Sodele, nun bin auch ich so weit, dass ich hier meine Meinung äußern kann.
Nacht unter Tag ist die gelungene Verflechtung zweier zunächst unabhängiger und ungleicher Tatbestände. Zum einen gilt es in diesem Kriminalroman von Val McDermid in gewohnt akribischer Manier eine Vermisstenanzeige nach 22 Jahren aufzulösen. Zum anderen bekommt dasselbe Ermittlungsteam für ungelöste Fälle fast zeitgleich den Auftrag einen Entführungsfall aus höchsten Kreisen nach Eingang neuer Beweise noch einmal aufzunehmen. Aber auch diese Tat liegt weit in der Vergangenheit zurück und fast schon verdächtig zeitnah an der Vermisstenanzeige einer bangenden Mutter, die auf der Suche nach Rettung für ihren schwerkranken Sohn nun doch noch den eigenen Vater aufspüren möchte. Dabei hat es das Ermittlungsteam wahrlich nicht leicht, da von verstockten Vorgesetzten zur einseitigen Ermittlung getrieben, letztendlich auch noch mindestens einer der Fälle ins europäische Ausland verlaufen zu scheint. Denn gerade hier, im toskanischen Italien hat eben eine bekannte Journalistin während ihres Urlaubes neues Beweismaterial zu der Lösegeldforderung von damals gefunden. Hier muss ich aber doch noch ganz kurz erwähnen, dass die Gegend um San Giminiano super authentisch beschrieben wurde.
Interessant an diesem Buch war für mich nicht nur das zweigleisige, völlig unabhängige Recherchieren der involvierten Betroffenen, die einerseits durch die von ihrer Karriere geleiteten Journalistin Annabel Richmond vor Ort in der Toskana, sondern auch von dem sehr sympathischen Ermittlungsduo für ungelöste Fälle DI Karen Pirie und Mick Prentice vor Ort in Schottland aufgenommen wurden. Gerade im schottischen Handlungsstrang konnte ich noch einiges über den tatsächlich passierten Grubenarbeiterstreik im Dezember 1984 lernen, dessen Auswirkungen auf die Bevölkerung mir so intensiv nicht geläufig waren. Sehr gelungen hat es hier die Autorin geschafft ein recht umfangreiches Bild der damaligen Arbeiterklasse und deren Armut durch eben jene Umstände zu schildern. Hier kamen auch gewisse politische Punkte auf den Tisch, zu denen mir allerdings gewisse Grundkenntnisse fehlten. Einzig die ausführlichen Beschreibungen der wohl auch heute noch zu besichtigenden Höhlen waren mir zeitweise dann doch etwas zu langatmig, da ich doch unbedingt mehr über die jeweiligen Fälle lesen wollte. Vielleicht war ich in diesem Fall aber auch einfach eine zu ungeduldige Leserin. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass Val McDermid mit jedem neuen Roman etwas ausführlicher und damit auch etwas langatmiger wird. Allerdings kann ich nun nicht behaupten, dass es an Spannungsmomenten in Nacht unter Tag gefehlt hätte. Die Spannungspunkte lagen aber hauptsächlich im Bereich des Grübelns über die Entschlüsselung der genannten Fälle. Denn ständig konnte ich als Leser die einzelnen Ermittlungspunkte mitverfolgen und wurde somit natürlich zum Erraten der Rätsel angehalten. Der Schluss ließ mich im ersten Augenblick allerdings ziemlich ratlos zurück. Im ersten Moment dachte ich gar, es würden ein paar Seiten fehlen… Aber dies können andere Leser auch ganz anders empfinden.
Alles in allem hat mir
Nacht unter Tag von Val McDermid recht gut gefallen, möchte aber doch noch betonen, dass dieser Krimi keinesfalls mit der Reihe um Carol Jordan und Tony Hill mithalten kann.
Deshalb von mir daher "nur":

Liebe Grüssle
Marion
