Ich bin auch fertig. 
Penelope ist für mich gegen Ende immer geheimnisvoller und undurchschaubarer geworden. War sie Odysseus nun treu oder nicht? Und hat sie ihn wirklich geliebt? Odysseus wird zwar als jemand dargestellt, der anderen gerne etwas vormacht und oft und gerne lügt, aber schlussendlich will Penelope ihm ja doch irgendwie glauben (z.B. wenn er die "nobleren" Varianten seiner Abenteuer erzählt) und macht ihm keinerlei Vorwürfe wegen der Tötung der Mägde oder so... Ausserdem hat sie selbst Anderen auch oft etwas vorgespielt. Sie hat die empfindsame, nah am Wasser gebaute, treue Ehefrau gespielt, obwohl sie Odysseus sofort erkannt hat und hat dann die ganze Geschichte mit dem "Wettbewerb" (mit Odysseus Bogen) inszeniert. Also irgendwie haben sich unterm Strich beide ziemlich oft gegenseitig etwas vorgemacht. 
Diese Aspekte haben mir gerade gefallen. Man sieht auch die anderen Seiten der Münze, anstatt nur eine Möglichkeit präsentiert zu bekommen. Ich glaube nicht, dass sich Penelope hier einem Freier hingegeben hat - dazu hatte sie mMn zu viele Komplexe. Odysseus ist mir in dieser Darstellung des Mythos allerdings zu undurchsichtig. Das passierte aber wahrscheinlich absichtlich, um Penelope's und die Sicht der Mägde besser herauszustreichen.
Bei Odysseus Rückkehr musste sie sich doch als treue Ehefrau darstellen, sonst wäre doch alles aufgeflogen. Insofern sehe ich das nicht als Lüge o.ä. 
Ich habe das alles auch als positiv empfunden und keineswegs als schlecht.

Ich finde es toll, wie Penelope dargestellt wird, als eine Persönlichkeit mit Ecken und Kanten, die man nicht so leicht durchschauen kann, anstatt nur als braves treues Frauchen wie in der Odyssee...
