußte ich richtig nachdenken, was er denn überhaupt meint mit seinen komischen Ausdrücken...
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viele Grüße
Tirah

Valentine

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Rosendorfer Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #4 am: 21. April 2005, 16:50:50 »

Zitat von: Tirah
Die große Umwendung kenne ich nicht, aber die Briefe fand ich auch gut!  :-)  Manchmal mußte ich richtig nachdenken, was er denn überhaupt meint mit seinen komischen Ausdrücken...


Der "An-tsu" ist bei uns zum geflügelten Wort geworden ... und der "Mo-te Shang-dong" ;)
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groovedoc

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Rosendorfer Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #5 am: 21. April 2005, 19:09:48 »

@ Ingroscha: Ja und zwar
Absterbende Gemütlichkeit (Kurzgeschichten aus dem Münchener Millieu der 50er bis 80er Jahre, ebenfalls herrlich zu lesen)
und der Ruinenbaumeister. Letzteres allerdings nur angelesen. Hat mir auch nicht so sehr gefallen.
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groovedoc

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Rosendorfer Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #6 am: 21. April 2005, 19:28:54 »

@ Valentine

Auch bei uns gibt es neue geflügelte Worte wie "We-to-feng und Fa-shu-we". Unser Nachbar heißt jetzt im übrigen "Herr Shi-shmi" ohne das er das weiß.
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Skywalkerin

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Rosendorfer Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #7 am: 21. April 2005, 21:01:20 »

"Absterbende Gemütlichkeit" war eins der ersten Bücher von Rosendorfer, die ich gelesen habe. Hab mich göttlich damit amüsiert, besonders über den Besuch auf dem Oktoberfest. Wie aus dem richtigen Leben.

"Briefe in die chinesische Vergangenheit" hat mir auch sehr gut gefallen. Mit seinen Augen gesehen sind wir wirklich ein seltsames Völkchen.  :zwinker:
In diesem Sinne werde ich jetzt noch ein "Brandopfer" bringen.  :breitgrins:

"Die große Umwendung" fand ich dagegen nicht mehr ganz so gut, aber immer noch unterhaltsam genug.

Lesenswert fand ich auch noch:
"Die goldenen Heiligen oder Columbus entdeckt Europa"

Viele Grüße
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Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene.
(Carl Hilty)

hans-olo

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Rosendorfer Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #8 am: 21. April 2005, 21:14:09 »

Muss auch sagen: hab mich gekringelt, als ich die Briefe gelesen habe und hätte damals am liebsten gleich noch einen Band gelesen.

Das Buch lebt einfach von den chinesischen Wörtern.

Bin erst kürzlich wieder über etwas ähnliche Witziges gestolpert: Business Class von Martin Suter - aber eben ohne den Wortwitz

Olo
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Valentine

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Rosendorfer Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #9 am: 22. April 2005, 10:10:19 »

Den Zusammenstoß mit dem Tomatenlaster am Anfang der "Umwendung" fand ich echt zum Schießen. Oder wenn er mit der Polizei in Konflikt gerät :breitgrins:
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finsbury

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Rosendorfer Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #10 am: 22. April 2005, 17:50:46 »

Hallo,

die "Briefe" habe ich vor langer Zeit gelesen und fand sie auch Klasse.
Wenn ihr euch übrigens für ironisch gebrochene Deutschlandbilder interessiert, kann ich euch nur von

Maksim Gorski: Gebrauchsanleitung für Deutschland :tipp: empfehlen.
Da schreibt ein russischer Journalist (Ich nehme an, der Name ist nicht echt, Verballhornung von Gorkij) über seine Eindrücke von Deutschland.

Ich habe wirklich Tränen gelacht, totlach  als er zum Beispiel unser Verhalten auf Autobahnen beschrieb oder auch, was einen erwartet, wenn man von Deutschen eingeladen wird.

HG
finsbury
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groovedoc

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Rosendorfer Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #11 am: 22. April 2005, 19:06:42 »

Hi finsbury,

Du hast absolut recht. Wer wirklich mal über uns Deutsche mal Lachen oder was wissen will, ist bei Maxim Gorski genau richtig. Im übrigen ist anscheinend die ganze Serie "Gebrauchsanweisung für" ähnlich gestrickt. Mir ist u. a. die von Ralf Sotscheck über Irland in sehr guter Erinnerung.
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webcritics

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Rosendorfer Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #12 am: 22. April 2005, 20:41:02 »

"Die große Umwendung" -> da stimme ich dem allgemeinen Tenor zu, es waren auf jeden Fall sehr viele witzige Ideen dabei, aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die eigentliche Geschichte nur so zusammengestrickt wurde, damit alle Ideen hineinpassen. Gegen Ende ist auch alles so schnell vorbei, ich vermute fast, weil es dann keine lustigen Szenen mehr gab und damit auch kein Gerüst mehr nötig war.

Maksim Gorski: Gebrauchsanleitung für Deutschland <-- da wollte ich auch schon immer mal reinsehen, ich denke, sobald ich wieder in Deutschland unterwegs bin, werde ich mir das zu Gemüte führen...
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sandi

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Re: Herbert Rosendorfer - Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #13 am: 04. November 2008, 00:06:19 »

Dieses Buch verdient es sich, wieder mal rauf geschubst zu werden.

Ein ganz tolles Büchlein hat hier Herr Rosendorfer geschrieben. Einen ganzen Eimer voller Gesellschaftskritik kriegt man hier um die Ohren gehauen, aber mit viel Witz. Ich habe selten so gelacht beim Lesen. Würde ich nicht gerade in einem Loch von Leseunlust stecken, hätte ich das Buch in einem Zug durchgelesen. Mir fiele jetzt gar nichts ein, was mir nicht gefallen hätte, außer, dass es noch etwas länger hätte sein können :gruebel:

Auf den zweiten Teil hatte ich mich ja auch schon gefreut, aber wenn ich das hier so lese, wird meine Freude wiederum sehr gedämpft. Was soll's, mein SUB kann gar nicht genug Futter bekommen  :zwinker:

4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

Übrigens heißt der Titel in die chinesische Vergangenheit nicht an (falls einem Mod gerade langweilig ist :zwinker:)
« Letzte Änderung: 04. November 2008, 00:08:53 von sandi »
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"Man hat in der Welt nicht viel mehr, als die Wahl zwischen Einsamkeit und Gemeinheit." A. Schopenhauer

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Saltanah

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Re: Herbert Rosendorfer - Briefe an die chinesische Vergangenheit
« Antwort #14 am: 04. November 2008, 07:18:30 »

Übrigens heißt der Titel in die chinesische Vergangenheit nicht an (falls einem Mod gerade langweilig ist :zwinker:)

 :stillgestanden: Erledigt! Danke für den Hinweis, sandi!
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