So, jetzt habe ich das erste Kapitel noch einmal gelesen. Ein klein wenig geringer ist meine Verwirrung geworden; immerhin habe ich jetzt die Namen einigermaßen im Griff und weiß auch, wer Mann und wer Frau ist. Beim ersten Lesen habe ich mich da öfter vertan - wieso können die nicht für europäische Leser eindeutige Namen haben?

- und mir ist auch klar geworden, dass Fartamio Andra und Fatamio Andra do Nguélo Nodalo zwei Personen sind.
Klar geworden ist mir auch, dass das Land, in dem das Buch spielt, nicht hundertprozentig mit dem Kongo übereinstimmt. Zumindest habe ich die erwähnten Städte auf der Kongokarte nicht entdecken können und die Küste im Buch scheint mir auch länger zu sein als die paar Kilometer in Wirklichkeit.
Aber ich habe doch weiterhin Probleme mit der Chronologie. Wieviel Zeit zwischen den einzelnen Ereignissen vergeht, wird zwar immer erwähnt, aber trotzdem ist es mir nicht immer ganz klar. Teilweise liegt das wohl an den unglaublich langen Zeiträumen, die vergehen, teilweise an dem nicht ganz einfach zugänglichen Stil.
Ich finde, das Buch hat einen lateinamerikanischen Flair; mit seinen nicht hundertprozentig realistischen Geschehnissen erinnert es mcih ein wenig an Garcia Marquez magischen Realismus. Trotzdem gefällt es mir aber (was ich von Marquez, dem ollen Macho, ja nicht behaupten kann). Das liegt nicht zuletzt daran, dass Tansi den Frauen eine größere Rolle einräumt.
Das Hin und Her mit der Hauptstadt ist ja wunderbar! Ich musste bei der Beschreibung, wie alle Gebäude, Brücken, Friedhöfe, Parks und die halbe Kathedrale in die mal wieder neue Hauptstadt verfrachtet werden, ziemlich grinsen. Dabei steckt dahinter natürlich eine wahnsinnige Verschwendung an Ressourcen, die anders viel besser genutzt werden könnten.
Bezieht sich Tansi hier eigentlich auf eine reale Begebenheit? Zuzutrauen würde ich es manchen Diktatoren durchaus.
Sehr eindringlich ist dann die Beschreibung des Mordes; die verliert beim Wiederlesen nichts an Horror! Ich frage mich, ob Tansi hier nur einen Mord an einer "wirklichen" Romanfigur beschreibt, oder ob man das als Symbol für Übergriffe auf ein Land oder ein Volk lesen soll.
Sehr vieles kann ich nicht einordnen. Was soll ich z. B. von der Ananasgeschichte halten? Was hat es mit dem Christuskopf auf sich? Was sind "cycling pigs" (S. 13)? Wofür stehen die schreienden Felsen und der singende Baum? Was ist "the hand that doesn't eat" (S. 26)? (Ist es im Kongo vielleicht so wie in manchen anderen Gegenden, in denen man mit rechts isst und sich mit links den Hintern abwischt - und auf keienen Fall anders herum?) Gibt es wirklich ein Schöpfungsmythos, in dem die Menschen von einem Saurier abstammen?
Ich könnte mit meinen Fragen noch eine Weile fortfahren; klar ist auf jeden Fall, dass ich bei diesem Buch keinen festen Boden unter den Füßen habe. Ich versuche, Erklärungen zu finden, bin mir aber bewusst, dass ich ganz falsch liegen kann.
Eine andere Frage ist die nach der Erzählerin. Wer ist "Ich"? Wirklich nur eine weiteres Mitglied auf Estina Bronzarios Zirkel?
Zusammenfassen könnte ich meine Meinung zum ersten Kapitel so: ich verstehe nichts, aber es gefällt mir!